Unsere Projekte

Tierärzte ohne Grenzen strebt eine ganzheitliche Entwicklungszusammenarbeit an. Wir verfügen über eine umfangreiche Expertise in den Bereichen Tierproduktion und -vermarktung, Tiergesundheit und Lebensmittelsicherheit, im Umgang mit natürlichen Ressourcen, in der Landwirtschaft und Ernährungssicherung sowie im Konfliktmanagement, der Katastrophenvorsorge und Nothilfe. Darüber hinaus implementiert Tierärzte ohne Grenzen Schulspeisungsprogramme und Cash-for-Work-Projekte und ist in den Bereichen Interessenvertretung und Stärkung von Frauenrechten aktiv. 

Projekte im Fokus

Eine Auswahl unserer laufenden Projekte

Kenia: Tollwutbekämpfung in Narok Country

Jedes Jahr sterben auf der Welt über 50.000 Menschen an Tollwut. Jährlich sterben 2.000 Menschen an dieser schrecklichen, unheilvollen Infektion. 

Äthiopien: Verbesserte Ernährungsplanung bei Dürren

Zahlreiche Länder am Horn von Afrika waren 2015 von Dürren betroffen. Äthiopien traf es besonders hart, weil die Dürre durch den El Niño-Effekt verstärkt wurde.

Südsudan: Gemüseanbau während der Trockenzeit

Im Südsudan haben die Bauern und Viehzüchter der Region Greater Bahr el Ghazal ihre Lebensgrundlagen durch Konflikte, Krieg und natürliche Katastrophen verloren.

Somalia: Bedingungslose Bargeldleistungen

Bedingungslose Bargeldleistungen an stark bedürftige Familien ermöglichen den Zugang zu Lebensmitteln, Medikamenten und Gebrauchsgegenständen.

Sudan: Nahrungsmittelsoforthilfe & Lebensunterhaltshilfe

Die Verbesserung der Ernährungsgrundlage und -sicherheit von Binnenflüchtlingen, Rückkehrenden und gefährdeten Gastgemeinden in Darfur und Südkordofan ist Ziel des Projekts.

Kenia: Gemeinsam gegen Dürren & Klimaschocks

Klimaschocks haben eine erhebliche Auswirkung auf Menschenleben und Lebensunterhalte. 2016 hat Tierärzte ohne Grenzen beide Phasen des Projektes erfolgreich umsetzen können.

Glossar

Glossar

Tiergesundheitshelfer sind Menschen aus unseren Projektgebieten, die von ihren Dorfgemeinschaften für diese Aufgabe ausgewählt werden. Sie erhalten eine 14-tägige praktische und theoretische Ausbildung durch einen Veterinär. 

Diese findet meist mit Hilfe von Schaubildern statt, denn viele angehende Tiergesundheitshelfer können nicht lesen und schreiben. Nach der Ausbildung sind sie in der Lage, grundlegende Tierkrankheiten zu erkennen und zu behandeln. Dafür werden sie mit Ausrüstung wie Spritzen und Nadeln, Impfstoffen und Medikamenten ausgestattet. Dazu gehören ein hitzestabiles Antibiotikum, ein Entwurmungsmittel, ein Mittel gegen die Schlafkrankheit der Rinder, Puder gegen Läuse, Augensalbe, Wundöl und ein Mittel gegen Zecken.

Die Ausbildungsdauer erscheint auf den ersten Blick sehr kurz. Dabei muss man aber bedenken, dass die Menschen bereits einen großen Wissensschatz über die richtige Haltung der Tiere und über Krankheitsbilder mitbringen, der von Generation zu Generation weitergegeben wird. Schließlich spielen Nutztiere in unseren Projektgebieten eine große Rolle und Mensch und Tier leben sehr eng beieinander. Kinder helfen von klein auf bei der Versorgung und erwerben so im Alltag viel Wissen über die Tiere. Trotzdem kann man einen Tiergesundheitshelfer nicht mit einem Tierarzt vergleichen. Mit grundlegenden Behandlungen wie Wurmkuren und vorbeugenden Impfungen kann man aber schon viel erreichen.

