Südsudan

Am 9. Juli 2011 hat der Südsudan seine Unabhängigkeit vom Sudan ausgerufen und wurde somit zu einem Nachbarstaat Sudans. Allerdings blieben wichtige Fragen hinsichtlich des genauen Grenzverlaufs oder der Nutzung der Ölressourcen ungeklärt.

Die Bevölkerung bekam zu spüren, dass die Regierung ohne diese Öleinnahmen wenig handlungsfähig war und somit ein großer Teil der Bevölkerung von internationaler Nahrungsmittelhilfe abhängig ist. Entscheidende Fortschritte bei der Bereitstellung staatlicher Dienste der Daseinsfürsorge wie Gesundheit, Bildung, Trinkwasserversorgung blieben vorerst aus. Hinzu kommt, dass weiterhin Rückkehrer, v.a. aus dem Sudan, in den Südsudan übersiedeln, und darüber hinaus neue Flüchtlinge aus Grenzkriegen mit dem Sudan (Blauer Nil, Südkordofan) nach Südsudan strömen. Das erschwert die Etablierung neuer wirtschaftlicher Aktivitäten der ansässigen Bevölkerung nach vielen Jahren des Krieges.

Im Jahr 2012 kam es zu einer Auseinandersetzung im Bundesstaat Jonglei mit vielen Tausend Toten. Immer wieder kommt es gerade in dieser Region zu Konflikten, von denen auch Hilfsorganisationen teilweise betroffen sind, so dass die Versorgung gerade während der Hochwasser- und Überflutungsmonate fast unmöglich wird. Der 2013 wieder ausgebrochene Bürgerkrieg im Südsudan führte von akuter Nahrungsunterversorgung erst zu einer Krisen-, dann zu einer Notlage in nahezu 90 Prozent des Landes. Eine unmittelbar bevorstehende Hungerkatastrophe in einer der am stärksten betroffenen Regionen im Bundesstaat Unity muss verhindert werden. Knapp 250.000 Kinder im Südsudan sind von schwerer Unterernährung bedroht.

2015 war ein Friedensvertrag zwischen beiden Hauptkonfliktparteien des jahrelangen südsudanesischen Bürgerkrieges erzielt worden. Jedoch kam es am 8. Juli 2016 wieder zu schweren, dreitägigen Kampfhandlungen in der Hauptstadt Juba. Positiv ist, dass der daraufhin verkündete Waffenstillstand seither eingehalten wird. Auch andere Landesteile (Western Equatoria, Pibor, Upper Nile und Bahr El Gazal) sind seit Anfang 2016 wieder von bewaffneten Kriegshandlungen zwischen der südsudanesischen Armee und Armeen verschiedener Volksgruppen betroffen. (s. Auswärtiges Amt)

Vor diesen Kampfhandlungen wurde der Südsudan für das Jahr 2015 von den Vereinten Nationen hinsichtlich seiner Entwicklung wie folgt eingeschätzt: Im Human Development Index Rating nimmt Südsudan von 188 registrierten Ländern, den 169. Platz ein. Dieser wird nach dem Bruttosozialprodukt, der Lebenserwartung und der Anzahl an durchschnittlichen Schuljahren berechnet.

Tierärzte ohne Grenzen hat sein Engagement in der sich entwickelnden humanitären Krise in der Region der Nilstaaten (Greater Upper Nile = GUN: Jonglei, Upper Nile und Unity States) weitergeführt und ausgebaut. Langzeitentwicklungsprogramme wurden in der Großregion Bahr el Ghazal (Lakes, Warrap und Western Bahr el Ghazal) fortgeführt. Das GUN-Hilfsprogramm konnte mit verschiedenen Interventionen wie in den Bereichen Nahrungsmittelhilfe, Tiergesundheit, Getreideanbau und Reintegration ehemaliger Kindersoldaten im Raum Pibor über 640.000 Personen erreichen.

Durch die gewaltsamen Auseinandersetzungen steht das Land nach wie vor vor riesigen Herausforderungen, die nun von nationaler Ebene auf lokale ethnische Konflikte heruntergebrochen wurden. Aufgrund der Sicherheitslage blieben die meisten Orte in Upper Nile für humanitäre Hilfe nur schwer erreichbar. Kosten und Komplexität der Operationen stiegen weiter an, begründet durch schwierige Umweltbedingungen, erschwerten Zugang sowie eine hohe Inflation, die Transportmittel und Versorgungskosten erheblich verteuerte.

Bei dieser Vielzahl interner und internationaler Probleme bleibt die Arbeit der Hilfsorganisationen dringend erforderlich. Tierärzte ohne Grenzen plant derzeit eine weitere Expansion der Einsätze, insbesondere in den GUN-Gebieten. Gemeinden sollen unterstützt und ihre Selbstversorgung wiederhergestellt werden. Dadurch soll die Abhängigkeit von Hilfsgeldern reduziert werden. Einblicke, Erfahrungen und Beispiele bilden nun die Grundlage für das Strategieprogramm 2016, insbesondere, was die Unterstützung beim Wiederaufbau und der Reintegration in den betroffenen Gemeinden angeht.