Somalia

Somalia ist in weiten Teilen des Landes von vielen Krisen gebeutelt: Die Piraterie an der Küste, sowie terroristische und kriminelle Strömungen bedrohen die allgemeine Sicherheit. (s. Auswärtiges Amt) Aufgrund des nun fast 25 Jahre andauernden Bürgerkrieges gilt das Land am Horn von Afrika häufig als „Staat ohne Regierung“.

Der anhaltende Konflikt und die instabile Lage haben Somalia geprägt. Langwierige Krisen haben enormen Schaden an den Lebensgrundlagen der Bevölkerung und den sozioökonomischen Strukturen hinterlassen. Die Versorgung mit sozialen Diensten wie Gesundheitswesen, Bildung, Wasser, sanitären Anlagen, Essen und Ernährung hat sich beträchtlich verschlechtert und dazu geführt, dass Somalia den niedrigsten Entwicklungsstand in Afrika hat.

Dennoch wendet sich momentan das Blatt in Somalia: Politische und sicherheitsrelevante Entwicklungen sowie das Engagement der internationalen Gemeinschaft für eine nachhaltige Lösung der Krise im Land haben positive Auswirkungen. Somalia ist nach dem politischen Wechsel im Jahr 2012 in eine neue Phase von Friedensbildung, Stabilität und Erholung eingetreten. Somaliland, das ehemalige Britisch-Somalia, hat sich bereits 1991 für unabhängig erklärt und seither die Stabilität auf seinem Gebiet weitgehend gewahrt. 2005 gab es im dortigen, auf drei Parteien beschränkten System zum dritten Mal seit der Unabhängigkeit Wahlen, auf deren Grundlage sich die aktuelle Regierung gebildet hat. Ein weiteres positives Beispiel ist Puntland, wo in vielen Gebieten ebenfalls eine relative Stabilität vorherrscht.

Doch die Situation bleibt extrem fragil. Massive Zuströme von Binnenvertriebenen und rückkehrenden Flüchtlingen, vor allem aus Kenia, Äthiopien und neuerdings dem Jemen, verschlechtern die Situation in städtischen und ländlichen Gebieten, wo die Ressourcen bereits knapp sind und die positive Entwicklung von wiederkehrenden, negativen, natürlichen und politischen Turbulenzen untergraben wird. Eine Notfallintervention folgt der nächsten, während Rehabilitation und Entwicklungsarbeit nur schwer Wirkung erzielen, da die starke Bürokratie Vorgänge hinauszögert und dadurch in der angespannten Lage nicht effektiv genug ist.

Tierärzte ohne Grenzen ist in Somaliland, Puntland und in Galmudug in der Zentralregion Somalias aktiv. Somalia exportiert jährlich etwa drei Millionen Schafe und Ziegen in benachbarte Regionen auf der arabischen Halbinsel, nach Saudi-Arabien, Jemen und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Diese Tiere werden von Pastoralisten ganz Somalias geliefert, deren Lebensweise seit Jahrtausenden perfekt an die natürliche Umgebung angepasst ist und dadurch eine erstaunliche Produktivität in der Viehhaltung ermöglicht.

In den südlichen Teilen Somalias ist die Arbeit von Hilfsorganisationen aufgrund anhaltenden politischen Spannungen weiterhin schwierig. Die Erfolge der Truppen der Afrikanischen Union und der somalischen Sicherheitskräfte im Kampf gegen die islamistische Al-Shabaab-Miliz haben daran im Wesentlichen nichts geändert.

Mit Unterstützung von der EU und Bundesregierung arbeitet Tierärzte ohne Grenzen daran, Geschlechtergleichstellung und Frauenrechte voranzutreiben für eine integrative, transparente und verantwortungsvolle Gesellschaft. Im Jahr 2015 hat Tierärzte ohne Grenzen die zweite Phase des „Promotion of gender equality and women’s empowerment project“ in der Stadt Galkaayo implementiert. Ziel des Projekts ist die wirtschaftliche Stärkung der Opfer von Gewalt gegen Frauen mittels Mikrofinanzierung gruppenbasierter und einkommensgenerierender Aktivitäten. Die Ungleichbehandlung von Frauen und Männern erschwerte Frauen den Zugang zu Ressourcen und Einkommensmöglichkeiten und schwächte so beständig ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber den Auswirkungen von Armut. Tierärzte ohne Grenzen arbeitet mit Frauen, die Gewalttaten überlebt haben und in kleinen Unternehmen aktiv sind, um deren Geschäftsfertigkeiten durch Training auszubauen. Tierärzte ohne Grenzen hat auch ein FAO finanziertes CFW-Projekt implementiert, um Binnenvertriebenen in Galkaayo einen Zugang zu Essen durch Bargeld zu ermöglichen und durch anhaltende Dürreperioden hervorgerufene negative Effekte und Hunger zu überwinden.