Förderung von Frieden und nachhaltigen Lebensgrundlagen im Südsudan
Das Projekt fördert den Aufbau einer inklusiven und friedlichen Gesellschaft im Südsudan, indem es Versöhnung, sozialen Zusammenhalt und ein nachhaltiges Management natürlicher Ressourcen stärkt. Friedensarbeit wird dabei gezielt mit praktischen Ansätzen zur Bekämpfung von Ernährungsunsicherheit, Armut und Umweltzerstörung verknüpft.
© Tierärzte ohne Grenzen
Das Projekt im Überblick
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Fostering Peace and Sustainable Livelihoods in South Sudan (FOPNAG)
offizieller Titel
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Europäische Union (Generaldirektion Internationale Partnerschaften (DG INTPA))
Geber
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3.150.000 EUR
Budget
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Januar 2024 – Juli 2026
Dauer
Hintergrund
Jahrzehntelange Konflikte und die weitverbreitete Verfügbarkeit von Kleinwaffen haben den Südsudan tiefgreifend destabilisiert. Gewalt und Armut behindern bis heute die Entwicklung des Landes. In den Bezirken Budi und Yei ist Ernährungsunsicherheit weit verbreitet, obwohl ein Großteil der Bevölkerung von der Landwirtschaft lebt. Über 60 % der Menschen in diesen Regionen sind von Ernährungsunsicherheit der Stufe „Krise“ (IPC-Phase 3) oder schlimmer betroffen – eine Folge von konfliktbedingter Vertreibung und Umweltzerstörung, insbesondere in und um Schutzgebiete wie das Kidepo-Wildreservat und den Lantoto-Nationalpark.
Der zunehmende Wettbewerb um Land, Wasser und Weideflächen verschärft lokale Spannungen. Viehdiebstahl, Abholzung und Wilderei tragen zusätzlich zur Eskalation bei. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit der Enjojo Foundation durchgeführt – es setzt an diesen strukturellen Ursachen von Konflikten an, indem es Friedensförderung, nachhaltige Lebensgrundlagen und verantwortungsbewusstes Management natürlicher Ressourcen fördert.
© Tierärzte ohne Grenzen
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Projektbeschreibung und erwartete Ergebnisse
Ziel des Projekts ist es, friedliche und widerstandsfähige Gemeinschaften zu stärken, indem lokale Versöhnungsprozesse mit nachhaltigen Einkommensmöglichkeiten verbunden werden. Die lokale Konfliktlösung wird durch Schulungen für Friedensscouts, Gemeindevertreter*innen und traditionelle Autoritäten gestärkt, um Konflikte frühzeitig zu erkennen, zu verhindern und zu lösen.
Die wirtschaftliche Resilienz wird unter anderem durch die Förderung der Imkerei und entsprechender Wertschöpfungsketten gestärkt. Insgesamt werden 40 Personen (20 Frauen, 20 Männer) geschult. Ergänzend werden gebührenbasierte tiermedizinische Dienstleistungen durch ausgebildete Community Animal Health Workers (CAHWs) angeboten. Diese Maßnahmen verringern die Abhängigkeit von nicht nachhaltigen Praktiken und tragen dazu bei, das Einkommen von tierhaltenden Haushalten zu erhöhen – insbesondere durch die Dienstleistungen der CAHWs.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Stärkung von Frauen, Jugendlichen und marginalisierten Gruppen, um ihre aktive Beteiligung an Friedensprozessen und lokaler Governance zu fördern. Durch den Aufbau lokaler Kompetenzen, die Schaffung wirtschaftlicher Perspektiven und den Schutz natürlicher Ressourcen unterstützt das Projekt langfristigen Frieden und nachhaltige Entwicklung in den Gemeinden rund um Kidepo und Lantoto.
Das Projekt strebt messbare Ergebnisse in drei zentralen Bereichen an:
Erstens werden Mechanismen zur Konfliktlösung gestärkt – unter anderem durch gemeindebasierte Frühwarnsysteme und den Kapazitätsaufbau lokaler Institutionen, um frühzeitige Vermittlung und Prävention zu ermöglichen.
Zweitens werden lokale Wirtschaftskreisläufe belebt: Schulungen in Tiergesundheit und Imkerei schaffen Einkommensmöglichkeiten und reduzieren den Druck auf übernutzte Ressourcen. Gemeinden profitieren von tierärztlichen Dienstleistungen, Programmen zur Krankheitsprävention und dem Zugang zu Honigmärkten.
Drittens wird eine inklusive Beteiligung gefördert – insbesondere von Frauen, Jugendlichen und marginalisierten Gruppen – an Friedens-, politischen und entwicklungspolitischen Prozessen. Das Projekt stärkt ihre aktive Rolle in lokaler Entscheidungsfindung und Governance und trägt so zu repräsentativen und nachhaltigen Friedens- und Entwicklungsprozessen bei.
In ihrer Gesamtheit fördern diese Maßnahmen den sozialen Zusammenhalt, verbessern die Ernährungs- und Einkommenssicherheit und stärken den verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen in den Projektregionen.
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Erwartete wirtschaftliche Wirkung und Nachhaltigkeit
Das Projekt legt die Grundlage für langfristige wirtschaftliche Resilienz im Südsudan, indem Friedensarbeit mit konkreten Maßnahmen zur Sicherung von Lebensgrundlagen kombiniert wird. Bereits im ersten Projektjahr wurden 40 gemeindebasierte Tiergesundheitshelfer*innen (CAHWs) ausgebildet und mit Startersets sowie tiermedizinischem Material ausgestattet. Dadurch können sie grundlegende tierärztliche Leistungen anbieten, die sowohl die Tiergesundheit in den Gemeinden verbessern als auch durch ein gebührenbasiertes Modell Einkommen generieren. So entstehen nachhaltige Kleinstunternehmen.
Darüber hinaus wurden acht Spar- und Kreditgruppen (Village Savings and Loan Associations, VSLAs) gegründet, die insgesamt 200 Gemeindemitglieder – mehr als die Hälfte davon Frauen – befähigen, gemeinsam zu sparen, Kredite zu nutzen und kleine Unternehmen aufzubauen. Langfristig sollen diese Gruppen als finanziell unabhängige Einheiten agieren und an formelle Finanzstrukturen angebunden werden.
Derzeit verfügen nur rund 26 % der Haushalte über zwei oder mehr Einkommensquellen. Durch die gezielte Förderung diversifizierter Lebensgrundlagen – etwa in der Imkerei, der Geflügelhaltung oder im Kleingewerbe – wird erwartet, dass dieser Anteil deutlich steigt.
Mit weiteren geplanten Schulungen zu Unternehmertum, nachhaltigem Ressourcenmanagement und gemeindebasierter Entwicklungsplanung schafft das Projekt die Voraussetzungen für eine eigenständige, widerstandsfähige ländliche Wirtschaft, die ökologisch verantwortungsvoll und sozial inklusiv ist.