Wenn der Klimawandel längst angekommen ist

Äthiopien wird immer häufiger von durch den Klimawandel ausgelösten Wetterextremen getroffen. Hierbei macht die unberechenbare Niederschlagsverteilung den Äthiopiern am meisten zu schaffen, denn es kommt immer öfter zu langanhaltenden Dürreperioden und als anderes Extrem zu starken Regenfällen, die zerstörerische Fluten verursachen.


© Henry Fuchs

Projektinfos

  • Resilience Building & Creation of Economic Opportunities in
    Ethiopia (RESET II)

    offizieller Projektname

     

  • EU

    Geber

  • 1.251.438 €

    Budget

  • 01.10.2016 31.07.2020

    Dauer

Ein Projekt zur Reduzierung des Katastrophenrisikos wurde durch die Europäische Union über das International Rescue Committee (IRC) finanziert. Dieses Projekt wurde umgesetzt, weil es in der Afar-Region zu einer unerwarteten Anhäufung mehrerer Krisensituationen gekommen ist: der Coronapandemie, einer Reihe von Überschwemmungen und der Wüstenheuschreckenplage. Ziel war es vor allem, die Erfolge, die durch ein in der Region von der EU finanziertes Entwicklungsprojekt (RESET-II) erzielt worden sind, nicht zu gefährden. Um die Wirksamkeit der bereits umgesetzten Maßnahmen zu stärken und die Menschen in der Krisensituation zu unterstützen, wurden daher Projektgelder verlagert und erhöht. Über einen Zeitraum von neun Monaten war es Ziel des Projekts, den bereits existierenden Auswirkungen anhaltender Krisen effektiv entgegenzuwirken bzw. die zu vermindern, sofern es nicht mehr möglich ist, sie rückgängig zu machen, und die Menschen in den Woredas Aysaita, Afambo und Mille in der Afar-Region im Nordosten des Landes auf zukünftige Katastrophen vorzubereiten.

Frühwarninformationen und gemeinschaftliche Notfallpläne für den Katastrophenfall

Um sich rechtzeitig auf den Ernstfall vorbereiten zu können, gehörten vor allem die Verknüpfung und Anwendung von Frühwarninformationen und gemeinschaftlichen Katastrophenschutzplänen zu den Kernelementen des Projekts. Ziel dieser Verknüpfung waren die Stärkung und Integration lokaler Frühwarnsysteme in den Gemeinden. Unter anderem wurden hierfür 1.180 Personen durch Schulungen mit Frühwarn- und Katastrophenschutzkonzepten vertraut gemacht. So wurde eine maßgebliche Vorsorge für die garantiert wiederkehrenden Katastrophen und Ausnahmezustände geschaffen. Im Ernstfall können nun 15.180 Haushalte mit all ihren Familienmitgliedern erreicht werden.

Schutz von Lebensgrundlagen

Während extremer Wetterlagen ist es besonders wichtig, die Einkommensquellen der Menschen in den betroffenen Region zu schützen, denn der Großteil der Menschen dort lebt nach pastoraler Lebensart in Abhängigkeit von Viehhaltung und Landwirtschaft. Vor allem in Dürreperioden finden Pastoralist*innen kaum frische Weideflächen für ihr Vieh, eine verheerende Situation, denn Viehzucht und -handel sowie der Verkauf von Fleisch- und Milchprodukten gehören für sie zur Haupteinnahmequelle. Um den Wegfall dieser Quelle in derart kritischen Situationen zu verhindern, hat das Projekt die bestehende bewässerte Futtermittelproduktion (Futterbank) in Asayita als Reserve gestärkt und kann in Trockenzeiten 168 Haushalte versorgen. Zeitgleich wurden 154.317 Tiere in den Woredas Aysaita, Afambo und Mille geimpft, um die Viehbestände vor Krankheiten zu schützen und die Viehzucht zu sichern.

 


© Henry Fuchs

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Bedingungslose Bargeldtransfers in Zeiten der Pandemie

Die COVID-19-Pandemie hat auch vor Äthiopien nicht Halt gemacht. Vor allem in Zeiten von Lockdowns und wirtschaftlichem Zusammenbruch war es für viele Menschen eine Herausforderung, an Grundnahrungsmittel und Hygieneartikel zu kommen – ein Kampf ums Überleben. Für 330 besonders gefährdete Gemeindemitglieder, wie etwa Menschen mit Behinderung, ältere Menschen und auch Haushalte mit Kindern oder chronisch Kranken, hat Tierärzte ohne Grenzen aus diesem Grund bedingungslose Bargeldtransfers zur Verfügung gestellt, um in dieser Krisenzeit ihre Grundbedürfnisse zu decken. Außerdem konnten durch zahlreiche Aufklärungsveranstaltungen mindestens 8.185 Haushalte erreicht und erfolgreich über Schutz- und Hygienemaßnahmen aufgeklärt werden.

Diversifizierung des Lebensunterhalts: Fischerei rund um den Tendaho-Stausee & den Gamari-See

Sich auf eine Einkommensquelle zu reduzieren, ist eine riskante Angelegenheit – zumal wenn sie sehr wetterabhängig ist. Denn sobald sie wegbricht, verschwindet die Lebensgrundlage vieler Menschen mit ihr. Deshalb ist es umso wichtiger, die Quellen des Lebensunterhalts der Menschen in der Afar-Region zu diversifizieren. Um dies zu fördern, wurde im Rahmen des Projekts neben der Viehzucht auch in den Ausbau der Fischerei investiert. Die bereits von Flutkatastrophen betroffenen Mitglieder einer Fischereigenossenschaft haben somit neue Materialien und Werkzeuge für die Fischerei erhalten, eine andere Fischereigenossenschaft wiederum wurde mit dem Kauf eines neuen Boots unterstützt.

Futtermangel: Wenn der Klimawandel das Leben bestimmt.

„Ich bin Fatuma Adem und lebe in Hinnele Kebele, Woreda Aysaita in der Afar-Region. Im Rahmen des RESET-II-Projekts habe ich wertvolle praktische Erfahrungen bei der Fütterung meines Viehs mithilfe des vom Projekt unterstützten Futtersystems sammeln können. Als Viehzüchterin habe ich gelernt, wie wichtig die Futtermittelproduktion ist, um meine Tiere
bei kritischem Futtermangel am Leben zu halten und die Produktivität meiner Tiere zu verbessern. Inzwischen ist die Zahl der Rinder von sechs auf zehn und die der kleinen Wiederkäuer von 21 auf 50 gestiegen. Dank dem Projekt konnte ich
meine Einnahmen so steigern, dass ich meine beiden Mädchen nun zur Schule schicken kann. Das ist ein tolles Gefühl!“

Sie möchten mehr über das Land Äthiopien erfahren? Hier können Sie mehr über „das Dach Afrikas“ lesen:

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© Henry Fuchs