RRP

Wiederaufbau nach dem Bürgerkrieg im Südsudan

Hintergrund

Das RRP (Recovery and Rehabilitation Project) war ein ganzheitliches Projekt zum Wiederaufbau im Landkreis Gogrial East im Südsudan. Das Projekt umfasste Aktivitäten im Bereich Viehhaltung und Landwirtschaft, Aufbau der Verwaltung (Good Governance) sowie Maßnahmen in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Wasser und Hygiene. RRP endete nach vier Jahren am 31. Mai 2010 und wird durch das Projekt PARIS fortgesetzt.

Rückblick auf vier Jahre RRP

Mit der Zeichnung des Friedensabkommens im Jahr 2005 nach 20 Jahren Krieg sollte RRP den Grundstein für den Wiederaufbau und die Rehabilitation des Sudan legen. Tierärzte ohne Grenzen e.V. wählte einen partizipativen Ansatz: Sämtliche Aktivitäten wurden in enger Zusammenarbeit aller Beteiligten geplant und durchgeführt. Dazu gehörten die Menschen im Projektgebiet, die Behörden sowie lokale Nichtregierungsorganisationen. Dieser Ansatz wurde von allen Seiten immer wieder gelobt und hat entscheidend dazu beigetragen, dass die Beteiligten einen hohen Grad an Identifikation entwickelt haben, der bewirkt, dass sie das Erreichte schützen und weiterentwickeln.

Dass das RRP gut angenommen wurde, zeigte sich nicht zuletzt auch darin, dass die Menschen und die lokalen Behörden in Gogrial East insgesamt ca. ein Drittel der Baukosten für die neuen Gebäude selbst gedeckt haben, indem sie die benötigten Baumaterialien wie Holz, Ziegelsteine, Sand und Lehm zur Verfügung stellten.

Zusammenfassung der erreichten Ergebnisse

RRP hat die lokale Regierung enorm in ihren Fähigkeiten gestärkt, ihrer Verantwortung gegenüber der Bevölkerung nachzukommen. Die lokale Regierung wurde zum Beispiel dadurch unterstützt, dass Büroräume gebaut bzw. repariert und mit Computern ausgestattet wurden. Mitarbeiter der lokalen Regierung und dort ansässiger Nichtregierungsorganisationen absolvierten Trainings, um ihre neuen Rechner optimal nutzen zu können. Bürger und Behörden erstellten zusammen mit RRP-Mitarbeitern einen Entwicklungsplan für den Bezirk Gogrial East.

Die Ernährungssituation der Menschen wurde durch verschiedene Aktivitäten verbessert: Saatgut wie Hirse, Erdnüsse, Sesam und Okraschoten wurden eingeführt und Schulungsmaßnahmen für deren Anbau und Pflege angeboten. Zusammen mit einer lokalen Nichtregierungsorganisation wurden erste Schritte unternommen, Obst und Gemüse anzubauen und zu vermarkten. Durch die Einführung von Ochsenpflügen konnte die Menge der bearbeiteten Bodenfläche erheblich erhöht werden. Die Landwirte nahmen die neue Technik sehr gut an.

Weil in Gogrial East ein Großteil der Menschen von der Viehhaltung lebt, waren auch Tiergesundheitsmaßnahmen ein wichtiger Projektbestandteil. Es wurden Impfkampagnen durchgeführt, Behandlungen vorgenommen und erfolgreich erste Schritte zur Privatisierung der tiermedizinischen Versorgung unternommen. Die grundlegende Infrastruktur für die Vermarktung von Fleisch wurde geschaffen und die Fleischhygiene verbessert. Eselkarren wurden eingeführt, die zum Transport von Wasser und Waren benutzt werden. Straßen in der Region wurden ausgebessert.

Zugang zu sauberem Trinkwasser für Mensch und Tier wurde durch den Bau von Brunnen stark verbessert. Es wurden Latrinen gebaut und Aufklärungskampagnen über die Themen Hygiene und sanitäre Einrichtungen durchgeführt, besonders an Schulen.

