#OneHealthNow

23.09.2021

TOGeV und DAHW befragen Vertreter:innen der Bundespolitik zu ihren Pandemiepräventionsstrategien


© Dragos

Der One-Health-Ansatz versteht die Erde als zusammenhängendes Ökosystem: Nur wenn Umwelt- und Klimagesundheit gewährleistet sind, können auch die Menschen und die Tiere gesund sein. Deshalb müssen Akteur:innen aus Human-, Veterinär- und Umweltgesundheit sektorübergreifend auf lokaler, regionaler, nationaler und globaler Ebene zusammenarbeiten. Mit ihrer Kampagne #OneHealthNow wollen Tierärzte ohne Grenzen e.V. und die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. die Bundesdeutsche Politik dazu motivieren, sich für One Health einzusetzen. Foto: Dragos / TOGeV

Im Vorfeld zu ihrer Kampagne #OneHealthNow legen die Organisationen Tierärzte ohne Grenzen e.V. und DAHW Bundespolitiker:innen aller demokratischen Parteien Wahlprüfsteine vor.

(Berlin/Würzburg, 28. Juli 2021) – Tierärzte ohne Grenzen e.V. und die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. haben im Vorfeld zur gemeinsamen Kampagne „Künftige Pandemien verhindern. #OneHealthNow!“, die im September startet, Vertreter:innen der demokratischen Bundestagsfraktionen acht Wahlprüfsteine vorgelegt. Mit umfassenden Fragen wollen sie erfahren, welche konkreten Schwerpunkte die Parteien für ihre zukünftige politische Arbeit in der Regierung oder in der Opposition definiert haben, um in Deutschland und der Welt ein verbessertes Gesundheitssystem zu erreichen und dem Ausbruch neuer Pandemien entgegenzuwirken. Darin findet sich ein umfangreicher Fragenkatalog zu den Themen globale Gesundheitsförderung und -prävention, Umweltschutz und ökologische Landwirtschaft, Klimapolitik sowie Forschung und Wissenschaft. Weitere Informationen unter www.onehealthnow.de.

DAHW und TOGeV fordern die bundesdeutsche Politik auf, mit einem vergrößerten Fokus auf Nachhaltigkeit und Prävention zu handeln, um der Zunahme von Zoonosen wie COVID-19, Tuberkulose oder Ebola entgegenzuwirken. Hierzu Burkard Kömm, Geschäftsführer der DAHW: „Spätestens seit Corona ist klar: Gesundheit muss global und ganzheitlich betrachtet werden. Die Infrastrukturen im Gesundheitssektor sind sowohl auf Bundesebene als auch international betrachtet unzureichend, um die Bevölkerung adäquat zu schützen. Für eine zukunftssichere und nachhaltige Gesundheitspolitik ist es unabdingbar, dass unterschiedliche Ressorts und Verwaltungsebenen im Sinne von One Health für gemeinsam definierte Ziele zusammenarbeiten.“

Die Bundestagswahl am 26. September 2021 nehmen die beiden Organisationen zum Anlass für eine gemeinsamen Kampagne mit dem Titel „Künftige Pandemien verhindern. #OneHealthNow!“. „Wir wollen über die Zusammenhänge von Umweltzerstörung, Klimawandel, Globalisierung und der Ausbreitung von Krankheitserregern aufmerksam machen und fordern die Politik dazu auf, sich für das Konzept One Health einzusetzen“, betont Christian Griebenow, Geschäftsführer von Tierärzte o.G.

Der offizielle Auftakt der zweiwöchigen Kampagne ist am 1. September 2021.

 

Hintergrundinformation zu Zoonosen und One Health

Tollwut ist eine, Tuberkulose auch, ebenso Ebola, HIV und COVID-19, eventuell auch Lepra. Die Rede ist von Zoonosen, also von sog. zoonotische Krankheiten, die von Tier zu Mensch (Zooanthroponosen) oder von Mensch zu Tier (Anthropozoonosen) übertragen werden können. 60 bis 70 Prozent aller beim Menschen neu auftretenden Infektionskrankheiten stammen ursprünglich von Tieren ab. Aktuell sind rund 200 Zoonosen bekannt – und es werden immer mehr. Unter anderem aufgrund des weltweiten Bevölkerungswachstums, des zunehmenden Eindringens des Menschen in die Lebensräume der Tiere, des global veränderten Reiseverhaltens sowie durch Gütertransporte und Veränderungen der Lebensmittelproduktion.

Zoonosen können durch Viren, Bakterien, Parasiten, Pilzen oder Prionen (Proteine, die im tierischen Organismus vorkommen) ausgelöst werden. Dabei sind die Übertragungswege sehr unterschiedlich: Bei manchen Zoonosen überträgt sich der Erreger im direkten Kontakt vom Tier auf den Menschen durch Schmierinfektionen oder Bissverletzungen, andere werden über die Luft transportiert oder über kontaminierte Lebensmittel wie Fleisch, Milch oder Eier. Oder aber es sind sog. belebte Vektoren im Spiel wie Stechmücken, Wanzen oder Zecken. Sie übertragen den Erreger zwischen Mensch und Tier, ohne selbst zu erkranken.

Um zoonotische Infektionskrankheiten wirksam zu bekämpfen, braucht es sowohl die Expertise aus der Human- als auch aus der Veterinärmedizin sowie die Einbeziehung der Umweltfaktoren und Lebensumstände in den betroffenen Regionen. Dieser One-Health-Ansatz, also die gemeinsame Betrachtung von Mensch, Tier und Umwelt („Eine Gesundheit“), gewinnt im Kontext der globalen Gesundheit zunehmend an Bedeutung. Denn für die nachhaltige Prävention und Kontrolle von Zoonosen ist es unerlässlich, dass ihre Übertragungswege und Ursachen mit interdisziplinären und sektorübergreifenden Maßnahmen angegangen werden. Zudem bietet der holistische One-Health- Ansatz gerade Ländern mit sehr limitierten Ressourcen (Personal, Ausstattung u.a.) und schwächeren Infrastrukturen eine Chance, die Gesundheitsdienstleistungen insgesamt – sowohl im human- als auch im veterinärmedizinischen Bereich – zu stärken und Synergien in der Wasser-, Sanitär- und Hygieneversorgung (WASH), in der Landwirtschaft und bei der Lebensmittelsicherheit zu nutzen.