Wir arbeiten in Projektgebieten, in denen verschiedene Volksstämme in unmittelbarer Nähe zueinander leben. Der Kolonialismus hat Grenzen durch Gebiete gezogen, die zu traditionellen Viehtriebrouten gehören, und so zu Konflikten um Weidegrund und Wasserstellen geführt, die zum Teil bis heute bestehen.

Weiteres Konfliktpotential bietet der Viehdiebstahl, der zur Tradition vieler Volksgruppen gehört. Früher kamen dabei selten Menschen zu Schaden; heute haben jedoch viele Männer Waffen, meist Überbleibsel aus Bürgerkriegen, so dass es bei Viehdiebstählen regelmäßig zu schweren Verletzungen oder Todesfällen kommt.

Tierärzte ohne Grenzen e.V. versucht, im Rahmen der Projekte zwischen verfeindeten Volksgruppen vermittelnd tätig zu werden. Meist wird der Vorschlag zu einem Friedenstreffen von den Clans positiv aufgenommen, denn wir gelten als neutrale Instanz und genießen zudem bei den Tierhaltern ein hohes Ansehen. Weil Nutztiere in ihrer Kultur einen extrem hohen Stellenwert haben und Tierärzte ohne Grenzen e.V. den Tieren hilft, wird die Organisation von den Menschen sehr wohlwollend betrachtet.

Ist ein Friedenstreffen zwischen zwei Clans zustande gekommen, wird beiden Parteien die Möglichkeit gegeben, ihre Meinung zu äußern. Im Anschluss versucht Tierärzte ohne Grenzen e.V. zu vermitteln, etwa dadurch, dass gemeinsam ein Plan erarbeitet und unterzeichnet wird, wie in Zukunft Weiden und Wasserstellen gleichberechtigt genutzt werden können.