Land für Pastoralisten: langsames Umdenken in Sicht

Der Hauptadaptionsmechanismus für pastorale Gesellschaften ist ihre Mobilität. Diese wurde in vielen Teilen der Welt in den letzten Jahren zunehmend eingeschränkt. Zunehmend geht vielen Nomaden Land verloren. Grund dafür sind unter anderem Landverkäufe, sich ausweitende Städte, der Bau von Straßen, die Errichtung von Nationalparks oder die Landwirtschaft.

© Christoph Gödan

Pastoralisten wurden lange beschuldigt, ökonomisch ineffizient und umweltzerstörerisch zu handeln. Diese Grundsichtweise und politische Marginalisierung vieler Pastoralisten haben mit dazu geführt, dass Landverkäufe ohne Rücksicht auf ihre bisherigen Nutzer stattfinden konnten. Doch glücklicherweise hat seit einigen Jahren ein Umdenken bei den großen internationalen Institutionen und Politikern eingesetzt. Zahlreiche Studien belegen, dass Pastoralismus eine der nachhaltigsten Landnutzungsmöglichkeiten dieses Planeten ist und Wanderviehhirten zudem maßgeblich zum Erhalt der Biodiversität beitragen.

Die Vereinten Nationen (UN), vormals großer Kritiker, verabschiedete dieses Jahr eine Resolution mit dem Titel "Bekämpfung der Desertifikation, Bodendegradation und Dürre und Förderung eines nachhaltigen Pastoralismus und intakter Grasländer".

Die Welternährungsorganisation (FAO) veröffentlichte in Zusammenarbeit mit der International Union for the Conservation of Nature/Weltnaturschutzunion (IUCN) dieses Jahr einen Leitfaden zur Verbesserung der Landregierungsführung in pastoralen Ländern.

Tierärzte ohne Grenzen e.V. begrüßt diese Entwicklung und wird sich gemeinsam mit anderen Organisationen für ein UN-"Jahr des Pastoralismus" 2021 einsetzen, um eine noch breitere Öffentlichkeit für dieses Thema zu sensibilisieren.

Einen Artikel von Tierärzte ohne Grenzen zu der Thematik von Landnutzung in der Rural 21 finden sie hier.