Nach der Ausbildung betreuen Tiergesundheitshelfer die Tiere in ihrem Dorf und den umliegenden Dörfern. Viele absolvieren täglich weite Strecken zu Fuß. Deshalb statten wir sie mit Fahrrädern aus, damit sie die großen Distanzen zwischen den Dörfern leichter zurücklegen können. Einige Tiergesundheitshelfer eröffnen kleine Läden, in denen sie andere Tierhalter beraten und Medikamente ausgeben. Tiergesundheitshelfer erhalten die Möglichkeit, regelmäßige Auffrischungskurse zu absolvieren und sich weiter fortzubilden.

Bei diesem Ansatz erhalten Menschen für geleistete Arbeit einen Tageslohn (ca. 3 Euro/Tag) und oft auch eine warme Mahlzeit. Die Menschen verwenden ihren Lohn z.B. für Essen, für die medizinische Versorgung, für Kleidung oder für die Zahlung ausstehender Schulden. 

Die Arbeiten sind in der Regel Gemeinschaftsprojekte, beispielsweise das Entsanden von Wasserstellen oder die Instandsetzung von Schulen oder Straßen. Solche Maßnahmen sind besonders nach Naturkatastrophen oder in Zeiten von akutem Nahrungsmangel sinnvoll. Die Betroffenen werden mit einbezogen, sie können selbst aktiv werden, statt durch eine reine Hilfe in Form von Nahrungsmitteln in eine Bittsteller-Haltung gedrängt zu werden. Zusätzlich tun sie etwas Nützliches, das ihnen und ihrer Gemeinde direkt zugute kommt. Auch die lokale Wirtschaft wird durch „Cash-for-Work“-Maßnahmen gestärkt, denn mit dem erhaltenen Lohn können sich die Menschen vor Ort Lebensmittel kaufen, statt auf importierte Nahrung zurückgreifen zu müssen.

In unseren Projekten machen wir die Menschen mit dem VICOBA-Konzept vertraut, was frei übersetzt so viel wie Dorfgemeinschafts-Bankensystem bedeutet.

Dabei werden Gruppen von 35-60 Personen gebildet, die sich einmal wöchentlich treffen. Jeder Teilnehmer zahlt einen Mindestbetrag von umgerechnet ca. einem Euro für einen festgelegten Zeitraum (meist ein Jahr) in die Gemeinschaftskasse ein. Sobald die Ersparnisse sich genügend vermehrt haben, können die Mitglieder abwechselnd Anleihen daraus entnehmen. Die Kredite dienen als Startkapital für Einkommen schaffende Aktivitäten, z.B. Viehvermarktung, Hühner- oder Bienenzucht oder den Handel mit Salz, Zucker, Getreide und Aloe Vera-Pflanzen. Meist liegt die Kredithöhe bei etwa 50 €. Bei Rückzahlung werden 10% Zinsen auf das geliehene Geld gezahlt. Am Ende des Jahres erhält jedes Gruppenmitglied eine Auszahlung im Verhältnis zur Höhe seiner ursprünglichen Einzahlung. Die Gruppen schaffen so in kurzer Zeit durch gemeinsame Ersparnisse, was jedem Einzelnen nur schwer möglich wäre.

Die VICOBA-Gruppen haben noch eine weitere wichtige Funktion: In eine zweite kleinere Kasse zahlen die Mitglieder wie in eine gemeinsame Haushaltskasse ein. Sie ist für finanzielle Engpässe oder Notfälle gedacht. Wenn jemand auf Geld aus dieser Kasse angewiesen ist, muss er es nicht zurückzahlen. Er kann aber als Dank eine größere Summe einzahlen, wenn er finanziell wieder auf sicheren Füßen steht. So entsteht eine finanzielle Absicherung für alle Mitglieder.