Interwiew mit Peter Marop - Agrarprojektleiter in Cueibet, Südsudan

Wir treffen uns mit Peter, einem südsudanesischen Staatsangehörigen aus Rumbek, nachdem er gerade von einem Besuch einer Gemüseproduktionsgruppe unter seiner Leitung in Apeet Payam zurückgekehrt ist. Peter, ein gutgelaunter und freundlicher Mann, ist der Inbegriff des Satzes „Das Leben beginnt mit 40“. Nachdem er im Alter von 12 Jahren dem Militär beigetreten war und nun beobachtet, wie sein geliebtes Land zu relativem Frieden zurückkehrt, lebt er jeden Tag neu auf und freut sich auf eine bessere Zukunft für sein Land. Peter teilt mit uns seine Sichtweise als integrales Mitglied von Tierärzte ohne Grenzen e.V. und gibt uns einen besseren Eindruck von der Arbeitsrealität im ländlichen Südsudan.

© TOGEV

Wer ist Peter Marop?

Ich bin ein 40-jähriger Mann, glücklich verheiratet und habe zwei Kinder. Ich komme aus dem Dorf Abun Mayath in Cueibet Payam im Bundesstaat Gok. Ich bin 2017 als Technischer Mitarbeiter im Bereich Landwirtschaft  zu TOGEV gestoßen. Davor war ich 17 Jahre lang Soldat beim Militär. Nach dem Militärdienst arbeitete ich 2 Jahre lang als Payam-Administrator, bevor ich 2005 als Grundschullehrer für Landwirtschaft in das Bildungsministerium eintrat. Ich arbeitete dort, bis ich zu TOGEV kam. 

Welche Ausbildung hast du?

Ich war drei Jahre lang in der Lehrerausbildung und absolvierte später einen einjährigen Kurs in Landwirtschaft.

Welche Fähigkeiten hast du im Laufe der Jahre erworben und wie konntest du diese Fähigkeiten den Bauern und Bäuerinnen vermitteln?

Ich konnte sehr gute Kenntnisse in der Landwirtschaft (Nutzpflanzen und Tierproduktion) erwerben, und meine bisherige Erfahrung als Lehrer hat mir dabei geholfen, die Landwirte effektiv auszubilden und ihnen ein besseres Verständnis zu vermitteln. Ich glaube auch fest an die Wirkung von praktischer Schulung, denn ich habe im Laufe der Zeit gelernt, dass erwachsene Bauern immer besser lernen, wenn sie es selbst machen.

Welche Veränderungen hast du in Cueibet im Bundesstaat Gok hinsichtlich der Ernährungssicherheit und Existenzgrundlagen beobachtet?

Die besseren landwirtschaftliche Praktiken haben wirklich dazu beigetragen, dass die Gemeinden ihre Nahrungsmittelproduktion verbessern und eine sich besser selbst versorgen können. Die Gemeinden haben sich von früheren Subsistenzmethoden abgewandt; über 70% der Bauern und Bäuerinnen haben die neuen Produktionstechniken und neuen Pflanzensorten übernommen! Schnellwachsenden Pflanzensorten haben dazu beigetragen, unsere Bevölkerung vor klimatischen Auswirkungen wie den Dürren zu schützen. Ich persönlich gehe hier mit gutem Beispiel voran. In diesem Jahr (2018) habe ich 8 Feddans (3,4 Hektar) kultiviert, von denen ich 47 Säcke mit Erdnüssen geerntet habe. Ich habe bereits 360 kg Sorghum von einem sehr kleinen Stück Land geerntet und ich habe noch ein weiteres  großes Feld zu ernten. Das ist eine große Verbesserung gegenüber 2017, als ich insgesamt nur 9 Säcke Erdnüsse (1 Tonne) und 3 Säcke Sorghum (360 kg) geerntet habe. Die meisten Landwirte haben mithilfe von TOGEV die gleiche Erfahrung gemacht.

Welche Fähigkeiten hast du bei TOGEV erworben?

Ich habe viele zusätzliche Kenntnisse in der Agronomie aufgebaut. Mein Leben und das meiner Gemeinde haben sich grundlegend verändert. Mein Gehalt ermöglicht es mir, mein eigenes Saatgut und Werkzeuge zu kaufen. Ich habe gelernt, wie ich meine Arbeit plane, wie man Bericht erstattet, wie man monitort und evaluiert, und wie wichtig Planung und Budgetprognose sind. Ich habe auch gelernt, wie man einen Computer bedient, einschließlich Microsoft Excel, was ich vor meinem Wechsel zu TOGEV nicht konnte.

Was motiviert dich am meisten, für TOGEV zu arbeiten?

Jeden Tag aufzuwachen und zu wissen, dass ich etwas Neues lernen und neue Fähigkeiten entwickeln werde, während ich meiner notleidenden Gemeinde diene. Das motiviert mich sehr. Ich freue mich, wenn sich das Leben der Menschen verändert, und die Frauen immer besser in der Lage sind, ihren Familien Nahrung zu geben. Auf diese Weise kann ich weiterhin meiner Gemeinde und meinem Land dienen.

Wo siehst du die Hauptstärke von TOGEV und seiner Beziehungen zu den lokalen Gemeinden?

Die größte Stärke von TOGEV ist der Aufbau von Kapazitäten zur Selbstversorgung für die Landwirte. Die Projektbüros von TOGEV  befinden sich  in den Gemeinden und schaffen eine starke Bindung in unseren Beziehungen. Die Organisation behandelt und impft auch unsere Tiere, was für uns  Hirten traditionell sehr wichtig ist.

Bitte erzähle uns von deinen Plänen für die nächsten zwei Jahre.

Ich habe zwei große Pläne: 1) noch mehr für meine Gemeinde zu arbeiten und 2) mein Landwirtschaftsstudium fortzusetzen, wenn ich dafür Gelegenheit und Unterstützung von der Organisation finden kann.

Irgendwelche abschließende Gedanken, Peter?

Ich möchte TOGEV danken, dass ich die Chance bekommen habe, in meiner beruflichen Laufbahn zu wachsen und das Leben der Menschen in meiner Gemeinde auf meine ganz persönliche Weise positiv zu verändern. Ich möchte mich bei TOGEV auch dafür bedanken, dass meine Arbeit geschätzt und mir so viel Vertrauen entgegengebracht wird, dass ich auch an andere Einsatzorte als Rumbek geschickt werde, um meine Fähigkeiten und mein Wissen mit anderen zu teilen.

 

Vielen Dank für das Interview.