SPENDENBAROMETER

Zeitraum: 10.5. - 22.6.2017

62 %
160.888,00 €

Unser Spendenziel für Impfen für Afrika! liegt bei 260.000,00 €.

So wirkt Ihre Spende

Ihre Spende aus dem Aktionstag "Impfen für Afrika!" unterstützt die Arbeit von Tierärzte ohne Grenzen. In 2017 fördert unser Verein damit insbesondere ein Projekt in Äthiopien, das Nothilfe für von der Dürre betroffene Menschen leistet.

In Äthiopien, vor allem im Norden und im Osten des Landes, hat es fast zwei Jahre lang nicht geregnet. Aufgrund des globalen Klimaphänomens El Niño fiel 2015 der Regen komplett aus. Das hat dazu geführt, dass mehr als 10 Millionen Menschen letztes Jahr von ausländischer Hilfe abhängig wurden. Tierärzte ohne Grenzen e.V. hilft Pastoralisten mit Notmaßnahmen ihre verbliebenen Tiere zu retten, ihren Bestand wieder aufzubauen und Zugang zu sauberem Trinkwasser wiederherzustellen.

Nothilfe bei Dürre

Äthiopien wird seit Jahren schon von wiederkehrenden Dürren geplagt. 2015 wurde diese durch El Niño dramatisch verschlimmert; der Regen fiel im Großteil des Landes vollkommen aus. El Niño ist eine Klimaanomalie, die in zwei bis siebenjährigen Abständen zu Umkehrungen der normalen Wettersituation führt. Durch das Ausbleiben der Passatwinde über den Pazifik findet eine allmähliche Umkehrung der Luftdrucksituation statt, die unter anderem sintflutartige Regenfälle über Südamerika oder starke anomale Dürren im westpazifischen Raum und in der Subsahara verursacht.

In Äthiopien hat El Niño die schlimmste Dürre der letzten 50 Jahre ausgelöst. Die Folgen davon werden noch weit in 2017 rein zu spüren sein. Die Ernten fielen aus und jegliche Nahrungsreserven des Landes wurden aufgebraucht. Die Menschen hatten nicht genug Nahrung oder Wasser für sich selbst und für ihre Tiere, die in Massen gestorben sind. Pastoralisten sind gezwungen ihre wenigen abgemagerten Tiere am Markt für wenig Geld zu verkaufen. Der Boden war zudem zu ausgetrocknet um den starken Regen von La Niña aufzunehmen. La Niña ist das entgegengesetzte Phänomen von El Niño, das meist im Anschluss an ein El Niño Ereignis auftritt. Der Regen hat vielerorts die Ernte zerstört und durch Überschwemmungen noch mehr Unheil angerichtet; u.a. verbreiten sich infektiöse Krankheiten in überschwemmten Gebieten wie Lauffeuer.

Das Ziel von Tierärzte ohne Grenzen ist es, dass die Menschen ihre finanzielle Unabhängigkeit wiederherstellen können und im Hinblick auf die nächsten Dürren widerstandsfähiger werden. Das Projekt, das darauf abzielt die humanitären Bedürfnisse von ca. 79.000 (Agro-)Pastoralisten in einem Teil der Region Afar zu adressieren, besteht aus zwei Schwerpunkten. Einerseits konzentriert es sich auf Nahrungssicherung von Mensch und Tier durch landwirtschaftliche und tiermedizinische Maßnahmen. Andererseits werden Menschen in Praktiken zur sanitären Grundversorgung und Hygiene erzogen und Zugang zu sauberem Trinkwasser sichergestellt.

