Südsudan

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Der Südsudan steht weiterhin unter dem Eindruck von Konflikten und Gewalt. Obwohl der kürzlich wiederbelebte Friedensprozess neue Hoffnungen verspricht, haben die kumulativen Auswirkungen jahrelanger Konflikte, Gewalt und zerstörter Existenzgrundlagen mehr als 7 Millionen Menschen (etwa zwei Drittel der Bevölkerung) zurückgelassen, die dringend humanitäre Hilfe und Schutz benötigen. Obwohl die Lage nicht mehr so schnell eskaliert, befindet sich das Land nach wie vor in einer schweren humanitären Krise.

Die Sicherheitslage ist nach wie vor instabil, und mehr als sechs Millionen Menschen leiden unter schwerer Nahrungsmittelknappheit. Diese vom Menschen verursachte Krise hat weitreichende Folgen auch für die Nachbarländer, in denen 2,2 Millionen Südsudanesen Zuflucht gesucht haben. Dies betrifft vor allem Uganda, Kenia und Äthiopien. Das Arbeitsumfeld ist feindselig. Seit dem Ausbruch der Gewalt in Juba 2013 wurden 113 Todesfälle unter den Mitarbeitenden humanitärer Hilfsorganisationen gezählt.

Im Jahr 2018 erholte sich TOGEV von den Unterbrechungen in der Projektumsetzung, die durch die Konflikte verursacht wurden. Es gelang, die Projektaktivitäten der humanitären Hilfe hinsichtlich der sich abzeichnenden humanitären Krisen in den ehemaligen Bundesstaaten des Greater Upper Nile (Jonglei, Upper Nile und Unity) schrittweise wieder auszubauen. Längerfristige Entwicklungsprogramme wurden in der Region Greater Bahr el Ghazal (ehemals die Bundesstaaten Lakes, Warrap und Western Bahr el Ghazal) für 1.354.145 Menschen fortgesetzt, die durch bargeldbasierte Programme, Schulspeisungsprogramme, Tiergesundheitsdienstleistungen und verbesserte landwirtschaftliche Produktionstechniken in ihrem Zugang zu Lebensmitteln unterstützt werden. Die Hilfe umfasste auch sozioökonomische Wiedereingliederungsmaßnahmen für demobilisierte ehemalige Kindersoldaten im Bundesstaat Boma, ehemals Pibor County.

2018: auf einen Blick

23
Durchgeführte Projekte
1,3 Mio.
Erreichte Hilfsbedürftige
1,1 Mio.
Behandelte/geimpfte Tiere
376
Ausgebildete Tiergesundheitshelfer

Sozioökonomische Reintegration von Kindern, die früher Streitkräften und bewaffneten Gruppen angehörten

Die lang andauernden Bürgerkriege haben zu einer massiven Rekrutierung von Kindern in die Reihen der Streitkräfte und bewaffneten Gruppen in den Konfliktgebieten des Südsudans geführt. In der Region Pibor allein wurden im Nachgang der Auseinandersetzungen 3000 Kinder durch UNICEF und seine Partner entwaffnet, demobilisiert und für Wiedereingliederungsmaßnahmen registriert . Von 2015 bis 2018 kümmerte sich auch TOGEV um die Freilassung von Kindern aus einem Übergangslager, in das Kinder aufgenommen werden, bevor ihre Eltern ausfindig gemacht werden und unterstützte die sozioökonomische Wiedereingliederung von insgesamt 1524 Kindern, die von Streitkräften und bewaffneten Gruppen rekrutiert worden waren. Darüber hinaus bezog TOGEV weitere 1457 bedürftige Kinder aus der Gemeinde in Interventionen mit ein, um einer Benachteiligung der übrigen Bevölkerung entgegenzuwirken und so auch den Pariser Prinzipien der Reintegration von Kindersoldaten gerecht zu werden.

Jedes Kind erhielt zwei gesunde weibliche Ziegen oder Schafe im reproduktiven Alter, sowie eine Schulung in Tierhaltung und Tiergesundheit sowie den Kontakt zu dem in der Gemeinde zuständigen Tiergesundheitshelfer.  Weitere 700 Kinder erhielten je zwei Hühner und einen Hahn, Materialien für den Bau eines Hühnerstalls sowie eine Schulung in Geflügelhaltung und -gesundheit. Tier ihr Eigentum zu nennen, ist sehr wichtig für die Kinder; es macht sie selbstbewusster und steigert ihr Ansehen in den Gemeinden. Dieses Wiedereingliederungsprogramm ist ein gutes Beispiel dafür, wie kulturell sensibel wirtschaftliche Unterstützungsleistungen sein können. Es hat den Kindern Hoffnung auf eine bessere Zukunft als Viehhaltende gegeben. Gerade, wenn man bedenkt, dass der Traum eines jeden Hirten und jeder Hirtin ist, eigene Tiere zu besitzen.

Landesdirektor Südsudan

Silvester ist ein kenianischer Tierarzt mit mehr als 20 Jahren Erfahrung in Projektmanagement und Evaluierung sowie als Trainingsleiter. Im Südsudan ist er für sein umfassendes Wissen über die Geschichte und die Nutztierhaltung bekannt. Er hat einen Bachelor in Veterinärmedizin und eine postgraduale Berufsausbildung in den Bereichen Gemeindeentwicklung, Gleichstellung der Geschlechter und Entwicklungs- und Finanzmanagement absolviert. Sein Spezialgebiet ist die Sozialforschung, die er in die Programmgestaltung und -evaluierung einbringt.

Kontakt:  silvester.okoth(at)vsfg.org