Interview mit Community Animal Health Workerin Goyte Wado in South Omo, Äthiopien

Auf ihrer Reise nach Äthiopien hatte unsere Referentin Antonia Braus die Gelegenheit, sich mit Goyte Wado, eine der Community Animal Health Workerinnen (CAHW) in der South Omo Region, zu unterhalten und ihr in einem Interview einige Fragen zu ihrer Arbeit und ihrem Leben zu stellen.

v.l: Mekdes (Animal Health Technikerin), Goyte (CAHW), Dorfbewohnerin© Tierärzte ohne Grenzen e.V.

Goyte gehört dem Stamm der Hamer an und arbeitet in der South Omo Region als Community Animal Health Workerin für die Tierärzte ohne Grenzen. Goyte schätzt sich auf ungefähr 46 Jahre. Ganz genau ist diese Zahl jedoch nicht, da das genaue Alter bei Pastoralisten keine große Rolle spielt und die gelebten Jahre nicht gezählt werden. Das Interview fand in Goytes „Godjo“, ihrer Rundhütte, statt, in die sie mich eingeladen hat und in der eine sehr gemütliche und angenehme Stimmung herrschte. Goyte wohnt dort zusammen mit fünf anderen Dorfbewohnern. Zuvor habe ich Goyte bei der Behandlung einer Rinderherde begleitet. Die unglaublich schnelle und wendige Frau mit einem festen Händedruck hat mich mit ihrem Gespür für die Tiere und ihren Beruf wirklich sehr beeindruckt.

 

Hallo Goyte! Warum wurdest du von der Gemeinde als CAHW bestimmt? 

Ich glaube, die ganze Gemeinde hat für mich gestimmt, weil ich besonders schnell arbeite und sehr aktiv bin. Außerdem kenne ich mich gut mit Viehhaltung aus.

 

Seit wann bist du CAHW?

2013 habe ich das erste Training über drei Wochen in Turmi (Kleinstadt an der Grenze zu Kenia und größte Siedlung des Volksstammes der Hamer in Äthiopien) bekommen. Das letzte Auffrischungstraining liegt jetzt ca. 6 Monate zurück. Seither arbeite ich in der Region South Omo als CAHW.

 

Was sind deine Errungenschaften als CAHW?

Ich konnte mir durch meine Arbeit zwei Ziegen kaufen und durch die Auffrischungstrainings kenne ich mich auch mit neuen Medikamenten, Dosierungen und aktuellen Behandlungsmethoden aus. Dazu habe ich einen Rucksack mit Material bekommen. Ein Vorteil ist auch, dass ich mein eigenes Vieh behandeln kann. Ich habe einen guten Zugang zu den Viehmärkten und kann dort handeln.

 

Wirst du als weibliche CAHW gut akzeptiert?

Heute habe ich keine Nachteile mehr, als weibliche CAHW in dieser Region zu arbeiten. Viele bevorzugen mich sogar, da ich mich besonders gut mit aktuellen Krankheiten, den richtigen Dosierungen und Behandlungsmethoden auskenne. Mittlerweile möchten manche ihre Tiere nur noch von mir behandeln lassen. Darauf bin ich stolz.

 

Wie erreichen dich die Pastoralisten, wenn Sie dich brauchen?

Meistens werden Kinder in mein Dorf geschickt, um mich zu rufen, oder ich werde - zwar nur manchmal -  auf meinem Handy angerufen.

 

Wie bezahlen dich die Pastoralisten?

Bezahlt werde ich mit Geld oder mit dem Gutscheinsystem (weitere Informationen zu dem Gutscheinsystem finden sich hier). Waren oder Vieh akzeptiere ich aber nicht mehr, da diese den Marktschwankungen ausgesetzt sind. An einem Tag ist die Ziege mehr wert, als an einem anderem, das möchte ich nicht.

  

Tauschst du dich mit anderen CAHWs aus?

Ja, klar. Wenn wir uns treffen oder manchmal auch per Telefon. Hier im Dorf gibt es noch einen anderen CAHW (Dami Okada, 25 Jahre, der sich später noch zu uns in die Rundhütte gesellt). Ein Austausch erfolgt auch durch Animal-Health-Techniker und Animal-Health Assistenten (werden von der Regierung ausgebildet und gestellt. Eine Animal Health Technikerin ist bei dem Interview dabei, Mekdes, 21 Jahre).

  

Bist du manchmal für Behandlungen so weit weg, dass du über Nacht bleiben musst?

Ja, oft. Bei Impfkampagnen werden wir auch mit dem Auto über weite Strecken bis zur Grenze Kenias gefahren.

 

Was sind die Herausforderungen als CAHW und was empfiehlst du VSFG?

Eine der großen Herausforderungen für mich sind neben den manchmal langen Wegen, die immer wieder aufkommenden Medikamenten- und Impfstoffengpässe. Aus ganz unterschiedlichen Gründen ist es nicht immer leicht, die wichtigen Güter zu beschaffen. Manchmal sind die Straßen zu schlecht oder es gibt nicht genügend Geld, um die Medikamente zu bezahlen. Darüber hinaus sollten noch mehr CAHWs ausgebildet werden, damit wir noch mehr Dörfer und Gemeinschaften noch schneller erreichen können.

 

Was sind deine Zukunftspläne?

Ich möchte in meiner Gemeinde und Umgebung mein Wissen über Medikamente, Physiologie, Behandlungen, Tiergesundheit und Krankheiten weitergeben.

  

Danke Goyte!

 

Zu den CAHWs

Seit über 25 Jahren bilden wir sogenannte Community Animal Health Worker, kurz CAHWs, in unseren verschiedenen Projektgebieten aus. Nach einem dreiwochigen Training in Tierseuchenerkennung, Untersuchungsmethoden, Diagnostik, Therapie und Berichterstattung erhalten diese ihr Zertifikat als CAHW.

Zusätzlich erhalten die CAHWs einen Rucksack mit medizinischer Ausrüstung und in regelmäßigen Abständen Auffrischungstrainings. Sie unterstützen die Veterinärbehörden bei Impfkampagnen, können sowohl zoonotische Erkrankungen an Menschen als auch Tierseuchen erkennen und stärken durch Ihre Arbeit die privaten Veterinärapotheken, da sie über diese Medikamente und veterinärmedizinisches materiel beziehen. So tragen sie auch noch zur Stärkung der lokalen Wirtschaft bei. Die CAHWs werden zuvor gemeinschaftlich von den Gemeinden bestimmt, um die Akzeptanz in den Gemeinden zu gewährleisten. Oft sind es Menschen, die sich besonders gut in der Viehhaltung auskennen und auf diesem Gebiet viel Erfahrung mitbringen.

 

Zur Autorin

Antonia Braus aus Überlingen am Bodensee ist Tierärztin und unsere Referentin für Internationale Tiergesundheit und Pastoralismus. Sie hat Veterinärmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München studiert. Schon im Studium hat sich Antonia für Tierärzte ohne Grenzen e.V. gemeinsam mit anderen Kommilitonen engagiert und ist nun seit 2016 in der Bundesgeschäftsstelle in Berlin beschäftigt.