Stärkung pastoralistischer Lebensgrundlagen und Resilienz in Somalia
Dieses Projekt stärkte die Ernährungs- und Einkommenssicherheit besonders gefährdeter pastoralistischer Gemeinschaften in Somalia durch den verbesserten Zugang zu tiermedizinischer Versorgung, veterinärmedizinischen Schulungen und nachhaltigen Praktiken in der Tierhaltung. Gleichzeitig förderte es die Beteiligung von Frauen im Viehsektor, unterstützte frauengeführte Unternehmen und trug zu einem inklusiveren wirtschaftlichen Wachstum bei.
© Tierärzte ohne Grenzen
Das Projekt im Überblick
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Livelihood and Resilience Support for Pastoral Communities in Somalia
offizieller Titel
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BMZ
Geber
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2.500.000 EUR
Budget
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Juni 2021 – Mai 2024
Dauer
Hintergrund
Die somalische Wirtschaft und die Ernährungssysteme des Landes sind stark vom Pastoralismus geprägt: Über 60 Prozent der Bevölkerung sind auf Viehhaltung angewiesen. Wiederkehrende Dürren, klimatische Extremereignisse, ein eingeschränkter Zugang zu tiermedizinischer Versorgung sowie eine schwache Infrastruktur haben bestehende Verwundbarkeiten weiter verschärft – insbesondere für Frauen und junge Menschen. Hinzu kommen begrenzter Zugang zu Wasser, Krankheitsausbrüche bei Tieren und eingeschränkte Marktzugänge, die die Lebensgrundlagen vieler Haushalte zusätzlich belasten.
Vor diesem Hintergrund adressierte das Projekt – umgesetzt von Tierärzte ohne Grenzen in Zusammenarbeit mit Secours Islamique France und der Somali Lifeline Organisation – diese miteinander verknüpften Herausforderungen. Ziel war es, tiermedizinische Systeme zu stärken, Marktstrukturen zu verbessern, Wasserressourcen zu rehabilitieren und alternative Einkommensmöglichkeiten zu schaffen. Besonderes Augenmerk lag dabei auf den spezifischen Bedürfnissen von Frauen und marginalisierten Gruppen, um wirtschaftliche Teilhabe und Resilienz durch lokal verankerte, nachhaltige Ansätze zu fördern.
© Tierärzte ohne Grenzen
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Projektbeschreibung und Ergebnisse
Über die dreijährige Projektlaufzeit hinweg verbesserten sich die Lebensgrundlagen pastoraler und agro-pastoraler Gemeinschaften in Somalia deutlich durch einen umfassenden, multisektoralen Ansatz. Mobile tiermedizinische Einheiten wurden eingerichtet und durch die Ausbildung von mehr als 250 Community Animal Health Workers (CAHWs) sowie gezielte Kapazitätsstärkung staatlicher Fachkräfte unterstützt. Dies verbesserte die lokale Krankheitsüberwachung und führte zu besseren Tiergesundheitsergebnissen. Ein weiterer zentraler Baustein war der Aufbau privater tiermedizinischer Apotheken, die mit essenziellen Impfstoffen ausgestattet wurden und so zur Reduzierung infektiöser Tierkrankheiten beitrugen. Insgesamt wurden mehr als 50.000 Tiere behandelt oder geimpft, was die Mortalität senkte, die Produktivität steigerte und es Pastoralist*innen ermöglichte, bessere Preise auf den Märkten zu erzielen und ihre Haushaltseinkommen zu erhöhen.
Das Projekt erzielte zudem klare wirtschaftliche Effekte. Frauengeführte Viehbetriebe und gemeinschaftliche Sparinitiativen verbesserten den Zugang zu Krediten und stärkten die finanzielle Inklusion von Kleinviehhalter*innen. In Kombination mit besserer Tiergesundheit und geringeren Tierverlusten erhöhte dies die Resilienz und wirtschaftliche Stabilität der Haushalte. Die langfristige Nachhaltigkeit wurde durch den Aufbau lokaler tiermedizinischer Netzwerke und die kontinuierliche Ausbildung von CAHWs weiter gestärkt, wodurch ein weitgehend selbsttragendes System der tiermedizinischen Grundversorgung entstand. Darüber hinaus trug die Einführung dürreresistenter Futterpflanzen zur Verbesserung der Weideresilienz und zur Verringerung von Überweidung bei. Partnerschaften mit lokalen Behörden unterstützten zudem eine stärkere politische Verankerung pastoralistischer Lebensgrundlagen.
Parallel dazu adressierte das Projekt zentrale Bedarfe im Bereich Wasser- und Sanitärversorgung, insbesondere an Schulen und in Binnenvertriebenenlagern. Dazu gehörten die Instandsetzung eines Tiefbrunnens sowie von sechs Wasserstellen durch Entschlammung, Hygieneschulungen an fünf rehabilitierten Einrichtungen, die Sanierung von vier Erddämmen sowie die Installation von Handpumpen und 2.000-Liter-Wassertanks. Diese Maßnahmen verbesserten den Zugang zu sauberem Wasser für rund 8.954 Haushalte – insbesondere während der Trockenzeiten – und trugen zu besseren Gesundheits- und Hygienebedingungen für Schulkinder bei. Zusätzlich wurden Tränkeplätze für Nutztiere rehabilitiert, um die direkte und indirekte Übertragung von Krankheitserregern zu reduzieren und so die Tier- und öffentliche Gesundheit im Sinne des One-Health-Ansatzes zu verbessern.
