Das Kinderhilfsprogramm im Südsudan

Tierärzte ohne Grenzen e.V. tritt der Red Hand Celebration 2019 in Pibor bei

An jedem 12. Februar findet der Red Hand Day statt, der internationale Aktionstag gegen den Einsatz von Kindersoldaten. Dieser Anlass wird von humanitären Hilfsorganisationen immer wieder genutzt, um politische und militärische Führungspersönlichkeiten aufzufordern, Maßnahmen gegen den Einsatz von Kindersoldaten zu ergreifen.

Es geht um besonders Schutzbedürftige - minderjährige Mädchen und Jungen, die in den Dienst von kriegerischen Gruppen gestellt und auf verschiedene Art und Weise missbraucht werden. Sie haben Plichten, die in den Milizen abgeleistet werden müssen. Das sind hauptsächlich aktive Kampfeinsätze im bewaffnetem Konflikt. Gleichzeitig werden sie aber auch zur Hausarbeit, Spionagediensten und der Befriedigung sexueller Bedürfnisse von Vorgesetzten gezwungen.

Hintergrund

Seit 2015 ist Tierärzte ohne Grenzen e.V. im Südsudan ein Vorreiter auf dem Gebiet der sozioökonomischen Wiedereingliederung von Kindern. Zum einen gab es viele Kinder, die in Verbindung mit bewaffneten Gruppierungen im Süd Sudan standen. Zum anderen sah Tierärzte ohne Grenzen einen erhöhten Schutzbedarf für die Minderjährigen in der Region Pibor. Das Projekt und die erfolgreichen Wiedereingliederungen der vielen Kinder wurden durch die Unterstützung von UNICEF möglich.

Red Hand Day – Die Feierlichkeiten

Tierärzte ohne Grenzen e.V. hat sich auch verpflichtet, Aufklärungsarbeit zu leisten. Der Red Hand Day ist eine gute Gelegenheit Öffentlichkeit zu schaffen und der Gemeinde die Aktivitäten der begünstigten Kinder vorzustellen. Die Kinder konnten die Gemeindemitglieder kennenlernen und nutzten die Gelegenheit, ihre beruflichen Fertigkeiten in der Metallverarbeitung, der Landwirtschaft, der Haar- und Schönheitspflege und der Tiergesundheitshilfe zu präsentieren. Dieser Austausch motivierte die ehemaligen Kindersoldaten, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden und eine Laufbahn jenseits von Waffen und Militär einzuschlagen.

Ein Bericht von Rose Muraguri & Richard Wani

An den Feierlichkeiten nahmen hochrangige Personen des Bundesstaates Boma teil. Darunter waren der Vizegouverneur John Abdulla, der Bildungsminister Joseph Lilimoi, die Ministerin für Genderpolitische Fragen Lydia Peter Agolory und Abulla Kuthura, der Befehlshaber der South Sudan People’s Defence Forces (SSPDF). Mit dabei waren auch Mitarbeiter von UNICEF, von UNIMISS, NGOs und die Bevölkerung von Pibor.

Die Ministerin für Genderpolitische Fragen gratulierte Tierärzte ohne Grenzen e.V. im Süd Sudan für ihre Arbeit in der Gemeinde. Die Förderung der verschiedenen Arbeitsfertigkeiten der Kinder stellte sie besonders heraus. Durch Tierärzte ohne Grenzen e.V.  bestünde nun ein fairer Wettbewerb auf dem Markt von Pibor. Beispielsweise wurde durch die Ausbildung der Kinder in der Metallverarbeitung das Monopol des einzigen Schweißers in Pibor gebrochen. Der Minister für Entwicklung fügte an, dass sich der Bundestaat Boma im Süd Sudan im Ranking der Grundschulen auf dem fünften Platz befinde.

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Projektzeitraum: Februar 2015 bis Februar 2019

  • Das Interim Care Center konnte 1.063 befreite Kinder unterstützen und mit ihren Familien wiedervereinigen.
  • Insgesamt konnten 1.524 ehemalige Kindersoldaten unterstützt werden.
  • 1.457 besonders gefährdete Kinder erhielten zwei gesunde weibliche Wiederkäuer im fortpflanzungsfähigen Alter als Existenzsicherung. Den Kindern wurde beigebracht, ihre Tier zu impfen und sie bei Bedarf zu behandeln. Sie wissen nun, wie sie Hilfe zur tiermedizinischen Versorgung von kleinen Wiederkäuern erhalten.
  • 700 Kindern erhielten zwei Hennen und einen Hahn als Unterstützung. Sie bekamen Hühnerstallmaterialien aus der Region, ein Training für Geflügelpflege, Impfungen und Behandlungen und die Möglichkeit zur tiermedizinischen Versorgung.
  • 989 Kinder wurden über ihre Rechte aufgeklärt.
  • 2.895 Gemeindemitglieder wurden informiert und aufgeklärt, Kinder nicht zu Soldaten zu machen.
  • 2.495 Kinder und deren Betreuer erhielten landwirtschaftliche Geräte, Werkzeuge, Saatgut und eine Ausbildung zur sachgemäßen Handhabung der Utensilien.
  • 1.130 Kinder und deren Betreuer erhielten Fischernetzte, Angelleinen, Haken und ein Training für den Fischfang.
  • 200 Jungen konnten mit Bienenkörben versorgt werden, erhielten Werkzeuge zur Honigernte und ein Training in der Imkerei.
  • 203 Kinder erhielten Zuwendungen, um zur Stärkung der ökonomischen Aktivität beitragen zu können: z.B. Brot backen, Erhaltung des Fischereibestands, Teegeschäfte, Produktion von Mandazi, Erhaltung der Molkereien.
  • 112 Kinder mit handwerklichen Fertigkeiten erhielten Ausbildungen und ein Startup-Kit auf den Gebieten: Schweißen, Automechanik, Herstellung von Ziegeln, Schneiderei, Elektro- und Solarinstallation, Zimmerei/Trockenbau, Wartung von Bohrlochpumpen sowie Haar- und Schönheitspflege.
  • 54 Jungen erhielten ein lokales Tiergesundheitstraining. Anschließend haben sich die Jungen dem Netzwerk der Tiergesundheitshelfer von Tierärzte ohne Grenzen e.V. angeschlossen, das sich für Tiergesundheit engagiert.
  • 179 Kinder haben die Grundlagen in Betriebswirtschaft erlernt, um ihre Geschäfte handhaben zu können.
  • Das Erlernen und die Herstellung von recycelbaren Hygieneartikeln hat 51 Mädchen und deren Betreuerinnen vor dem Verlust ihrer Würde bewahrt.
  • Das Projekt konnte 1982 Mitglieder der Gemeinde in Sitzungen und Zusammentreffen erreichen. Die friedlichen Treffen haben die Kommunikation untereinander verbessert.