Informationsschreiben an alle Mitglieder und Unterstützer von Tierärzte ohne Grenzen

Entwicklungen zur Cyberattacke mit Folge fehlgeleiteter Zahlungen seit der Mitgliederversammlung im Mai 2017

 

Sehr geehrte Mitglieder und Unterstützer von Tierärzte ohne Grenzen,

im Nachgang unserer Mitgliederversammlung vom 20.05.2017 möchten wir Sie hiermit über die Maßnahmen auf dem Laufenden halten, die wir bisher bezüglich der Cyberattacke unternommen haben. Gleichzeitig möchten wir die Gelegenheit nutzen und Sie über die neuesten Entwicklungen in unserer Organisation unterrichten.

1. Cyberattacke von Anfang April 2017:

Die Höhe des finanziellen Schadens, der uns aus per Mail übersandten gefälschten Zahlungsaufträgen entstanden ist, können wir noch nicht abschließend absehen. Wir haben umgehend Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt, um über die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nähere Informationen zu den Straftätern zu erhalten. Insgesamt wurden vier Überweisungen fehlgeleitet und etwa 280.000 USD von den Kriminellen erbeutet. Durch unser sofortiges Handeln konnten wir bereits einen Teil der Überweisungen in Höhe von etwa 64.000 USD zurückrufen und so das Geld retten. Die umfangreichen Ermittlungen gestalten sich auf Grund der internationalen Rechtslage sehr schwierig und sind noch nicht abgeschlossen, so dass noch keine weiteren Schadensersatz- oder Rückforderungsrechte geltend gemacht werden konnten. Wir sind mit den befassten Ermittlungsbehörden und den Anwälten in stetem Austausch. Über den in Tschechien eingeschalteten Rechtsanwalt haben wir bereits gute Aussichten, einen weiteren Teil des überwiesenen Geldes direkt von dem dort eingefrorenen Konto zurück zu erhalten.

Neben internen Sofortmaßnahmen, die unseren Zahlungsverkehr zusätzlich absichern, haben wir einen IT-Experten beauftragt, der alle in Nutzung befindlichen IT-Systeme (zwei verschiedene Server auf zwei Kontinenten) und alle innerhalb der Organisation verwendeten Email-Konten auf die höchsten verfügbaren Sicherheitsstandards aufrüstet. Ein in Deutschland eingeschalteter Rechtsanwalt prüft zusätzlich mögliche Schadensersatzansprüche gegenüber unserer Hausbank, die die Überweisungen ins Ausland trotz unserer Meldungen über die Betrugsvorgänge unserer Meinung nach nicht mit der notwendigen Dringlichkeit nachverfolgt und gestoppt hat.

2. Suspendierung des Geschäftsführers Dr. Wilhelm Dühnen:

Wie bereits in der Mitgliederversammlung und auf konkrete Nachfragen hin erfolgt, möchte der Vorstand auch an dieser Stelle darauf hinweisen, dass die Suspendierung von Dr. Dühnen zwar im zeitlichen Zusammenhang mit der Cyberattacke steht, der Vorstand aber nach dem derzeitigen Wissensstand davon ausgeht und auch davon überzeugt ist, dass Dr. Dühnen in keiner Form schuldhaft in die Betrugsfälle verstrickt ist.

Im Nachgang zu der Suspendierung und als Ergebnis zahlreicher Vorgespräche zwischen Vorstand und Geschäftsführer, die lange vor der Cyberattacke begannen, trennte sich der Vorstand mit einer ordentlichen Kündigung von Dr. Dühnen als Managing Director mit Wirkung zum 30.11.2017. Eine vom Vorstand angebotene andere Form einer weiteren Zusammenarbeit hat Dr. Dühnen nicht angenommen. Das von Herrn Dr. Dühnen daraufhin angestrengte Arbeitsgerichts-Verfahren sollte in Kürze einvernehmlich mit Hilfe eines Vergleichs, der von beiden Seiten getragen wird, beendet sein.