Das Gesundheitssystem der Region wurde durch den Bau von Gesundheitszentren, durch Schulungsmaßnahmen für Gesundheitspersonal und Geburtshelferinnen sowie die Einführung eines mobilen Gesundheitspostens gefördert, sodass nun auch Patienten in abgelegenen Gegenden erreicht werden können. Zusätzlich wurden für die Bevölkerung Aufklärungsmaßnahmen angeboten, besonders zu den Themen HIV/AIDS und weiteren sexuell übertragbaren Krankheiten.

Neben dem Bau und der Ausstattung von Schulen trug auch die Unterstützung von so genannten Eltern-Lehrer-Gruppen dazu bei, mehr Schüler für den Schulbesuch zu gewinnen. Vor allem gab es einen Anstieg bei der Zahl der Mädchen, die die Grundschule besuchen. Auch an Erwachsenenbildung bestand ein großes Interesse, deshalb haben die Eltern-Lehrer-Gruppen Kurse für Erwachsene organisiert.

Rückmeldungen der Menschen

Die Menschen im Projektgebiet haben ihre Begeisterung und Dankbarkeit für das RRP-Projekt auf vielerlei Weise zum Ausdruck gebracht. Die Schönste ist wohl, dass das RRP, der traditionellen Kultur entsprechend, in Lobliedern besungen wird. Ein traditioneller Anführer der Dinka, des größten Volksstammes im Südsudan, verglich RRP mit einem Baum: „RRP ist wie ein großer Baum – er spendet Schatten, sodass sich die kleineren Bäume in seiner Nähe besser entwickeln können.“

Aus erster Hand

Dr. Elisabeth Hartwig hat als verantwortliche Projektmanagerin das RRP vier Jahre lang betreut. Rückblickend sagt sie: „Beeindruckt hat mich am meisten die Bereitwilligkeit der Menschen zu lernen, um das aufzuholen, was ihnen der Krieg verwehrt hat. Bei einem Besuch der Ferienklassen in der Grundschule von Yikador saß der Dorfpolizist inmitten einer Schar von Kindern und Jugendlichen und lernte lesen und schreiben. Mariak Agim, der bei Tierärzte ohne Grenzen e.V. für die Arzneimittelkühlschränke zuständig ist, nahm auch an einem Alphabetisierungskurs für Erwachsene teil – er wollte endlich den Beleg für den Erhalt seines Lohnes mit seinem Namen unterschreiben können.“

Fortsetzung der Bemühungen in Gogrial East County durch PARIS

Nachhaltige Entwicklung braucht Zeit. In der Umsetzungsdauer des RRP von vier Jahren konnten viele Ziele erreicht werden. In einem Folgeprojekt mit dem Namen PARIS soll das Erreichte erhalten und fortgeführt werden. Allerdings liegt der Projektschwerpunkt von PARIS nicht wie beim RRP auf Wiederaufbau, sondern auf langfristiger Ernährungssicherung. Das Konzept für PARIS wurde vom RRP-Team in enger Zusammenarbeit mit der Bezirksregierung und -verwaltung von Gogrial East County erarbeitet. Darin ist die Auswertung der Ergebnisse des RRP mit eingeflossen, Stärken und Schwächen wurden mit einbezogen, um positive Ergebnisse zu festigen und Fehler nicht zu wiederholen. Beispielsweise wurden Maßnahmen zur Friedensbildung zwischen verschiedenen Clans für das neue Projekt von Anfang an mit eingeplant, weil sie im RRP sehr erfolgreich waren und für die nachhaltige Umsetzung der Projektaktivitäten eine wichtige Rolle spielen.

Geng Chol, der im Regierungsbezirk Gogrial East für den Bereich Straßenbau zuständig ist und eng mit den Verantwortlichen des RRP-Projekts zusammengearbeitet hat, fasst den Übergang vom RRP zum PARIS-Projekt so zusammen: „RRP hat bereits die Straße geebnet; jetzt sollte PARIS in der Lage sein, sich noch schneller zu bewegen.“