Internationaler Tag der Frauen in ländlichen Gebieten 15. Oktober 2017

Ein Viertel der Menschheit sind Frauen, die in ländlichen Gebieten leben. Fast die Hälfte der landwirtschaftlichen Produktion geht auf ihre Arbeit zurück. Dabei leben 76 Prozent der Menschen, die zu der Gruppe der extrem armen Menschen gehören und mit weniger als 2 US-Dollar auskommen müssen, im ländlichen Raum.

Ohne die unermüdlich geleistete Arbeit der Frauen in ihrer Familie und ihrer Gemeinde zur Nahrungsmittel- und Wasserversorgung ginge es den Menschen im ländlichen Raum in vielen Teilen der Welt wesentlich schlechter. Gleichzeitig wird deutlich, was für ein Potential in den Frauen steckt: Wenn es gezielt gefördert wird, kann es zu Verbesserungen auch in anderen Bereichen wie der Gesundheitsvorsorge und Bildung führen.

 

Tierärzte ohne Grenzen erinnert heute, am Internationalen Tag der Frauen in ländlichen Gebieten, an deren überlebenswichtigen Beitrag für ihre Familien und die Gesellschaften, in denen sie leben.

 

In unseren Projektgebieten sehen wir immer wieder, wie viel die Frauen leisten. Wasser holen (bis zu sieben Stunden am Tag sind Frauen und Mädchen damit beschäftigt), Holz sammeln, das Vieh versorgen, auf dem Acker arbeiten, Getreide mahlen, Essen zubereiten, die Kinder versorgen - all dies sind Aufgaben, die hauptsächlich Frauen und Mädchen leisten. Erschwerend kommt hinzu, dass sie bei diesen Verrichtungen häufig Gefahren wie Überfällen und Vergewaltigungen ausgesetzt sind.

Um das Leben der Frauen zu erleichtern und um ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr großes Potential auch in anderen Bereichen zu entfalten, legt Tierärzte ohne Grenzen  immer einen besonderen Schwerpunkt auf diese Frauen.

 

• Ein Ochsenpflug im Südsudan entbindet die Frauen von der beschwerlichen Hackarbeit im Feldbau.    

• Kommunale, motorisierte Getreidemühlen anstatt der manuellen Mühle zuhause sparen viel Kraft ein.

• Brunnen bzw. Bewässerungssysteme verkürzen die Wege, um Familie, Vieh und Acker zu versorgen.

• Energiesparöfen in Kenia benötigen nur noch ein Viertel des Brennholzes  - die Frauen müssen viel weniger schleppen und nicht so weit gehen.

• VICOBA-Spargruppen in Kenia geben Frauen die Möglichkeit, alternative Einkommensquellen, wie z. B. Garküchen, zu erschließen, um eigenes Geld zu verdienen und sich unabhängiger zu machen von externen Faktoren wie dem Klima, aber auch vom eigenen Mann.

• In speziellen Workshops in Somalia und im Sudan erhalten Frauen und Mädchen einen geschützten Raum, um sich auszutauschen über Erfahrungen zur sexuellen Gewalt und um die Rolle der Frau ganz allgemein zu diskutieren. Eine Anlaufstelle zu haben und ein Netzwerk mit anderen Frauen zu schaffen, ist ein bedeutender Schritt zur Selbstermächtigung.

• Sanitär- und Hygieneprojekte sind auf die besonderen Bedürfnisse der Frauen zugeschnitten.

• Maßnahmen im Kleinviehbereich (Schafe, Ziegen und Hühner, die traditionsgemäß dem  Aufgabenbereich der Frauen zugeordnet sind) verbessern die Einkommenssituation der Frau.