El Niño und die Folgen

24.05.2024

Das Wetterphänomen El Niño hat unsere Projektländer in Ostafrika hart getroffen. Wir berichten über die Auswirkungen.

zwei Frauen auf der überfluteten Straße ihrer Siedlung | Somalia
Sintflutartige Regenfälle und Überschwemmungen haben zu schweren Verwüstungen in Kenia, Äthiopien, Somalia und Sudan geführt. Während die anhaltenden Dürreperioden der vergangenen Jahre zu einer schweren Nahrungsmittel- und Wasserknappheit geführt haben, verursachen die sintflutartigen Regenfälle und Überschwemmungen neues Leid: Millionen Menschen und (Nutz)Tiere sind betroffen.

El Niño erklärt

El Niño ist ein unregelmäßig, ungefähr alle vier Jahre auftretendes Wetterphänomen im Pazifik, welches zu höheren (Wasser)Temperaturen führt. Aufgrund der globalen Erwärmung könnten El-Niño-Ereignisse noch intensiver werden, da Temperaturanstiege überwiegend von den Ozeanen absorbiert werden. Mögliche Folgen: Extreme und unvorhersehbare Wetterstörungen.

Die Situation in unseren Projektländern

Das Zusammenspiel aus Klimawandelfolgen und El Niño werden in unseren Projektländern wie unter einem Brennglas sichtbar. Die massiven Ernteausfälle aufgrund der schwersten Dürre seit 40 Jahren haben in den Ländern am Horn von Afrika zu einer akuten Nahrungsmittelkrise geführt. Mit der Vernichtung von Weideland und Nutztierbeständen sowie Infrastruktur durch die von El Niño verursachten Fluten verschärft sich die Situation vor Ort zunehmend.

Schon vor den Überschwemmungen waren Millionen von Menschen in Ostafrika von Hunger bedroht und konnten ihre Grundbedürfnisse nur durch externe Hilfe decken. Dass seit Beginn der starken Regenfälle mindestens 2,7 Millionen Menschen ihr Zuhause und ihre Lebensgrundlagen verloren haben, ist alarmierend. Insbesondere Kinder und schwangere Frauen sind gefährdet und benötigen dringend Nahrung sowie medizinische Versorgung, um gesund zu bleiben.

Im Blickpunkt: Kenia

Kenia wird von schweren Regenfällen heimgesucht, die auf das El-Niño-Phänomen zurückzuführen sind. Dies hat Fälle von Cholera und Malaria ausgelöst. Mehr als 200.000 Menschen haben ihre Häuser verloren, und zahlreiche Menschen sind ums Leben gekommen. Straßen, Häuser, Unterkünfte, aber auch soziale Einrichtungen wie Gesundheitszentren oder Schulen sind völlig zerstört.

Auswirkungen der Regenfälle in einem kenianischen Dorf
Ein Mann auf dem überfluteten Weg seines Dorfes | Kenia
„Am 7. November 2023 wurde unser Dorf 10 Stunden lang von einem sehr starken Regenguss heimgesucht. Die Überschwemmungen rissen alle meine 83 Ziegen und Schafe mit sich, während die Kamele sich wegen des Schlamms nicht bewegen konnten. Alle Haushaltsgegenstände, Lebensmittel, Kleidung und Geschirr, die traditionellen Hütten der Nachbarn wurden dem Erdboden gleichgemacht, und wir schliefen in der Kälte und mit leerem Magen. Hilfe erhielten wir nicht.“
Sharamo Galago
(North Horr Sub-County, Kenia)

Im Blickpunkt: Somalia

Seit Beginn der Regenzeit im Oktober kam es in weiten Teilen Somalias immer wieder zu heftigen Regenfällen – vor allem im Südwesten des Landes. Über die Ufer tretende Flüsse, Überschwemmungen und Sturzfluten haben zahlreiche Menschenleben gefordert und große Schäden verursacht. Bis zum 29. November waren nach Angaben von UN OCHA mindestens 2 Millionen Menschen betroffen, 746.000 wurden vertrieben, 125.600 mussten umgesiedelt werden, und 96 Menschen starben. 34 Bezirke sind betroffen und mindestens 4.700 Häuser wurden zerstört.

Überschwemmtes Dorf | Somalia

Warum One Health gerade jetzt besonders wichtig ist:

Die schwerwiegenden Überschwemmungen treffen auf massiv ausgedörrte Böden mit geringer Aufnahmefähigkeit. Die Folge: Stehendes Wasser und damit die Entstehung eines Nährbodens für wasserinduzierte Krankheiten. Die flutenbedingte Zerstörung von Sanitäranlagen, Trinkwasserentnahmestellen und Infrastruktur zur Gesundheitsvorsorge verschärfen die Lage. Für die Menschen vor Ort besonders gefährlich, sind mögliche Ausbrüche von Cholera. Aber auch wasserinduzierte Krankheiten bei Tieren, bedrohen Menschenleben. Zoonosen wie Milzbrand oder Helmithiasis – eine Wurmerkrankung – befallen auch Menschen und können schwere Krankheitsverläufe zur Folge haben. In Kombination mit anderen Krankheiten wie Fußfäule oder Ziegenpleuropneumonie (CCPP) ist die Gesundheit der lebenswichtigen Nutztierbestände insgesamt stärker gefährdet.

Genau hier setzt One Health an.

Nur wenn die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt ganzheitlich betrachtet wird, kann nachhaltig geholfen werden. Deshalb setzen wir auf Maßnahmen, die die Tiergesundheit verbessern, damit zur Ernährungssicherung beitragen und damit positive Auswirkungen auf die Lage der Menschen vor Ort haben.

Mehr zu One Health

Rinder in einem von den Regenfällen gekennzeichnetem Dorf | Somalia

Was die Auswirkungen von El Niño für unsere Arbeit bedeuten:

Besonders alarmierend: El Niño trifft vor allem die Schwächsten und damit die Menschen, denen kaum bis keine Mittel zur Verfügung stehen, um auf Krisensituationen zu reagieren.

Tierärzte ohne Grenzen ist vor Ort und unterstützt die Betroffenen mit sauberem Trinkwasser, Nahrungsmitteln und medizinischer Grundversorgung. Zudem müssen möglichst viele Tiere schnell gegen Seuchen geimpft werden, um noch größeres Leid zu verhindern.

Mit Ihrer Hilfe können wir schnell weitere und vor allem langfristig helfende Maßnahmen umsetzen:
  • Schutz des Lebensunterhalts – Behandlung des Viehs, Impfung gegen tödliche Krankheiten (in Zusammenarbeit mit den Regierungen).
  • Aufklärung der Öffentlichkeit über eine gesunde Lebensweise – zur Minimierung von Krankheitsepidemien (Mensch, saubere Umwelt und Viehbestand).
  • Schutz der vertriebenen Bevölkerung – durch Friedenskonsolidierung.

Damit Menschen in Krisensituationen ihre Grundversorgung decken können, unterstützen wir besonders gefährdete Personen und Familien mit bedingungslosen Bargeldtransfers.

Mit 80€ können wir eine sechsköpfige Familie unterstützen!

Somalia | Frau schöpft Wasser aus überflutetem Heim