Widerherstellung der Lebensgrundlage

Die Afar sind hauptsächlich Pastoralisten, sie basieren ihre Lebensgrundlage auf der Nutztierhaltung; unter anderem weil sie in einer so trockenen Region leben, dass Ackerbau fast unmöglich ist. Im Rahmen des Projektes werden 270 besonders mittellose Haushalte mit 10 schwangeren oder stillenden Ziegen und ausreichend Futter für einen Monat ausgestattet. Andere Frauen hingegen werden in die Lage versetzt, sich kleine Wiederkäuer zu kaufen um diese zu mästen und sie dann zu höheren Preisen vor den Feiertagen zu verkaufen. So leistet Tierärzte ohne Grenzen nicht nur einen Beitrag zur Ernährungssicherung, sondern sorgt insgesamt auch für eine ausgewogenere Ernährung sowie zusätzliches eigenes Einkommen der Menschen. Mit der Ziegenmilch können die Mütter ihre Kinder versorgen und der Überschuss an Milch und Fleisch kann verkauft werden. Nicht nur die Privathaushalte, sondern auch die kleinunternehmerische Wirtschaft der Region profitiert: Denn umso mehr Menschen ihre Waren auf den Märkten verkaufen, dadurch Geld verdienen und davon wieder andere Waren kaufen, desto stabiler können Nahrungsmittel und Waren angeboten und verkauft werden.

Solange die Tiere gesund sind, ernähren sie die Menschen, auch wenn der Boden noch keine Ernte erbringt. Deshalb ist die veterinärmedizinische Versorgung der Nutztiere und Schulung der Tierhalter ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit. Einerseits bauen wir stetig unser Tiergesundheitssystem aus, indem wir schon angelernte Tiergesundheitshelfer weiterbilden, sowie neue Tiergesundheitshelfer ausbilden und diese mit den notwendigen veterinärmedizinischen Werkzeugen und pharmazeutischen Mitteln ausrüsten. Die Tiergesundheitshelfer bilden den Grundstein unserer veterinärmedizinischen Versorgung: Sie sind in der Lage die verschiedenen Nutztiere gegen die häufigsten Krankheiten zu impfen und bei Schädlingen wie Würmern Abhilfe zu schaffen. Unsere Tiergesundheitshelfer sind auch immer selbst erfahrene Tierhalter, die andere Tierhalter zum Beispiel in Fragen von Weide- und Futtermanagement beraten können. Zusätzlich beraten wir insbesondere die Halter größerer Herden, um Krankheitsfälle und Seuchen vorzubeugen und damit die Nahrungsmittelversorgung durch die Herden sicherzustellen. Durch die starken Regenfälle besteht das Risiko von einer vermehrten und beschleunigten Krankheitsverbreitung. Tierärzte ohne Grenzen unterstützt die Regierung bei Massenimpfkampagnen und führt ein Seuchenüberwachungsprogramm für eine effektive Prävention durch. Gesunde Tiere bedeuten gesunde Menschen.

Neben der veterinärmedizinischen Versorgung, brauchen die Tiere auch genug Futter um überleben zu können. Wir unterstützten die Produktion von Futtermittel vor Ort, statten die Bauern mit Samen und Werkzeugen aus und helfen bei der Bewässerung. Bei Kapazitätsaufbautrainings (capacity building) lernen die Bauern welche Kulturen am geeignetsten sind und wie diese am besten wachsen. Das geerntete Futtermittel können die Bauern dann für ihre eigenen Tiere nutzen oder auf dem Markt verkaufen und somit die lokale Wirtschaft weiter ankurbeln.

Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene

Die von starken Regenfällen gefolgte Dürre birgt ein Risiko der Verbreitung von infektiösen Krankheiten nicht nur bei Tieren, sondern auch bei Menschen. Der feuchte Boden und die Zerstörung der Infrastruktur zur sanitären Grundversorgung bieten die besten Bedingungen für eine hohe Infektionsrate. Zudem haben momentan 45 Millionen Menschen in Äthiopien (das ist knapp die Hälfte der Bevölkerung) keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und 25 % der Wassersysteme allein in der Afar Region funktionieren nicht.  Auch unreines Wasser kann Krankheiten verursachen und verbreiten. Aufgrund dieser bestehenden Problematik und unserem Ziel eine umfassende Nothilfe zu leisten, beinhaltet dieses Projekt auch Maßnahmen im WASH-Sektor (Wasser, Sanitäre Grundversorgung und Hygiene) um in Zukunft eine sanitäre Grundversorgung und sauberes Wasser zu gewährleisten.

