Wiederbelebung einer Oase: Loiyangalani im Norden Kenias

Lorenzo Vallerini ist Architekt und Forscher am Institut für Städebau und Regionalplanung der Universität Florenz in Italien. Zusammen mit vier Kollegen war er am 31. Mai 2016 Passagier der MAF6 und flog so von Nairobi nach Loiyanagalani, einer abgelegenen Gemeinde in Nordkenia. Die Mission Aviation Fellowship (MAF) sind kirchliche Freiwillige, die häufig unsere Mitarbeiter fliegen. Das Team reiste in diese Region, um in Zusammenarbeit mit Tierärzte ohne Grenzen Deutschland und der Water Right Foundation an einem Projekt zu arbeiten, dessen Ziel es ist den Zugang zu und die Nutzung von Wasser für die Menschen und Tiere dort in allen Lebensbereichen zu verbessern.

Die Stadt Loiyangalani ist an der östlichen Küste des Turkanasees gelegen und wurde ursprünglich um eine Wasserquelle herum gebaut, als Oase in der Wüste. “Die Gemeindeältesten in Loiyangalani können sich noch erinnern, dass die Region vor vielen Jahren von einer großen Pflanzenwelt bedeckt war. Der Name “Loiyangalani” bedeutet sogar Platz der Bäume, erklärt Lorenzo. Jedoch sieht das jetzt sehr anders aus. “Loyangalani ist ein Landstrich mit sogenannten sterilen Böden(vegetationsfeindliche Ödländer), großer Hitze und starken Winden,’ fährt Lorenzo fort. “Das Wasser des Turkanasees kann nicht zu Bewässerung genutzt werden, wegen der hohen Alkalinität des Wassers (Säurebindungsvermögen). Ebenso verstärkt die lokale Tradition der Beweidung durch viele Ziegen und die kontinuierliche Abholzung der Vegetation zur Nutztierernährung, die Wüstenbildung (Desertifikation).”

Lorenzo wurde sich dieser Schwierigkeiten zuerst bewusst, als er vor zehn Jahren Urlaub in Kenia machte. “Wir waren auf einer Wanderung, aber ich musste diese abbrechen, weil ich schlimme Blasen an den Füßen hatte,” erzählt er. “Während die restliche Gruppe weiterlief, wurde ich nach Loiyangalani gebracht, wo ich auf eine Gruppe von Franzosen traf, die an einem Umweltprojekt arbeiteten. Sie zeigten mir eine Baumschule, die sie gepflanzt hatten, aber das Projekt war sehr schlecht geplant und umgesetzt. Ich konnte erkennen, dass das gesamte Ökosystem neu strukturiert werden musste.” Er realisierte, dass dies eine Tätigkeit war, zu der er einen sinnvollen Beitrag leisten konnte. Daher stellte Lorenzo in Florenz eine Expertengruppe an der Universität zusammen und gemeinsam führten sie eine Machbarkeitsstudie durch. Die interdisziplinäre Gruppe - bestehend aus Chemikern, Geologen und Bodenkundler - arbeitete zusammen, um ein Programm zu entwickeln, dessen Ziel es war, die Bewässerung allgemein zu verbessern und die Oase ‘wiederherzustellen’. Da ihre Initialstudie erfolgreich genug für eine Finanzierung durch die Europäische Union war, waren sie imstande die Implementierung ihres Projekts zu beginnen.

Zu den ersten Entwicklungsstufen dieser Arbeit gehörte viel Forschung, wie das Sammeln von Boden-, Wasser- und Vegetationsdaten in der Region und detaillierten Untersuchungen zu der Region und der Geologie. Erheblicher Aufwand wurde auch betrieben, um die Menschen lokal zu involvieren, damit sie die Absicht des Projekts verstehen und motiviert sind, sich einzubringen. Loiyangalani ist die Heimat von einigen, verschiedenen ethnischen Gruppen, einschließlich der El-Molo, Turkana, Rendille, Samburu, Gabbra, Watta und Daasanach. Diese Menschen durch ein gemeinsames Ziel zusammenzubringen ist ein wichtiges Bestreben. Allerdings muss dies auch mit viel Empathie gehandhabt werden.

Eines der vielen Ziele des Projekts, ist die Förderung von Obstanabau, wie zum Beispiel von Dattelpalmen. Momentan ist die lokale Ernährung noch sehr einseitig und besteht hauptsächlich aus der Milch der Nutztiere und Fisch aus dem See. Das Einführen verschiedener Vegetationsarten hat einen doppelten Nutzen: Einerseits wird so die Nahrungsmittelproduktivität und der allgemeine Nährwert der lokalen Bevölkerung verbessert. Andererseits wird damit auch das Ökosystem gestärkt.
Die Beteiligung von Tierärzte ohne Grenzen in dem Projekt basiert auf unserer Selbstverpflichtung, die Dürreresilienz in Gemeinden wie Loiyangalani zu verbessern. Tierärzte ohne Grenzen arbeitet an mehr als 200 Projekten in 36 Ländern weltweit. Als Organisation verstehen wir, dass die Lebensgrundlage vieler Menschen, einschließlich der Bewohner von Loiyangalani und der Umgebung, teilweise oder vollkommen abhängig von der Nutztierhaltung sind. Durch die Veränderung von Umwelt und Wettermustern können die Nahrungsproduktion und Einnahmen dieser Gemeinden auf drastische Art und Weise beeinträchtigt werden. Deshalb unterstützt Tierärzte ohne Grenzen Pastoralisten in ihren Bemühungen agrarökonomische Produktionsmodelle, gesunde und nachhaltige Beziehungen zwischen Menschen, Tieren und der Umwelt zu entwickeln.

Die Water Right Foundation ist eine Non-Profit-Organisation aus Italien, die sich weltweit für das Recht auf Wasser einsetzt, sowohl durch Forschung und Technologie, als auch durch Bildung und Training. Die Organisation ist in die technischen Aspekte des Projekts involviert, wie der Mitarbeiterverwaltung, dem Infrastrukturaufbau und dem Bereitstellen technischer Expertise.

Loiyangalani ist kein regulärer Stop der MAF Kenia und auch keine einfache Landebahn aufgrund der stark vorherrschenden Winde. Es ist ein Privileg Lorenzo und sein Team auf ihrer Reise hierher zu unterstützen, da sie hart daran arbeiten das Leben von sehr abgeschieden lebenden Menschenin Kenia zu verbessern.