Unser Tollwutprojekt in Nairobi County, Kenia

Was im Jahre 2003 in Narok County im Süden Kenias begann und sich zu einem sehr erfolgreichen Projekt entwickelte, wurde dieses Jahr auf eine Reihe von informellen Siedlungen in Nairobi ausgeweitet. Im folgenden lesen Sie den Bericht von Michael Stoephasius und Shoshanne Hillmann-Breuer, die Anfang September das Projekt besuchten.

Die Bewohner der informellen Siedlungen warten an einer Imfpstationen auf die Impfungen ihrer Tiere

Bereits vor mehr als 15 Jahren haben Tierärzte ohne Grenzen damit begonnen, im Süden Kenias flächendeckende Tollwut-Impfungen durchzuführen. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten hat sich die Aktion in den letzten Jahren erfolgreich etabliert. Durch große Anstrengungen ist es gelungen, einen großen Teil des kenianischen Südens tollwutfrei zu bekommen. Um kostenlose Impfungen noch mehr Menschen zugänglich zu machen, wurde das Projekt dieses Jahr nun auf eine Reihe von informellen Siedlungen in Nairobi County ausgeweitet.

Um sich vor Ort einen unmittelbaren Eindruck über die momentane Arbeit und die Entwicklungen sowohl in Nairobi County als auch in der Mara im Narok County zu machen, reisten Shoshanna Hillmann-Breuer und Michael Stoephasius aus dem Hauptbüro in Berlin Anfang September nach Kenia. Ziel der Reise war es, die Tierärzte vor Ort bei ihrer Arbeit zu begleiten und mit den Projektverantwortlichen sowie den begünstigten Haushalten vor Ort über ihre Erfahrungen mit dem Tollwut-Projekt zu sprechen.

Nach einem herzlichen Empfang im Tierärzte ohne Grenzen-Büro in Nairobi besuchten Shoshanna und Michael zusammen mit den Tierärzten Dr. Ezra Saitoti, Dr. Lilian Akinyi Ooko und Dr. Mburu die informellem Siedlungen Kawangware, Dagoreti, Gachui, Riruta und Ng’ando rund um Nairobi. In diesen Gebieten und einschließlich der Siedlungen Mutuini, Kirigo, Juakali, Ndonyo und Saikon, konnten zwischen Anfang August und Mitte September insgesamt 1.532 Haushalte erreicht und 2.264 Hunde und Katzen geimpft werden. Die Impfaktionen wurden dabei von der Apo Bank Stiftung, dem Futtermittelhersteller Royal Canin sowie den Talek Veterinary Services unterstützt.  

Durch die Beratung und logistische Unterstützung des Veterinary Department von Nairobi County, dem Department of Veterinary Services und der Zoonotic Disease Unit konnten im Laufe der Aktion weitere Impfstoffe besorgt und an zwei weiteren Tagen im September Impfungen in den oben genannten Gebieten durchgeführt werden. Die Gebiete wurden besonders aufgrund ihrer Nähe zu den großen Viehmärkten und Schlachthöfen ausgewählt. Dort halten die meisten Bewohner Hunde, um sich vor Einbrechern und Dieben zu schützen, die vor allen Dingen in diesen Gegenden ihr Unwesen treiben.

Um flächendeckend auf die zusätzlichen Impfaktionen aufmerksam zu machen, wurde im Vorfeld der Impfungen ein sogenanntes „Public Adress System“ eingerichtet. Ein mit Lautsprechern bestückter Van fährt dabei durch die weitläufigen Gebiete der Stadt und kündigt lautstark und mit Musik unterlegt die Impftermine- und orte an. Besonders in den dörflich geprägten Gebieten ist dies eine effektive Methode, auf die Tollwut-Impfungen aufmerksam zu machen und wird dankend von den Bewohnern angenommen. Weiterhin wurden viele Poster und Flyer in den bestimmten Impfregionen ausgehangen und verteilt. Zusätzlich wurden die Bewohner der Siedlungen in den regelmäßig stattfindenden Gottesdiensten in den Kirchen über die anstehenden Impftermine informiert. Dort gab es auch einen Vortrag einer der Pastoren, der hauptberuflich als Senior Government Official im Public Health Department in Nairobi arbeitet und viele der Bewohner davon überzeugen konnte, die Impfstationen zu besuchen und ihre Hunde und Katzen mitzubringen. Die Teilnahme an den kostenlosen Impfungen in den Projektgebieten war daher sehr hoch.  

Vor allem in den vielen Gesprächen mit den Bewohnern der Siedlungen wurde deutlich, wie wichtig die regelmäßigen Impfungen für die Menschen sind. Einer der älteren Männer des Muitindia Dorfes sagte: „Ich habe eines der Poster, das neben meinem Haus ausgehangen wurde, gelesen und habe mir extra frei genommen, um mit meinen drei Hunden und meiner Katze zu eurer Impfstation kommen zu können. Ich würde mir wünschen, dass jeder in diesen Siedlungen die Bedeutung der Impfungen versteht. Sie würden alle den Vorteil sehen, ihre Tiere impfen zu lassen und nicht darauf warten, bis die Krankheit ausbricht. Die Tollwutimpfungen sind hier sehr teuer und nicht leicht zu bekommen. Vielen Dank für die große Hilfe!“

So oder so ähnlich äußerten sich die meisten Bewohner der informellen Siedlungen Nairobis, wie Shoshanna und Michael in vielen Interviews und Gesprächen herausfinden konnten. Die Impfungen helfen hier vielen Menschen, da diese es sich nicht leisten können, ihre Tiere zu impfen, eine Impfung jedoch gesetzlich vorgeschrieben ist. Hinzu kommt, dass ein Hundebesitzer - im Falle sein Hund beißt jemanden - ohne gültige Impfnachweise für den entstandenen Schaden (Behandlung, Impfung, etc.) aufkommen müsste. Dies wäre mit einem nicht stemmbaren finanziellen Aufwand verbunden und würde viele Menschen dazu zwingen, hohe Schulden aufzunehmen. Der Dienst von Tierärzte ohne Grenzen ist daher von größter Bedeutung für viele Menschen in den sehr armen Siedlungen rund um Nairobi. Unterstützen Sie uns daher mit einer Spende, damit wir das Projekt weiterführen und noch mehr Menschen helfen können, kostenlosen Zugang zu den so dringend benötigten Tollwutimpfungen zu bekommen. Alle Informationen finden Sie unter folgendem Link: https://www.togev.de/spenden-helfen/einmalig-spenden.html?interval_fix=0&fb_item_id_fix=9496

Weitere Infos und Reiseberichte folgen in Kürze auf unserer Homepage!