Viele dieser Infrastrukturmaßnahmen wurden im Rahmen von Cash-for-Work-Programmen umgesetzt. Dadurch erhielten mehr als 2.000 Menschen – insbesondere Frauen und Jugendliche – temporäre Beschäftigungsmöglichkeiten, während gleichzeitig lokale Ressourcen wie Wasserauffangsysteme und Zubringerwege wiederhergestellt wurden. An einem Projektstandort waren 59 Prozent der Teilnehmenden Binnenvertriebene, 35 Prozent gehörten zur Aufnahmegemeinschaft und 7 Prozent waren Rückkehrer*innen.
Zur Förderung der wirtschaftlichen Diversifizierung, insbesondere in Küstenregionen, stärkte das Projekt Fischereikooperativen durch die Bereitstellung von Kühlanlagen, Fischereigerät sowie Schulungen zu Kooperativenmanagement und nachhaltigen Fangmethoden. Frauen spielten dabei eine zentrale Rolle, vor allem in der Verarbeitung und Vermarktung von Fisch. Sie wurden gezielt durch Schulungen, Unternehmensförderung und Führungsaufgaben innerhalb der Kooperativenstrukturen gestärkt.
Gemeindebasierte Katastrophenvorsorgekomitees (Disaster Risk Reduction, DRR) sowie Vertreter*innen lokaler Behörden wurden in Katastrophenvorsorge, Krisenreaktion und Frühwarnsystemen geschult. Dies ermöglichte wirksame DRR-Maßnahmen auf Gemeindeebene, darunter Notfallpläne und szenariobasierte Reaktionen auf unterschiedliche Gefahren. Ergänzend wurden lokale Radiosender eingebunden, um durch kurze Informationsbeiträge das Bewusstsein für Risiken zu schärfen und präventives Handeln zu fördern.
Das übergeordnete Projektziel, Strukturen für gemeinschaftsbasierte Friedensförderung und Konfliktmanagement zu stärken, wurde durch den Aufbau und die Schulung von Distrikt-Friedenskomitees sowie durch Sensibilisierungsmaßnahmen im Rahmen von Friedensforen und Radiosendungen erreicht.
Wirtschaftliche Wirkung und Nachhaltigkeit
Das Projekt stärkte die Resilienz auf individueller, haushaltsbezogener, gemeinschaftlicher und staatlicher Ebene durch integrierte Maßnahmen in den Bereichen Ernährungssicherung, WASH, Lebensgrundlagen, Katastrophenvorsorge und Friedensförderung. Insgesamt wurden 54.566 Haushalte erreicht: 52 Prozent im Bereich Ernährungs- und Nahrungssicherheit, 23 Prozent durch Wiederaufbaumaßnahmen, 16 Prozent im Katastrophenrisikomanagement und 9 Prozent durch Maßnahmen zur Förderung eines friedlichen und inklusiven Zusammenlebens. Haushalte profitierten von Qualifizierungsmaßnahmen, bedingten und unbedingten Bargeldtransfers, der Wiederaufstockung von Viehbeständen sowie einem verbesserten Zugang zu Wasser- und Sanitärversorgung. Dies führte zu besserer Ernährungssicherheit, höheren Einkommen und verbesserten Gesundheitsbedingungen. So erhielten beispielsweise 2.950 Haushalte – davon 76 Prozent von Frauen geführt – unbedingte Bargeldtransfers zur Deckung grundlegender Bedürfnisse, während bedingte Transfers einkommensschaffende Aktivitäten wie kleine Teestände unterstützten.
Das Projekt trug zum Wiederaufbau nachhaltiger und widerstandsfähiger Lebensgrundlagen bei, indem Pastoralist*innen, Agro-Pastoralist*innen, Fischer*innen und Rückkehrer*innen über den gesamten Projektzyklus hinweg einbezogen wurden. Ergänzend erhielten 930 Haushalte gezielte Schulungen in Tierhaltung und Fischerei. Jugendliche und Frauen, die berufliche Qualifizierungsmaßnahmen absolvierten, verzeichneten Einkommenssteigerungen von bis zu 46 Prozent bzw. 32 Prozent, insbesondere im Fischerei- und Handelssektor. Nachhaltigkeit war ein zentrales Element des Projektdesigns: Die Einführung dürreresistenter Futterpflanzen und ergänzender Futtermaßnahmen (1.040 Haushalte, 150 Tonnen lokal beschafftes Futter) stärkte sowohl die ökologische Resilienz als auch lokale Wirtschaftskreisläufe.
Der Aufbau lokaler tiermedizinischer Netzwerke – einschließlich der Unterstützung von drei staatlichen tiermedizinischen Teams und 40 CAHWs – ermöglichte die Behandlung und Impfung von mehr als 409.000 Nutztieren und reduzierte Krankheitsraten und Mortalität deutlich. Darüber hinaus stärkten die Ausbildung von zwölf Moderator*innen der Pastoral Field Schools sowie die Einrichtung von vier Lernzentren die Fähigkeit der Gemeinschaften, nachhaltige Praktiken dauerhaft umzusetzen. Im WASH-Bereich profitierten rund 1.000 Haushalte von der Rehabilitierung eines Tiefbrunnens und sechs Wasserstellen; fünf geschulte Wasserkomitees stellten die lokale Steuerung und Nachhaltigkeit sicher. Die Zusammenarbeit mit somalischen Regierungsstellen trug zu inklusiveren politischen Rahmenbedingungen bei, die den Bedürfnissen pastoralistischer Gemeinschaften besser gerecht werden und langfristige Wirkung sowie lokale Eigenverantwortung fördern.
Dieses Projekt wird durch die großzügige Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ermöglicht.