In diesem Rahmen teilt Tierärzte ohne Grenzen Hygienekits, mit u.a. je einem Wasserbehälter, Seife und Waschmittel, zur Bekämpfung von Krankheiten aus; Sensibilisierungstrainings für die staatlichen Gesundheitshelfer und Hygieneförderungskampagnen auf öffentlichen Plätzen werden organisiert. Ursprünglich sammeln die Afar Regenwasser um ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Tierärzte ohne Grenzen wird solargetriebene Wasserpumpen bauen und Menschen für die Instandhaltung der Pumpen ausbilden. Zudem werden Werkzeuge ausgeteilt werden und Trainings gehalten, über wie man die schon bestehende Infrastruktur reparieren kann. Das so erhaltene Wasser wird getestet werden und eventuell behandelt, um es trinkbar zu machen.

Während allen Phasen des Projektes werden die lokale Bevölkerung und die Behörden mit einbezogen sein. Dies stellt die Nachhaltigkeit sicher und erlaubt uns, genau da zu handeln, wo es am stärksten gebraucht wird. Besonderer Fokus liegt in allen Maßnahmen auf der Inklusion von Frauen - diese sind offensichtlich diskriminiert und haben mit diesem Projekt die Gelegenheit ein eigenes Einkommen zu sichern. Wenn diese Eckpunkte ineinandergreifen und von allen Parteien unterstützt werden, können möglichst viele Menschen von den Maßnahmen profitieren und das Erreichte nachhaltig bleiben.
Halima, Mutter von 5 Kindern und Empfängerin eines ähnlichen Projektes zur Bekämpfung der Folgen der Dürre von 2011, hatte im Rahmen des Projektes Fleisch überreicht bekommen: "Ich habe 3 Monate bevor das Projekt begann eine kleine Tochter zur Welt gebracht. Ich konnte sie aber nicht stillen, weil meine Brüste keine Milch mehr hatten, da ich meine gesamten Ziegen durch die Dürre verloren hatte. Ich gab meiner Tochter Tee (Wasser mit Zucker) zu trinken. In der ersten Woche habe ich 5kg Fleisch bekommen. Ich habe versucht, mich daran zu erinnern, wann ich das letzte Mal so viel Essen im Haus hatte - ich konnte es nicht..."

Finanzierung nur mit Ihrer Hilfe

Damit wir den Menschen in der Region Afar auch tatsächlich helfen können und das Projekt reibungslos abläuft, muss auch die Finanzierung gesichert sein. Das Projekt wird vom amerikanischen Büro für Katastrophenhilfe im Ausland gefördert, dass zur Behörde der Vereinigten Staaten für internationale Entwicklung gehört (USAID/Office of Foreign Disaster Assistance). Doch für jedes Projekt muss unser Verein auch einen sogenannten „Eigenanteil“ der Projektfinanzierung übernehmen: Mit dieser Deckung von 10-25% der Gesamtprojektsumme sollen Organisationen ihre Unabhängigkeit und Handlungsfähigkeit beweisen. Aus diesem Grund sind wir auf Ihre Spenden angewiesen, um genügend Mittel für unsere Eigenanteile zu sammeln und so auch zukünftig die Projektfinanzierungen sicherstellen zu können.

Doch wenn uns dies gelingt, können wir einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, das Leben der Menschen in Äthiopien zu verbessern und ihnen dabei helfen, die dramatischen Folgen der Dürre in Grenzen zu halten und in Zukunft widerstandsfähiger zu sein.