Tierärzte ohne Grenzen im Aufwind / Jahresbericht 2012: Einnahmen & Projektanzahl liegen auf Höchststand

Tierärzte ohne Grenzen konnte 2012 mehr Projekte denn je verwirklichen. Möglich wurde dies durch Zuwendungen und Spenden in der Rekordhöhe von über 7,4 Millionen Euro. Die Organisation führte 2012 insgesamt 36 Projekte in den Ländern Kenia, Somalia, Äthiopien, Sudan und Südsudan durch.

36 durchgeführte Projekte in den Ländern Kenia, Somalia, Äthiopien, Sudan und Südsudan.

 „Tierärzte ohne Grenzen ist auf Wachstumskurs“, sagt Geschäftsführer Wilhelm Dühnen. Seit mehr als 20 Jahren engagiert sich die Organisation in der Entwicklungszusammenarbeit in Ostafrika. „Das uns private Spender und institutionelle Geldgeber jedes Jahr stärker unterstützen zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, so Dühnen.

Viele Projekte standen vergangenes Jahr im Zeichen der Auswirkungen der großen Dürre von 2011, als Ostafrika die schlimmste Trockenzeit seit mehr als einem halben Jahrhundert erlebte. Schnelle Hilfe leistete Tierärzte ohne Grenzen beispielsweise mit seinem RAPID-Programm im Norden Kenias. Ziel des Projektes war es, die Viehherden der betroffenen Menschen zu sichern und damit ihre Lebensgrundlage zu erhalten. Tierärzte ohne Grenzen 2012 mehrere zehntausend Schafe, Ziegen und Rinder und verbesserte die örtliche Wasserversorgung mit dem Bau von Brunnen und Tränken. Tausenden Haushalten konnte mit diesen Maßnahmen über die Zeit der Dürre hinweggeholfen werden. In Anschluss-Projekten steht nun die Dürrevorsorge an erster Stelle. „Nach der Dürre ist vor der Dürre“, erläutert Wilhelm Dühnen. Extreme Trockenzeiten sind ein wiederkehrendes und zunehmendes Problem, denn besonders die Trockengebiete sind vom Klimawandel betroffen. Die Lösung könne nur in vorsorgenden Aktivitäten liegen, statt erst nach Einsetzen der Dürre mit Hilfsprojekten zu reagieren. „Mit unserer Arbeit In Nordkenia und Äthiopien zeigen wir, wie dies erfolgreich umgesetzt werden kann“, so Dühnen.

Im Südsudan realisierte Tierärzte ohne Grenzen seit 2010 nach über 20 Jahren Bürgerkrieg das PARIS-Projekt zur Ernährungssicherung. Die Aktivitäten gingen weit über die üblichen Maßnahmen zur Tiergesundheit und Nahrungssicherung hinaus. Gute Regierungsführung auf kommunaler Ebene, zivile Konfliktbearbeitung, Kleinstkredite, Förderung der Selbständigkeit der Projektpartner als Beitrag zur Stärkung der Zivilgesellschaft – dies alles steckt in der ganzheitlichen Herangehensweise. Der Erfolg 2012: Dank dieser Maßnahmen konnten die Lebensbedingungen sowohl der Menschen vor Ort als auch der Bürgerkriegs-Rückkehrer entscheidend verbessert werden. Und: Auftretende Konflikte wurden nicht mehr gewaltsam ausgetragen, sondern konnten friedlich gelöst werden.

Trotz aller Erfolge: Die Herausforderungen nehmen eher zu als ab. So hat sich zum Beispiel die Pest der kleinen Wiederkäuer in den letzten Jahren im Afrika südlich der Sahara stark ausgebreitet. Die Infektionskrankheit befällt Ziegen und Schafe, verläuft häufig tödlich und ist für viele ärmere Viehhalter eine Bedrohung ihrer Lebensgrundlage. Die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE), Die Welternährungsorganisation (FAO) und weitere internationale Organisationen haben sich nun die Ausrottung der Krankheit zum Ziel gesetzt. Als Grundlage dienen die Erfahrungen aus der Bekämpfung der Rinderpest, die seit 2011 als getilgt gilt. Tierärzte ohne Grenzen ist an der Pilotphase in Äthiopien beteiligt. „Wir arbeiten seit drei Jahren in der äthiopischen Afar Region in der Tierseuchenbekämpfung. Die Beteiligung an einem so wichtigen Vorhaben ist eine Anerkennung unserer Arbeit“, freut sich Dr. Mario Younan, der für Tierärzte ohne Grenzen zusammen mit der FAO die Projektvorbereitungen leitet.