Ziegen statt Waffen! - Spendenaufruf Südsudan

Für südsudanesische Kindersoldaten der Rebellengruppe „Cobra Faction“ in Pibor galt lange Zeit das Prinzip: Waffen bedeuten Essen. Tierärzte ohne Grenzen hat diesen Kreislauf durchbrochen.

Viele der Jungen von "Cobra Faction" kommen aus sehr armen Familien, die keine oder wenige Tiere besitzen. Diese Kinder, die zuvor Hunger erlitten hatten, bekamen nun durch ihren „Dienst an der Waffe“ Nahrung und sogar etwas Lohn für ihren"militärischen Dienst". Sogar Fleisch kam ab und an auf den Speiseplan. Für die Kinder ist die Armee zusätzlich eine Möglichkeit, in der Gesellschaft anerkannt zu werden, denn Waffen und Uniformen sind Ausdruck von Autorität und Macht. Zudem fühlen sie sich verpflichtet und gebraucht, ihre Gemeinschaft vor sozialer Ausgrenzung und Benachteiligung zu schützen.

Im Rahmen eines nationalen Entwaffnungs- und Entmilitarisierungsprogramms verließen 2015 über 1.300 Kindersoldaten die "Cobra Faction" im Verwaltungsbezirk Pibor. Es gab Befürchtungen, dass es für diese Kinder schwierig ist, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Ohne Auskommen und mit leerem Magen ist die Verlockung groß, zum Militär zurückzukehren. Gleichzeitig sind viele der Jungen stigmatisiert und werden von der Zivilbevölkerung für die Verbrechen der Rebellengruppen verantwortlich gemacht.

Tierärzte ohne Grenzen hilft: Ziegen statt Gewehre!

Ein Austritt aus der Armee musste zu einer attraktiven Option gemacht werden. Da Nutztiere die Lebensgrundlage der Menschen in Pibor sind, überreichte Tierärzte ohne Grenzen den Familien der ehemaligen Kindersoldaten zwei Ziegen oder Schafe pro Kind als Startup. Waffen wurden gegen Ziegen getauscht und die Jungen konnten weiterhin als Ernährer der Familie auftreten. Bevor alle Tiere an die Familien übergeben wurden, behandelten und entwurmten unsere Tiergesundheitshelfer die Tiere.

Die Kinder und ihre Erziehungsberechtigten wurden zudem im Umgang mit Wiederkäuern geschult. Für eventuelle zukünftige Behandlungen wurde der Kontakt zum nächsten Tiergesundheitshelfer vermittelt.

Jetzt sorgt die Milch der Ziegen für Nahrung und Auskommen der Kinder und ihrer Familien. Durch die Unterstützung unserer Tiergesundheitshelfer im Umgang mit trächtigen Tieren hat sich die Anzahl der Ziegen und Schafe seit der Aktion vergrößert.

Einigen der Jungen eröffnet unsere Initiative nun verschiedene Zukunftsperspektiven. Durch den Verkauf von Ziegen könnte die Finanzierung einer Schulausbildung greifbar werden. Auch die Gründung eines Geschäfts oder sogar der Kauf einer Kuh sind weitere Optionen für eine Verbesserungen und Entwicklung der Jungen. Bereits heute können sie hin und wieder eine Ziege verkaufen, wenn Bedarf an Getreide oder medizinischer Versorgung in der Familie besteht.

Ein Umdenken hat stattgefunden

Nicht mehr Waffen, sondern Ziegen schützen jetzt die Familien vor Hunger, Krankheit und Perspektivlosigkeit. Das Verständnis, dass es ohne Waffengewalt möglich ist, der Familie ein wirtschaftliches Auskommen zu sichern, ist als erfolgreicher Lernprozess zu verbuchen. Als Viehhirten haben die Jungen nach wie vor einen respektierten Platz in der Gemeinschaft und Gesellschaft. Sie können es sich leisten, zur Schule zu gehen und blicken hoffnungsvoller in die Zukunft.

Spenden Sie, damit wir weiterhin die Friedenssicherung im Südsudan unterstützen können! Jeder Beitrag hilft!