Antimikrobielle Resistenz

30.11.2021

Was genau sind antimikrobielle Resistenzen (AMR), warum nehmen sie rasant zu und welche Bedeutung hat AMR in unserer Projektarbeit?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnete antimikrobielle Resistenzen (AMR) unlängst als “one of the Top 10 global public health threats facing humanity”. Diese besorgniserregende Einschätzung hat ihre Gründe: Bereits jetzt sterben ca. 700.000 Menschen jährlich an den Folgen von AMR. In Zukunft könnten es Schätzungen zufolge sogar über 10 Millionen Menschen sein, die auf Grund des Wirkungsverlustes antimikrobieller Therapeutika an Infektionskrankheiten sterben werden. Aufwendige Kampagnen wie die World Antimicrobial Awareness Week (WAAW) der WHO sollen über dieses globale Problem aufklären und zum verantwortungsvollen Umgang mit antimikrobiellen Arzneimitteln beitragen. Doch was genau sind antimikrobielle Resistenzen, warum nehmen sie rasant zu und welche Bedeutung hat AMR in unserer Projektarbeit?

Was sind antimikrobielle Resistenzen?

Hinter dem Begriff „antimikrobielle Resistenz“ verbirgt sich zunächst ein simples Phänomen: die Unempfindlichkeit (Resistenz) eines Infektionserregers (bspw. eines Bakteriums oder Virus) gegen eine antimikrobiell wirksame Substanz (z.B. ein Antibiotikum oder ein Virostatikum). Dabei ist nicht jede Form der antimikrobiellen Resistenz gleichermaßen besorgniserregend: zahlreiche Mikroorganismen tragen natürliche Resistenzen gegen spezifische Wirkstoffe. Grund zur Besorgnis jedoch bieten Resistenzen, die bspw. auf Grund einer nicht zielgerichteten oder zu häufigen Anwendung entstehen und einem zuvor effektiven antimikrobiellen Arzneimittel die therapeutische Wirksamkeit entziehen. Zu den Infektionserregern, die gegenwärtig durch eine erhöhte Therapieresistenz auffallen gehören u.a. Mycobacterium tuberculosis (Erreger der Tuberkulose), das Humane Immundefizienz-Virus (HIV) oder Protozoen der Gattung Plasmodium (Verursacher der Malaria).

Warum stellen antimikrobielle Resistenzen ein globales Gesundheitsproblem dar?

AMR können dazu führen, dass antimikrobielle Therapeutika ihre Wirksamkeit verlieren, oder, anders ausgedrückt, dass zuvor therapierbare Infektionskrankheiten nicht mehr mit selben Erfolg behandelt werden können. Insbesondere (multi-)resistente Bakterienstämme stellen eine zunehmende globale Bedrohung dar, so dass Experten bereits jetzt vor einem  „Post-antibiotischen Zeitalter“ warnen. Diese Entwicklung wird maßgeblich durch die hohe human- und veterinärmedizinische Anwendung von Antibiotika bei gleichzeitig rückläufiger Erforschung neuer Wirkstoffe beschleunigt. Insbesondere in Entwicklungsländern kommt hinzu, dass antimikrobielle Medikamente sehr häufig nicht gemäß ärztlicher oder tierärztlicher Verschreibung bezogen und angewendet werden. Therapeutische Interventionen werden häufig nach dem “Trial-and-Error-Konzept” durchgeführt, mit dem Resultat, dass oft falsche Wirkstoffe oder antimikrobielle Substanzen unterdosiert verabreicht werden. Beide Szenarien begünstigen die Ausprägung von Resistenzen.

Welche Rolle spielt Tierärzte ohne Grenzen in der Bekämpfung von AMR?

Die Entwicklung antimikrobieller Resistenzen kann nur erfolgreich abgeschwächt werden, wenn das Problem eine präsentere Rolle in der öffentlichen Wahrnehmung einnimmt. Sowohl in unseren ostafrikanischen Projektländern als auch in Deutschland setzt sich Tierärzte ohne Grenzen über Aufklärungs- und Bildungsmaßnahmen für ein stärkeres Bewusstsein von AMR und damit assoziierter Gefahren ein. In Zusammenarbeit mit staatlichen und internationalen Forschungseinrichtungen führten wir bspw. in Uganda ein sog. Knowledge, Attitude and Practices (KAP) Survey zu AMR durch. Über systematische Befragungen von Privatpersonen, Tierhaltern;innen, Ärzt:innen, Tieräzt:innen, Apotherker:innen, pharmazeutischen Unternehmern:innen konnten wir so Wissenslücken, Fehlinformationen oder schädliche Praktiken im Hinblick auf antimikrobielle Arzneimittel identifizieren.

 

Hier erfahren Sie mehr über AMR-spezifische Maßnahmen in unserer Projektarbeit in Uganda.

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Dr. Igor Pilawski

Referent für Veterinärmedizin & One Health

Tel.: +49 (0)30 3642 881 12

Igor.Pilawski@togev.de