Dürre-Nothilfe und Stärkung in den Regionen Borana, Afar, South Omo und Somali
Wiederkehrende Dürren und zunehmende Klimaschocks gefährden die Lebensgrundlagen vieler Menschen in den Tieflandregionen Äthiopiens. Mit dem Projekt DERR-BOASS lindert Tierärzte ohne Grenzen akute Not und stärkt zugleich die Widerstandsfähigkeit pastoralistischer Gemeinschaften – durch integrierte Hilfe in Tiergesundheit, Wasserversorgung, Hygiene und Ernährungssicherung.
© Tierärzte ohne Grenzen
Das Projekt im Überblick
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Drought Emergency Response and Recovery in Borana, Afar, South Omo and Somali Regions (DERR-BOASS)
offizieller Titel
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U. S. Department of State
Geber
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16.500.000 USD
Budget
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Juli 2023 – September 2026
Dauer
Hintergrund
Jahre sich überlagernder Krisen – darunter Dürreperioden, Tierseuchen, Heuschreckenplagen und regionale Konflikte – haben die Bewältigungsfähigkeit der Bevölkerung in den Regionen Borana, Afar, South Omo und Somali erheblich geschwächt. Während Pastoralist*innen und agro-pastorale Haushalte ihre wichtigsten Nutztiere verlieren und der Zugang zu sauberem Wasser zunehmend eingeschränkt ist, steigen die Risiken von Mangelernährung, Vertreibung und Verarmung weiter an.
Frühwarnsysteme der äthiopischen Regierung weisen zudem auf eine hohe Wahrscheinlichkeit einer weiteren Verschärfung der Lage hin, ausgelöst durch La-Niña-bedingte Wetterextreme. Besonders betroffen sind Regionen mit fragilen Ökosystemen und unzureichender Infrastruktur. Vor diesem Hintergrund setzt Tierärzte ohne Grenzen das Projekt DERR-BOASS gemeinsam mit Vétérinaires Sans Frontières Suisse um. Ziel ist es, akute humanitäre Bedarfe zu decken und gleichzeitig die Voraussetzungen für langfristige Erholung und eine stärkere Widerstandsfähigkeit der betroffenen Gemeinschaften zu schaffen.
© Tierärzte ohne Grenzen
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Projektansatz und Ergebnisse
Das Projekt verfolgt einen ganzheitlichen, gemeinschaftsbasierten Ansatz in der Nothilfe. Im Bereich Landwirtschaft und Tierhaltung verteilte Tierärzte ohne Grenzen während der Hochphase der Trockenzeit in Afar 4.800 Doppelzentner konzentriertes Tierfutter an 3.200 Haushalte. Dadurch konnte das Überleben von mehr als 32.000 Zuchttieren gesichert werden.
Über tiermedizinische Gutscheinprogramme erhielten 7.500 Haushalte in allen vier Projektregionen Zugang zu Behandlungen für mehr als 621.000 Tiere. Parallel dazu wurden über 3,1 Millionen Tiere gegen vorrangige Krankheiten wie Milzbrand, Pasteurellose und die ansteckende Lungenseuche der Ziegen (CCPP) geimpft. Ergänzt wurden diese Maßnahmen durch die Ausbildung von 251 Gemeindebasierte Tiergesundheitshelfer*innen sowie von 219 Personen zu tiermedizinischem Fachpersonal.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Wasser-, Sanitär- und Hygienemaßnahmen (WASH). Bislang wurden zehn Wasserversorgungssysteme rehabilitiert oder modernisiert, wodurch 59.605 Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser erhalten haben. An neun Standorten wurden Solarsysteme installiert, um Betriebskosten zu senken und die Nachhaltigkeit der Anlagen zu erhöhen. Sechzehn WASH-Komitees wurden reaktiviert und geschult, um die Systeme zu verwalten, Nutzungsgebühren zu erheben und einen gerechten Zugang sicherzustellen.
Hygieneschulungen richteten sich an 178 Gesundheitsberater*innen sowie 313 sogenannte Lead-Haushalte, die Hygienebotschaften an mehr als 3.000 Gemeindemitglieder weitergaben. Zusätzlich wurden Hygiene-Sets für besonders gefährdete Familien beschafft und verteilt; weitere Maßnahmen sind in den kommenden Monaten geplant.
Bis 2024 erhielten 490 besonders vulnerable Haushalte in Afar flexible Bargeldhilfen. Priorisiert wurden dabei Haushalte, die von Frauen geführt werden, Menschen mit Behinderungen sowie Personen, die nicht an “Cash-for-Work“-Maßnahmen teilnehmen konnten.
In allen Projektbereichen spielten lokale Strukturen wie Katastrophenvorsorgekomitees (DRR) und Beschwerdegremien eine zentrale Rolle bei der Zielgruppenansprache, im Beschwerdemanagement und bei der Rechenschaftslegung. So wurde Transparenz, Teilhabe und Rechenschaftspflicht über den gesamten Projektzyklus hinweg sichergestellt.
Wirtschaftliche Wirkungen und Nachhaltigkeit
Das DERR-BOASS-Projekt hat einen erheblichen positiven Einfluss auf die Lebensgrundlagen von Haushalten und die Funktionsfähigkeit lokaler Systeme. Durch die Sicherung von Nutztierbeständen mittels Futter- und tiermedizinischer Unterstützung konnten produktive Vermögenswerte erhalten und Notverkäufe reduziert werden. Impfkampagnen verbesserten die Tiergesundheit und verringerten die Ausbreitung vermeidbarer Tierkrankheiten sowie zoonotischer und lebensmittelbedingter Erkrankungen – ein wichtiger Beitrag zur Erholung der pastoralistischen Bevölkerungsgruppen und zur langfristigen Ernährungssicherheit.
Im WASH-Sektor führte der Umstieg auf solarbetriebene Infrastruktur zu höherer Nachhaltigkeit und geringeren Betriebskosten. Geschulte WASH-Komitees haben begonnen, Nutzungsgebühren zu verwalten und so lokale Verantwortung und langfristige Bewirtschaftung der Wasserressourcen zu stärken.
Die Bargeldhilfen halfen Haushalten, die Auswirkungen von Inflation und schwankenden Marktpreisen abzufedern, und boten flexible Unterstützung für Familien mit mehrfachen Vulnerabilitäten. Darüber hinaus legten gezielte Kapazitätsaufbaumaßnahmen für lokale Institutionen, tiermedizinische Netzwerke und WASH-Gremien die Grundlage für eine Fortführung zentraler Dienstleistungen über die Projektlaufzeit hinaus.
Durch inklusive Planungsprozesse, gendersensible Zielgruppenansprache und eine enge Einbindung der Gemeinschaften reagiert das DERR-BOASS-Projekt nicht nur auf akute Krisen, sondern stärkt zugleich Strukturen, Kompetenzen und Vertrauen – als Basis für langfristige Resilienz.
Dieses Projekt und dieser Bericht wurden durch die großzügige Unterstützung der Regierung der Vereinigten Staaten ermöglicht. Der Inhalt liegt in der Verantwortung von Tierärzte ohne Grenzen und spiegelt nicht unbedingt die Ansichten der Regierung der Vereinigten Staaten wider.