3. Zukunftssicherung von Tierärzte ohne Grenzen:

Auch wenn die Cyberattacke einen großen finanziellen Schaden angerichtet hat, besteht für den Verein keine Existenzgefahr. Zur finanziellen Bewältigung der Folgekosten aus der Cyberattacke können zum einen Rücklagen aus dem guten Jahresergebnis 2015 und 2016 herangezogen werden. Zum anderen hat die Mitgliederversammlung am 20.05.2017 für diesen Sonderfall eine zusätzliche Rückstellung von 250.000 Euro bewilligt.

Außerdem wurde auf der Mitgliederversammlung der Antrag, einen unabhängigen Untersuchungsausschuss ins Leben zu rufen, der die Vorgänge untersuchen soll, die einen solchen Angriff erfolgreich möglich gemacht haben, intensiv diskutiert (siehe Protokoll). Am Ende befand die Mehrheit der Mitglieder, dass die bisherige Aufarbeitung und die eingeleiteten Maßnahmen ausreichend sind und somit die Bildung eines zusätzlichen Ausschusses nicht notwendig ist.

Seit unserer Mitgliederversammlung im Mai hat der Vorstand zusammen mit der Managementebene der Organisation folgende Schritte eingeleitet:

a) Seit dem 13.08.2017 arbeitet ein neu berufener Prüfungs- und Risikoausschuss (Audit and Risk Committee, ARC) an den anstehenden Herausforderungen und unterstützt den Vorstand sehr engagiert, nachdem das bisherige ARC seine Ämter niedergelegt hatte. An dieser Stelle sei den neuen Mitgliedern des Prüfungs- und Risikoausschusses Frau Dr. Karin Thissen (MdB), Frau Claudia Polzin-Muschter und Herrn Prof. Dr. Norbert Mencke besonders gedankt.

b) Mit der Einrichtung einer Stelle eines Regionaldirektors Ostafrika und der Neubesetzung der Position des Managing Directors in Berlin ist für die Zukunft eine engere Zusammenarbeit mit dem Vorstand, dem ARC und dem Regionalbüro in Nairobi sowie den Länderbüros sichergestellt.

c) Unser aktuelles Strategiepapier für die Jahre 2017 bis 2020 gibt die Ausrichtung der Organisation für die nächsten Jahre vor und ermöglicht eine starke Entwicklung des Vereins, auch über die bisherigen Projektländer hinaus. Die unterzeichnete Version wird in Kürze auf unserer Internetseite einsehbar sein.

d) Mit Hilfe unserer engagierten Mitarbeiter an all unseren Standorten ist es uns gelungen, sowohl die laufenden Projekte souverän fortzuführen als auch neue Projektmittel zu sichern. Daher möchten wir an dieser Stelle allen MitarbeiterInnen ein großes Lob und Dankeschön aussprechen. Damit einhergehend ist auch unsere Liquidität durch den Zufluss neuer Projektgelder gesichert und es bestehen keine Anhaltspunkte für eine drohende Insolvenz oder Zahlungsschwierigkeiten unsererseits.

Wir hoffen mit diesem Informationsschreiben sämtliche bisherigen Fragen beantwortet und über künftige Schritte ausreichend informiert zu haben. Das Protokoll der Mitgliederversammlung vom 20.05.2017 finden Sie ebenfalls auf unserer Homepage unter folgendem Link. Selbstverständlich werden wir Sie weiterhin per Newsletter über wichtige Entwicklungen informieren. Sollten Sie dennoch weitere Fragen haben oder Anregungen an uns weitergeben wollen, kontaktieren Sie uns gerne über die angegebenen Kontaktdaten. Wir freuen uns immer über einen regen Austausch mit unseren Mitgliedern, die die Arbeit vor Ort erst möglich machen.

Ich danke Ihnen herzlich für Ihre Unterstützung und Ihr Interesse an der Arbeit des Vereins.

Mit freundlichen Grüßen,

Daniel Zaspel
Vorstandsvorsitzender
Tierärzte ohne Grenzen e.V.