Welttag für die Bekämpfung der Wüstenbildung & Dürre

Heute findet der „Welttag für die Bekämpfung der Wüstenbildung und Dürre“ statt. Tierärzte ohne Grenzen e.V. hat in der Afar-Region Äthiopiens ein Nothilfeprojekt speziell zur Reduzierung der Dürreauswirkungen initiiert.

Der Aktionstag wurde 1994 in Ergänzung zu einem von 179 Staaten unterzeichneten Abkommen gegen das weitere Ausbreiten von Wüsten beschlossen. Bei der Wüstenausbreitung handelt es sich nicht um eine natürliche Erweiterung, sondern vielmehr um die Verödung von Trockengebieten aufgrund menschlichen Handelns und Klimaschwankungen. Ziel des Welttages ist es, auf die Probleme der zunehmenden Wüstenbildung, wie Armut, Hunger und Massenwanderungen, aufmerksam zu machen und gleichzeitig weitere Initiativen und Projekte gegen die Ausbreitung zu verfolgen und umzusetzen.

Auch Tierärzte ohne Grenzen e.V. leistet Nothilfe in dürregeplagten Regionen, um Existenzgrundlagen wieder aufzubauen sowie Mensch und Tier vor dem Hungertod zu bewahren. Unser Nothilfeprojekt in der Afar-Region Äthiopiens wurde dafür ins Leben gerufen.

Reduzierung der Dürreauswirkungen durch Herdenwiederaufbau

In Ostafrika kommt es regelmäßig zu langanhaltenden Dürren. Besonders in der Afar-Region Äthiopiens herrscht die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten. Durch das Sterben von über einer halben Million Nutztieren ist auch die Existenz der pastoral lebenden Gemeinden bedroht. Um die verheerenden Auswirkungen der Dürre zu reduzieren, leistet Tierärzte ohne Grenzen e.V. mit der Unterstützung von ECHO Nothilfe für besonders gefährdete Gemeinden in den nördlichen Distrikten Aba´ala und Erebti.

Ein auf Nahrungsversorgung basierender Wiederaufbau der Herden ist eines der Projekte, die dazu dienen sollen, Existenzgrundlagen wieder aufzubauen und die pastorale Lebensweise fortzuführen. Neben der Existenzsicherung dient das Projekt auch zur Ernährungssicherung für Kinder gefährdeter Haushalte, die durch die Bereitstellung junger, trächtiger und laktierender Ziegen versorgt werden können.

Im Aba´ala Distrikt werden 30 stark gefährdete Haushalte unterstützt, die ihren Viehbestand verloren und keine alternative Lebensgrundlage haben. Besonders gefördert werden auch Frauenhaushalte mit unternährten Kindern. Für die Auswahl der begünstigten Haushalte wurden Nothilfekomitees gegründet (bestehend aus Kebele-Führern, religiösen Führern, Klanführern, Ältesten, Vertretern der Jugend und der Frauen sowie Entwicklungshelfern), die dafür zuständig waren, geeignete Begünstigte zu bestimmen. Einige der Begünstigten möchten wir Ihnen gerne vorstellen:

Ali Selassi, 50 Jahre alt, ist einer der Begünstigten in Harameli-Kebele des Aba´ala-Distrikts. Wie auch andere Pastoralisten  war er stark von der Dürre betroffen und verlor viele seiner Nutztiere. Früher hatte er sechs Ziegen, von denen zwei während der Dürre starben. Ali Selassi erhielt fünf weibliche Zuchtziegen von Tierärzte ohne Grenzen e.V. Er hat sieben  Kinder; zwei Kinder wurden bereits nach Feststellung einer Unterversorgung vom OTP-Center des Aba´ala Gesundheitszentrums mit Nahrung versorgt. Darüber hinaus ist er Begünstigter des Productive Safety Net Programme (PSNP), das ihn mit Dürrerationen (Getreide und pflanzliches Öl) unterstützt. Die Ziegen, die er von Tierärzte ohne Grenzen e.V. gespendet bekam, haben bereits Zicklein geboren. Damit konnte er die tägliche Milchration für seine Kinder deutlich erhöhen. Die Milchproduktion könnte noch besser sein, wenn es genug zu fressen für die Ziegen gäbe. Die Weidegründe in der Umgebung konnten sich jedoch bisher noch nicht wieder erholen.

Aware Rassi, 45 Jahre alt, wurde noch schwerer von der Dürre getroffen. Als Vater von sieben Kindern war er einst stolzer Besitzer von 60 Ziegen und fünf Kamelen. Nur drei Ziegen überlebten die Dürre, ließen ihn und seine Familie ohne Existenz- und Ernährungsgrundlage zurück. Nun sind sie alle vom national food aid des Pastoralist Safety Net Programmes abhängig. Mit den Ziegen, die er von Tierärzte ohne Grenzen e.V. bekam, hofft er nun, sich seine Herde langsam wieder aufbauen zu können.

Marie Ali, 50 Jahre alt, ist Witwe und Mutter von zwei Kindern. Nachdem sie all ihre Nutztiere durch die Dürre verlor, bekam sie glücklicherweise fünf Ziegen von Tierärzte ohne Grenzen e.V. Leider verstarb bereits eine der Ziegen. Zwei Zeigen jedoch brachten kürzlich gesunde Zicklein zur Welt.