Sudan

Auch nach der Teilung des Landes im Jahr 2010 in den unabhängigen Süden (Republik Südsudan) und in den Norden (Republik Sudan) ist die Region nicht zur Ruhe gekommen. Die noch ungelösten Fragen zwischen den beiden Staaten stellen für die betroffene Bevölkerung und die Projektarbeit von Tierärzte ohne Grenzen besondere Herausforderungen dar.

Im April 2012 kam es sogar zu bewaffneten Auseinandersetzungen über die an der Grenze zwischen den beiden Ländern gelegenen Ölförderanlagen. Auch der ungeklärte Status der Region Abyei macht es für Bewohner und Anrainer schwer, einen geregelten Lebensunterhalt zu organisieren. Erst nach der Einrichtung einer weiteren UN-Friedensmission mit etwa 4.000 Soldatinnen und Soldaten konnte hier eine gewisse Beruhigung der Lage erreicht werden. Bei diesen Auseinandersetzungen und weiteren Unruhen in den Nuba-Bergen und dem Bundesstaat Blauer Nil wurden insgesamt 211.000 Menschen vertrieben, viele davon flohen in den Südsudan.

Die politische Situation im Sudan ist derzeit weiterhin gezeichnet von einer permanenten Unsicherheit: Fundamentalistische Islamisten in terroristischen Vereinigungen bedrohen die allgemeine Sicherheit im Land und die Piraterie die Sicherheit, den Handel und die Zulieferung von wichtigen Gütern.  Zudem stagniert die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung im Sudan. Weite Teile der Bevölkerung leben im ländlichen Raum mit schlechter Infrastruktur (schlechte Straßen, zu wenige Schulen und Krankenhäuser bzw. Gesundheitsstationen und Veterinärstellen) sowie mangelhaften Ernährungs- und Einkommensmöglichkeiten. Außerdem leiden viele Menschen unter Preissteigerungen, Unterversorgung und Wasser- und Stromausfällen. (s. Auswärtiges Amt)

Im Human Development Index Rating der Vereinten Nationen nimmt Sudan von 188 registrierten
Ländern, den 167. Platz ein. Dieser wird nach dem Bruttosozialprodukt, der Lebenserwartung und der Anzahl an durchschnittlichen Schuljahren berechnet.

Mit Maßnahmen besonders in der Viehhaltung setzen die Projekte von Tierärzte ohne Grenzen e.V. bei diesen Problemen an.

Im Sudan machen Tierprodukte 21 Prozent der nationalen Exporte und über 28 Prozent der gesamten Landwirtschaftsexporte aus. Doch die Entwicklung des Sektors wird durch die Konflikte um natürliche Ressourcen wie Land und Wasser zwischen Pastoralisten und Bauern stark beeinträchtigt. Zugang zu qualitativ hochwertiger Versorgung und Technologie ist rar. Regelmäßig kommt es zudem zu Konflikten mit Menschen, die sich entlang pastoraler Migrationswege niederlassen.

Gemeinsam mit anderen Akteuren und mit der Unterstützung der Geldgeber im Nutztiersektor hat Tierärzte ohne Grenzen mehrere Projekte für pastorale Gemeinschaften gestartet. Tiergesundheit, Viehhandel und Agrarprodukte, Fischerei, Ausbildungsmaßnahmen und Friedensbildung sind einige der Hauptanliegen.

Die Programme kommen bedürftigen Familien von Rückkehrern, von Viehzucht lebenden sesshaften Pastoralistengemeinschaften und unter Naturkatastrophen und Konflikten leidenden Nomaden zu Gute. Tierärzte ohne Grenzen ist eine von wenigen Nichtregierungsorganisationen im Land, die hauptsächlich Interventionen in den Bereichen Viehzucht und Tiergesundheit durchführen.

Im Detail verfolgte Tierärzte ohne Grenzen in der letzten Zeit, die folgenden Ziele im Sudan:

•    Ausbau von Produktionskapazitäten sowie Ausweitung von Berufsaussichten und Einkommensgenerierung bei Pastoralisten und Agropastoralisten
•    Unterstützung von bedürftigen, von Krisen betroffenen Gemeinschaften durch Förderung von Einkommensdiversifizierung, Grundlagenvermittlung, Weiterbildung und Schutz des Nutztierbestandes
•    Stärkung von Frauen durch Einkommen generierende Maßnahmen
•    Ausbau von Vorsorge- und Schutzmaßnahmen von Kommunen und Institutionen gegen die Ausbeutung natürlicher Ressourcen