Nachhaltiges Düngemanagement für gesunde landwirtschaftliche Betriebe und Gemeinden

Das CIRNA-Projekt unterstützt Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Ostafrika dabei, Dung aus der Tierhaltung nachhaltig zu nutzen. Durch verbesserte Nährstoffnutzung und sichere Umgangspraktiken steigert das Projekt die landwirtschaftliche Produktivität, reduziert gesundheitliche Risiken – insbesondere für Frauen und Kinder – und trägt zu Klimaanpassung sowie Ernährungssicherheit bei.

Rinderherde weidet in einer ländlichen Agrarlandschaft.
Viehzucht spielt eine zentrale Rolle in kleinbäuerlichen Anbausystemen in Ostafrika.
© Tierärzte ohne Grenzen

Das Projekt im Überblick

  • Circularity of Nutrients in Agroecosystems and Co-benefits on Animal and Human Health Project (CIRNA)

    offizieller Titel

  • SOR4D – Förderprogramm des Schweizerischen Nationalfonds und der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit

    Geber

  • 84.842 CHF

    Budget

  • April 2024 – März 2027

    Dauer

Hintergrund

Kleinbäuerliche Betriebe spielen eine zentrale Rolle für die Ernährungssicherung in Ostafrika. Gleichzeitig wird ihre Produktivität zunehmend durch ausgelaugte Böden und den eingeschränkten Zugang zu bezahlbaren Pflanzennährstoffen begrenzt. Der Einsatz synthetischer Düngemittel ist aufgrund finanzieller Hürden gering – eine Situation, die sich durch globale Krisen wie volatile Energiepreise und den Krieg in der Ukraine weiter verschärft hat. In der Folge geraten Ernährungssicherheit und -versorgung in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen zunehmend unter Druck.

Dung aus der Tierhaltung stellt eine weit verbreitete und kostengünstige Alternative zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit und der Ernteerträge dar. Sein Potenzial bleibt jedoch vielfach ungenutzt, da unsachgemäße Lagerung und Anwendung zu Nährstoffverlusten, Umweltbelastungen und gesundheitlichen Risiken führen – insbesondere für Frauen und Kinder, die häufig für den Umgang mit Mist verantwortlich sind. Gleichzeitig greifen klassische landwirtschaftliche Beratungsangebote diese Thematik meist nur unzureichend auf, da Nährstoffmanagement verschiedene Dimensionen umfasst: agronomische, ökologische, soziale, ökonomische und gesundheitliche.

Das CIRNA-Projekt setzt genau hier an und verfolgt einen integrierten, klimafreundlichen Ansatz zur Förderung geschlossener Nährstoffkreisläufe in gemischten Ackerbau-Viehwirtschaftssystemen. Aufbauend auf bestehenden Forschungsergebnissen, die den Nutzen von Dungverwertung belegen, aber zugleich den Mangel an praxistauglichen und skalierbaren Modellen für Kleinbetriebe aufzeigen, identifiziert und fördert CIRNA Bewirtschaftungspraktiken, die Nährstoffverfügbarkeit verbessern, Umwelt- und Gesundheitsrisiken reduzieren und für kleinbäuerliche Betriebe praktikabel sind.

Mit einem multidisziplinären und transdisziplinären Forschungsansatz verbindet CIRNA biophysikalische, soziale, gesundheitliche und ökonomische Perspektiven, um lokal angepasste, sozial inklusive und ökologisch nachhaltige Lösungen in Kenia und Uganda zu entwickeln. Finanziert wird das Projekt über das Solution-oriented Research for Development (SOR4D)-Programm der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit und des Schweizerischen Nationalfonds. Damit leistet CIRNA einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen, klimaresilienten und gesunden Transformation von Agrar- und Ernährungssystemen in Ostafrika.

