DMI

Der Dürre begegnen

Hintergrund

Die Regionen Turkana und Pokot sind die ärmsten Gegenden in Kenia. 96% der Menschen dort leben unterhalb der absoluten Armutsgrenze. Faktoren, die die Entwicklung in diesem Gebiet am meisten einschränken, sind Dürreperioden, sehr starkes Bevölkerungswachstum und anhaltende Konflikte zwischen verfeindeten Volksgruppen, die häufig aufgrund knapper Ressourcen wie Wasser und Weideland entstehen.

Ziel unserer Arbeit

In unserem Projekt werden präventive Maßnahmen vor Einsetzen einer Dürre in den betroffenen Gebieten eingeführt. Die Menschen erlernen Fähigkeiten, um vor und während einer Dürreperiode angemessen, effektiv und zeitnah zu reagieren. Dabei wird Dürre nicht als unvorhersehbares Unglück angesehen, sondern als wiederkehrendes Naturereignis mit Auswirkungen auf das Leben der dort ansässigen Bevölkerung.

Aktivitäten und Ergebnisse


Unsere Aktivitäten sind sehr vielfältig. Sie sprechen unterschiedliche Bevölkerungsgruppen an. Eines der Hauptprobleme ist das knappe Weideland. Mittels mündlicher und schriftlicher Vereinbarungen, bei deren Verhandlung Tierärzte ohne Grenzen maßgeblich beteiligt ist, ist es möglich, dass verfeindete Volksgruppen das wenige Weideland gemeinsam nutzen. Damit die lokalen Tiergesundheitshelfer zur Ausübung ihres Berufes auch die dringend notwendigen Arzneimittel zur Verfügung haben, hat Tierärzte ohne Grenzen den Kontakt mit  einer Firma für Veterinärbedarf hergestellt. In Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium wurden Broschüren an Schulkinder verteilt, die den Kindern die Folgen des Klimawandels für ihren Lebensraum und angemessene Reaktionsweisen darauf vermitteln. Die Pflanze Prosopis juliflora wurde einst als Bodenbefestiger in afrikanische Trockengebiete importiert, hat sich dann aber sehr stark ausgebreitet und ist mittlerweile ein unerwünschter Bewuchs, der von Tieren vermieden wird. Der baumartige Busch muss bekämpft werden, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Neu gegründete Gruppen entfernen die Pflanze und verwerten das Gehölz. Wie in den Jahren zuvor, machen wir Gebrauch von Radiosendungen, die durch das Projekt finanziert werden. Viele Menschen in unserer Projektregion haben in 2010 solarbetriebene Radios erhalten. Neben Informationen über Tiergesundheit und Viehpreise werden auch Verbraucherinformationen gesendet, um die Position des Verbrauchers zu stärken.

Erfolge

Das DMI-Projekt wird bereits seit 2008 implementiert und befindet sich mittlerweile in seiner finalen Phase. Seit Projektbeginn ist viel erreicht worden. Die Menschen haben gelernt, Land auf die bestmögliche Art zu nutzen und Ressourcenplanung zu betreiben. Durch effizientere Beweidung gibt es jetzt durchgängig Weidegrund für die Tiere. Durch die Gründung von dörflichen Spargruppen ist es den Menschen heute möglich, etwas Geld für schlechte Zeiten zurückzulegen. Weil die Spargruppen auch Kleinkredite vergeben, konnten viele Menschen sich neben der Viehhaltung ein weiteres Standbein aufbauen: Korbflechten, Nähen, Bienenzucht, Verkauf von Waren wie Salz, Zucker oder Seife sind nur einige der Aktivitäten, mit denen die Menschen sich ein wenig Geld dazuverdienen. Aufklärungsarbeit war ebenfalls ein wichtiger Projektinhalt: Traditionell ist eine große Herde in dieser Region ein Statussymbol. Ein Mann mit einer großen Herde gilt als wohlhabend und genießt großen Respekt in der Gemeinschaft. Während einer Dürreperiode sind jedoch die Verluste groß, oftmals sind Armut und Hunger die Folgen. Um dies zu vermeiden, wurde den Menschen vermittelt, dass es sinnvoll ist, bei Anzeichen einer Dürre die Herdengröße zu verringern, indem man einen Teil der Tiere verkauft.