Handlungsmöglichkeiten unter dem One-Health-Ansatz zur Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung

26.10.2021

Transdisziplinärer Workshop zum One Health Day 2019 - Am 05. November 2019 fand unser Aktionstag zum internationalen One Health Day mit einem transdisziplinären Workshop im Haus der Demokratie und Menschenrechte in Berlin statt.

Zum vierten Mal in Folge organisierte Tierärzte ohne Grenzen e.V. gemeinsam mit seiner Freiwilligengruppe einen Transdisziplinären Workshop zum One Health Day. Der Fokus unseres diesjährigen Aktionstages lag auf der Umsetzung der Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, kurz SDGs): „Handlungsmöglichkeiten unter dem One Health-Ansatz zur Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung“. Studierende der Veterinär-, Humanmedizin und Public Health, sowie Fachleute aus der Epidemiologie und dem Global Health-Wesen trafen zusammen. Gefördert wurde die Veranstaltung erneut durch Engagement Global mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Vorstandsmitglied Dr. Olaf Bellmann eröffnete den Workshop, gefolgt von unserer One Health Referentin und Tierärztin Antonia Braus, die mit einem Einführungsvortrag in die Thematik einleitete. Antonia Braus stellte die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung vor, die von den Vereinten Nationen verabschiedet wurden und bis 2030 erreicht werden sollen mit dem Versprechen: „Leave no one behind“. Dabei verdeutlichte ein interaktives Quiz die Zusammenhänge zwischen SDGs, One Health und der Arbeit von Tierärzte ohne Grenzen e.V.

Gastvortrag aus der Schweiz

Unser Gast aus Basel, Professor Jakob Zinsstag (Diplomate of the European College of Veterinary Public Health und Leiter der Abteilung „Human and Animal Health“ vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut) erläuterte in einem anschließenden Vortrag die Entstehung des One Health-Gedanken, dessen Entwicklung und wie One Health unterschiedlich aufgefasst werden kann. Weiter berichtete Professor Zinsstag aus seiner Berufserfahrung in der Anwendung von One Health Konzepten in verschiedenen Ländern des Globalen Südens (u.a. Mali) und insbesondere von der Operationalisierung finanzieller Vorteile durch die Kooperation mehrerer Sektoren. Als Epidemiologe entwickelt er mit seinem Team komplexe Modelle zur Berechnung der Auswirkungen und Kosten verschiedener Ansätze in der Bekämpfung von Krankheiten wie Tollwut oder Brucellose. Obwohl er diese Modelle nur in Kürze vorstellte, wurden die Vor- und Nachteile verschiedener Herangehensweisen an Herausforderungen der Öffentlichen Gesundheit, sowie Beispiele von finanziellen Einsparungen durch transdisziplinäre Zusammenarbeit und integrierte Programme aufgezeigt.

World Café

Anschließend eröffnete Heike Baehrens mit Einblicken in die Arbeit als Mitglied des Bundestags und Vorsitzende des Unterausschusses Globale Gesundheit das World Café. In dieser interaktiven und partizipativen Workshop-Methode hatten die Teilnehmenden an fünf Tischen die Gelegenheit sich untereinander und mit den Expertinnen und Experten auszutauschen, sowie verschiedene Leitfragen zu diskutieren.


© Tierärzte ohne Grenzen e.V.

Podiumsdiskussion

Abschließend wurden in einer interaktiven Podiumsdiskussion die Resultate und die verschiedenen Hauptdiskussionspunkte des World Cafés reflektiert und diskutiert.

Themen waren unter anderem der große Kontrast zwischen den beiden Welt(tier-)gesundheitsorganisationen WHO und OIE. Die eingeschränkte Handlungsfähigkeit der OIE durch Unterfinanzierung wurde von Jakob Zinsstag und Heike Baehrens diskutiert. Die Notwendigkeit zur besseren Kooperation zwischen deutscher Bundesregierung und internationalen Organisationen wurde angesprochen und die gesellschaftliche Aufklärung über Entwicklungszusammenarbeit als wichtige Voraussetzung dargelegt. Sophie Gepp erläuterte unterschiedliche mögliche Formate, wie One Health in der Lehre verankert werden könnte, zum Beispiel in Wahlpflichtfächern an Universitäten oder im Sachkundeunterricht an Schulen. Die Zusammenarbeit zwischen Human- und Veterinärmedizin müsse bereits im Studium erfolgen und bestenfalls in Approbationsverordnungen integriert werden. Frau Bergner berichtete, dass unterschiedliche Personengruppen als medizinische Sicherheitsrisiken wahrgenommen werden und wie der Menschenrechtsansatz darauf reagieren muss. Auf die Frage wie sich die Teilnehmenden aktiv zu One Health einbringen können, verwies Antonia Braus auf verschiedene Organisationen der Zivilgesellschaft die in vielfältiger Weise unterstützt werden können oder auf eine bewusste berufliche Ausrichtung. Ein offener Diskurs ist die beste Möglichkeit One-Health-Ansätze zu fördern und zu integrieren.

Wir bedanken uns sehr herzlich für das große Interesse, bei den vielen Teilnehmenden und unseren Expertinnen und Experten für ihr großes Engagement.