 

Frau steht in einer ländlichen Umgebung in der Nähe von Rindern.
Frauen spielen eine wichtige Rolle in der Viehzucht und sind für die Verbesserung sicherer Praktiken im Umgang mit Gülle von zentraler Bedeutung.
© Tierärzte ohne Grenzen
Landwirte stehen während einer Schulung zum Thema Tier- und Güllemanagement in einem Stall.
Praktische Schulungen unterstützen Landwirt*innen dabei, die Tierhaltung und die Nährstoffverwertung in ihren Betrieben zu verbessern.
© Tierärzte ohne Grenzen

Projektbeschreibung und Ergebnisse

CIRNA verfolgt einen ganzheitlichen, transdisziplinären Ansatz, der Forschung, Kapazitätsaufbau und die gemeinsame Entwicklung von Lösungen mit relevanten Akteur*innen verbindet. In Uganda leitet Tierärzte ohne Grenzen die Umsetzung mit einem starken Fokus auf Inklusion, lokale Relevanz und Wissensaustausch.

Im Jahr 2024 startete das Projekt mit einem nationalen Auftakttreffen, an dem mehr als 25 fachliche Stakeholder teilnahmen, um Ziele, Methoden und die Umsetzungsstrategie abzustimmen. Darauf folgte ein umfassender Prozess zur Analyse und Einbindung relevanter Akteur*innen. Dabei wurden 66 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, 17 zivilgesellschaftliche und gemeindebasierte Organisationen sowie 22 Fachkräfte in den Distrikten Mpigi, Mukono und Buikwe identifiziert. Diese Akteur*innen bilden ein wachsendes Netzwerk zur Förderung nachhaltiger Nährstoffmanagementpraktiken.

Anschließend wurden in jedem Distrikt jeweils 20 Betriebe ausgewählt, die künftig als Demonstrationsbetriebe dienen und das Fundament für ein Farmer-to-Farmer-Lernsystem bilden. Die ausgewählten Landwirt*innen werden geschult und begleitet, um als lokale Ansprechpersonen in ihren Gemeinden zu fungieren, Erfahrungen weiterzugeben und die Verbreitung verbesserter Dungbewirtschaftungspraktiken zu fördern.

Begleitende Austausch- und Beteiligungsformate mit diesen Multiplikator*innen und ihren Gemeinden stellen sicher, dass alle entwickelten Ansätze kontextgerecht, gendersensibel und in lokalem Wissen verankert sind. Dieser kooperative Ansatz schafft eine solide Grundlage für bäuerlich getragene Innovationen, die Generierung von Evidenz und die breitere Anwendung klimaangepasster Praktiken in Uganda.

Wirtschaftliche Wirkung und Nachhaltigkeit

Durch die Förderung geschlossener Nährstoffkreisläufe und kostengünstiger Alternativen zu synthetischen Düngemitteln trägt CIRNA direkt zur Einkommensstabilität kleinbäuerlicher Haushalte und zur langfristigen Bodenfruchtbarkeit bei. Landwirt*innen werden dabei unterstützt, ihre Abhängigkeit von teuren externen Betriebsmitteln zu verringern und gleichzeitig Erträge zu steigern – ein wichtiger Beitrag zur Armutsbekämpfung und Ernährungssicherung.

Der Aufbau von Demonstrationsbetrieben auf Distriktebene sowie von Schulungs- und Lernnetzwerken verankert bewährte Praktiken dauerhaft in den Gemeinden und erhöht die Wahrscheinlichkeit einer langfristigen Anwendung. Zudem reduziert das Projekt durch die gezielte Verbesserung der Dunghandhabung gesundheitliche Risiken – insbesondere für Frauen und Kinder – und damit vermeidbare Krankheitslasten und wirtschaftliche Folgekosten.

Durch die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Akteur*innen und die Anbindung an nationale Strategien zu Klimaanpassung und landwirtschaftlicher Entwicklung ist CIRNA gut positioniert, um skalierbare und nachhaltige Wirkungen in Uganda und darüber hinaus zu erzielen.