Kenia

Kenia ist aufgrund seiner schönen Strände und dem hohen Wildtiervorkommen ein beliebtes Reiseziel vieler Touristen. Das beliebte Urlaubsland Kenia ist allerding in einigen Teilen stark vom Klimawandel betroffen. Diese Auswirkungen sind vor allem für die Menschen spürbar, die in den trockenen Regionen des Landes leben.

Die kenianischen Trockengebiete (auch ASAL genannt - engl. arid and semi-arid lands) machen über 80 Prozent der Landfläche aus. Sie liegen überwiegend im Norden des Landes und sind die Heimat von ca. 4 Mio. Pastoralisten, die zusammen über 10 Prozent der kenianischen Bevölkerung ausmachen. Die ASAL-Gebiete sind geprägt von den negativen Folgen eines sich ändernden Klimas, Umweltzerstörung, extremer Armut, institutionellen Schwächen, limitierter Infrastruktur und schlechter Versorgung mit öffentlichen Diensten wie Bildung und Gesundheit. Da die Nutzung dieser Gebiete aufgrund zu geringen Niederschlags für den Ackerbau ungeeignet ist, sind die Menschen dort stark von der Nutztierhaltung abhängig.

Im Human Development Index Rating der Vereinten Nationen nimmt Kenia von 188 registrierten Ländern den 145. Platz ein. Dieser wird nach dem Bruttosozialprodukt, der Lebenserwartung und der Anzahl an durchschnittlichen Schuljahren berechnet.  Viele Kenianer leben unterhalb der Armutsgrenze von einem US-Dollar pro Tag.

In ASAL-Gebieten stellen Dürreperioden oder Überflutungen die größte Bedrohung dar. Wenn Herden verdursten und Felder vertrocknen, wandern viele Menschen in der Hoffnung auf bessere Lebensbedingungen in die Städte ab, wo sie oft eine noch stärkere Armut vorfinden. Nairobi beispielsweise wächst jedes Jahr um mehrere hunderttausend Einwohner; ein derartiger Zuwachs stellt eine Herausforderung für die Versorgung dar. (s. TU Darmstadt 2015)

Tierärzte ohne Grenzen e.V. arbeitet deshalb daran, die nomadische oder halbnomadische Nutztierhaltung als Lebensgrundlage zu unterstützen, die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern (Wasser, Vermarktung, Tiergesundheit) und so der Landflucht entgegen zu wirken. Mit der Unterstützung zahlreicher Geldgeber setzt Tierärzte ohne Grenzen e.V. auf eine Reihe innovativer Technologien und Ansätze wie beispielsweise gemeinschaftliche Dürrevorsorge, einen ganzheitlichen Ansatz im Umgang mit natürlichen Ressourcen, Schaffung von Trainingszentren und „do no harm“-Ansätzen zur Vermeidung von Konflikten. Alle Interventionen von Tierärzte ohne Grenzen sind auf Risikomanagement und die Beendigung von Notlagen bei Dürre ausgelegt. Die Hauptaktivitäten beinhalten: Tiergesundheitsmaßnahmen, Aufbau von Wertschöpfungsketten in der Nutztierhaltung, Verteilung von Hilfsgeldern, Risikobewertung und -analyse, Notfallplanung bei Dürrekatastrophen, Dürrevorsorge, Planung und Frühwarnsysteme (Early Warning Systems), nachhaltige Nutzung von Weideland, wirtschaftliche Erstarkung durch Unterstützung von Sparvereinen, Verbesserung der Wasserhygiene und Oasenverwaltung, Konfliktbekämpfung, sowie politische Einflussnahme und Beratung. Die Aktivitäten werden gemeinsam mit anderen Partnern implementiert, zum Beispiel mit regionalen und internationalen Nichtregierungsorganisationen, UB-Vertretungen, Forschungsinstitutionen (wie KALRO und ILRI), regionalen und nationalen Regierungsvertretern, sowie den nationalen Behörden zur Dürrebewältigung.

Tierärzte ohne Grenzen e.V. unterstützt Potenziale in der lokalen Regierung, um Gerechtigkeit bei Verteilung von öffentlichen Mitteln zwischen der nationalen Regierung und den County-Verwaltungen voranzutreiben. So ist eine Entwicklung möglich, die auf den tatsächlichen nicht von außen auferlegten Bedürfnissen basiert. Tierärzte ohne Grenzen e.V. wird weiterhin Gemeinde- und Regierungsmitarbeiter durch Fortbildung unterstützen und sich dafür einsetzen, dass lokale Erfordernisse in den County-Verwaltungen Beachtung finden.