Transdisziplinärer Workshop zum One Health Day 2018

26.10.2021

Zum dritten Mal in Folge organisierte Tierärzte ohne Grenzen e.V. gemeinsam mit seiner Freiwilligengruppe einen transdisziplinären Workshop zum One Health Day. Dieses Jahr standen die vernachlässigten Tropenkrankheiten im Zentrum der Diskussion. Neben Veterinär- und Humanmediziner*innen, waren Fachleute aus der Epidemiologie, dem Public Health-Wesen, der Psychologie und dem Journalismus anwesend. Ebenso fanden Studierende aus den verschiedensten Bereichen ihren Weg in das Karl Storz Besucher - und Schulungszentrum. Gefördert wurde die Veranstaltung auch in diesem Jahr durch Engagement Global mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.


© Tierärzte ohne Grenzen e.V.

Was sind NTDs?

Neglected tropical diseases (NTDs) sind armutsassoziierte, vernachlässigte Tropenkrankheiten. Es sind eine von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) definierte Gruppe von Infektionskrankheiten, die überwiegend oder ausschließlich in tropischen Ländern auftreten. Diese vernachlässigten Krankheiten können durch Bakterien, Viren, Parasiten und Protozoen ausgelöst werden. Ein Sechstel der Weltbevölkerung, über 1,5 Milliarden Menschen in über 100 Staaten, leiden an einer oder mehreren NTDs. Weitere zwei Milliarden Menschen sind von ihnen bedroht. Arbeitsunfähigkeit, Erblindung, Entstellung, Behinderung, Stigmatisierung und frühzeitiger Tod sind häufig die Folge. Es sind vor allem arme Bevölkerungsschichten betroffen, weshalb die NTDs in der Entwicklungsarbeit oft als Indikator für Vernachlässigung, Mangelernährung und schlechte Lebensbedingungen dienen. Um diese Krankheiten erfolgreich zu bekämpfen, zu kontrollieren und zu eliminieren, ist eine Verzahnung unterschiedlichster wissenschaftlicher Disziplinen nach dem One Health-Ansatz zwingend notwendig.


© Tierärzte ohne Grenzen e.V.

Experten beleuchten die Problematik

Nach einer Begrüßung durch Dr. Daniel Zaspel, dem Vorstandsvorsitzenden von Tierärzte ohne Grenzen e.V., wurde der Abend von Prof. Dr. med. Andrew Ullmann, MdB, Facharzt für Innere Medizin und Stellvertretender Vorsitzender im Unterausschuss Globale Gesundheit, eröffnet. In seiner Rede über “Die Rolle Deutschlands in globaler Gesundheit und NTD Bekämpfung“ betonte er wie wichtig und aktuell eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Human- und Veterinärmedizin für die Bekämpfung der NTDs sei. Dr. Zaspel berichtete unter anderem von seinen persönlichen Erfahrungen als Humanmediziner und Infektiologe.
Im Anschluss referierte Antonia Braus, Tierärztin und Mitarbeiterin für Internationale Tiergesundheit und Pastoralismus bei Tierärzte ohne Grenzen e.V., den One Health-Ansatz im Kontext zu
armutsassoziierten, vernachlässigten Tropenkrankheiten. Sie stellte die Auswirkungen der Tiergesundheit auf Einkommen und die Lebensgrundlage von Menschen im globalen Süden heraus.
PD Dr. med. vet. Esther Schelling vom Department of Epidemiology and Public Health des Schweizerischen Tropen- und Public Health Instituts erörterte in ihrem Vortrag den Mehrwert transdisziplinärer Zusammenarbeit und thematisierte eine sektorenübergreifende Ökonomie. Sie berichtete von Projekten ihres Instituts und ihren Erfahrungen vom Mehrwert eines praktizierten One Health-Ansatzes. Begriffe wie “Global Health” und “Eco Health” wurden diskutiert.

Audiovisuelles Projekt über tropische Parasitosen

Zwischen den Vorträgen konnten sich die Teilnehmenden über wichtige parasitäre Zoonosen in Form von Infografiken auf Plakaten weiterbilden. Zusätzlich bestand die Möglichkeit auf den Plakten QR-Codes mit dem eigenen Smartphone abzurufen, um sich Audiodateien mit zusätzlichen Erklärungen zu einzelnen Themen anzuhören. Erstellt wurde dieses audiovisuelle Projekt von Studierenden der Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin unter Leitung von Prof. Dr. med. vet. Peter-Henning Clausen im Institut für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin.

 

One Health in der öffentlichen Wahrnehmung

One Health wird erst seit Kurzem in wissenschaftlichen Kreisen diskutiert, in der Öffentlichkeit aber nicht wahrgenommen. Unbewusst taucht One Health allerdings in den Medien/in der Öffentlichkeit durch Antibiotikaresistenzen und Schlachthygiene auf. Über den globalen Süden wird wenig berichtet und Medien greifen oft nur Problematiken, wie schwere Umweltkatastrophen oder Seuchenausbrüche auf, die auch den Westen bedrohen. Probleme werden oftmals nicht als globale Themen dargestellt, die uns alle betreffen, wodurch sich die breite Öffentlichkeit nicht angesprochen fühlt. Hier sind Ansätze für eine Sensibilisierung in der Kommunikation notwendig, die durch den Wissenschaftsjournalismus möglich wäre.

Institutionalisierung von One Health

Ein Problem des bisherigen One Health-Gedanken ist sein „Top-Down“-Image. One Health muss gelebt und nicht nur doziert werden, damit es in den Köpfen der Menschen präsenter wird. Für die Mehrheit der Teilnehmenden findet eine gute Zusammenarbeit mit den bereits bestehenden Institutionen statt, wenn Konkurrenzen zwischen den Fachgebieten in strukturierten Foren durch neutrale Moderation Einhalt geboten wird

Wir bedanken uns sehr herzlich für das große Interesse und die vielen Besucher*innen, die an der Veranstaltung teilgenommen haben. Ein ganz besonderer Dank gilt unseren Referent*innen und ihrem großen Engagement, wie auch die Förderung durch Engagement Global und die finanzielle Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, die diese Veranstaltung möglich gemacht haben.