PARIS

Ernährungssicherung im Südsudan

Hintergrund

Gogrial East County im Südsudan war sehr stark vom Bürgerkrieg betroffen. Um den Wiederaufbau der gesamten Infrastruktur voranzubringen, hat Tierärzte ohne Grenzen e.V. von 2006 bis 2010 das RRP-Projekt (Recovery and Rehabilitation Project) durchgeführt. PARIS (Productive Asset Recovery and Institutional Strengthening) ist das Nachfolgeprojekt des RRP und legt den Schwerpunkt auf die langfristige Ernährungssicherung der Menschen, die in dieser Region leben.

Ziel unserer Arbeit

Um eine ausreichende Ernährung langfristig sicherzustellen, sind nicht nur Maßnahmen in Ackerbau und Tierzucht notwendig, sondern auch in den Bereichen Ausbildung und Kleinkreditprogramme. Die Menschen sollen die Möglichkeit erhalten, sich neben Pflanzenbau und Viehhaltung weitere Einkommensmöglichkeiten zu erschließen. Auch gute Regierungsführung ist ein wichtiges Thema: Die Projektaktivitäten sollen die Regierung dabei unterstützen, mit Problemen wie Stammesfehden oder der Unterbringung und Versorgung rückkehrender Flüchtlinge fertig zu werden. Deshalb wird Tierärzte ohne Grenzen bis zum Jahr 2013 ein breites Spektrum an Aktivitäten in den genannten Bereichen durchführen.

Aktivitäten und Ergebnisse

Bestandsaufnahme zum Projektstart

Um den Projekterfolg des Vorgängerprojektes zu ermitteln und um eine Basis für das neue Projekt zu finden, wurde eine umfangreiche Evaluierung des Landkreises unternommen. Sie wird als Grundlage für das neue Projekt PARIS dienen. Im Juli 2010 wurde das Projekt dann im Beisein des Geschäftsführers von Tierärzte ohne Grenzen, Dr. Wilhelm Dühnen, offiziell eröffnet.

Gute Regierungsführung

Das Projekt arbeitet eng mit der Landkreis-Verwaltung zusammen. Zu den ersten Projektaktivitäten gehörte deshalb die Instandsetzung von Büroräumen für die lokale Verwaltung. Regierungsmitarbeiter und lokale Partnerorganisationen erhielten eine 14-tägige Schulung in den Bereichen Planung und Budgetierung sowie Kontrolle und Evaluierung. Darüber hinaus gab es für Mitarbeiter lokaler Organisationen Fortbildungen im landwirtschaftlichen Bereich.

Konfliktlösung und Friedensbildung

Nach Jahren des Krieges ist die Gewaltbereitschaft immer noch stark ausgeprägt, weil andere Lösungswege wenig erprobt und erfahren wurden. Auslöser sind oftmals Auseinandersetzungen über limitierte Ressourcen, wie Wasser oder Weidefläche. Deshalb wurde zunächst eine Karte der Umgebung mit allen Konfliktgebieten angefertigt. Es wurde zudem versucht, die Ursachen für diese Konflikte zu ermitteln. In dieser Karte wurden auch die Bereiche vermerkt, in denen es nur knappe Ressourcen gibt. Anhand dieser Grundlagen konnte eine Interventionsstrategie erarbeitet werden, um Friedensbildung und Konfliktprävention in Gogrial East und den angrenzenden Regionen umzusetzen. Die traditionellen Strukturen der während des Krieges durch die Militärs entmachteten Häuptlinge spielen wieder zunehmend eine Rolle im Interessenausgleich der verschiedenen Stämme. Tierärzte ohne Grenzen hat die Einbindung des Council of Traditional Authority Leaders (COTAL) in Streitigkeiten und Gerichtsbarkeiten gefördert.

Tiergesundheit und Tierhaltung

Neben der seit Jahren praktizierten veterinärmedizinischen Versorgung durch Tiergesundheitshelfer, die von Tierärzte ohne Grenzen ausgebildet wurden, tritt zunehmend die Nutzung der Ochsen und Esel als Zugtiere ins Interesse. Tierärzte ohne Grenzen hat eiserne Pflüge eingeführt, denn zuvor haben viele noch mit dem Grabholz den Boden bestellt. Dadurch können die Landwirte ihre bebaute Fläche nun von 0,5 auf 1,5 ha/Familie erhöhen und erheblich zu einer verbesserten Versorgung mit Nahrungsmitteln, vornehmlich Hirse, Sesam und Erdnüssen, beitragen. Die Anspannung von Zugtieren zum Transport erlaubt überdies eine Marktorientierung, um durch sogenannte Cash Crops (Feldfrüchte, die hauptsächlich für den Verkauf bestimmt sind, wie z.B. Erdnüsse) Einkommen zu erzielen. Das Versorgungsnetz für die tierärztliche Betreuung der Nutztiere wird weiter ausgebaut. Hühnerhaltung soll die Proteinversorgung sowohl unmittelbar als auch langfristig verbessern. Besonders für Frauen, die traditionell für die Hühnerhaltung zuständig sind, ist das eine gute Möglichkeit, Einkommen und Ernährung der Familie zu verbessern. Hygienische Verbesserungen für die Schlachtung von Vieh auf Märkten sollen die Kontamination des Fleisches verringern.

Pflanzenbau

Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Steigerung der Produktivität in der Landwirtschaft. Dies soll durch verbesserte Bodenbearbeitung, einfache Technisierung sowie verbesserte Schädlings- und Unkrautkontrolle erreicht werden. Außerdem sollen verstärkt Hülsenfrüchte wie Bohnen und Kichererbsen angebaut werden. Maniok als trockenresistente Pflanze kann als Alternative zur Hirse angebaut werden. Weitere Maßnahmen sind sogenannte Farmer Field Schools, in denen die Bauern lernen, Obstbäume und ihnen unbekannte Gemüsesorten anzupflanzen und richtig zu pflegen.

Ausbildung / Einkommen schaffende Maßnahmen

15 junge Männer erhielten eine 14-tägige Ausbildung zum Schmied. Während dieser Zeit haben sie gelernt, landwirtschaftliches Gerät wie Futterbehälter für Hühner oder Schubkarren herzustellen sowie Ochsenpflüge zu reparieren. Damit haben diese jungen Männer nun die Möglichkeit, sich neben der Viehhaltung ein kleines Einkommen dazuzuverdienen. Des Weiteren sollen Kleinkreditgruppen gegründet und bessere Vermarktungsmöglichkeiten gefördert werden. Kleinkredite können helfen, Existenzgründungen zu unterstützen. Insgesamt sollen die Menschen darin bekräftigt werden, sich Einkommensmöglichkeiten durch Selbständigkeit oder Nebenverdienste aufzubauen.

Simmen aus dem Projekt

Unter den jungen Männern, die eine Ausbildung zum Blechschmied bekommen haben, ist auch Bol Atem. Durch eine Behinderung war es ihm bislang nicht möglich, seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen. In der Ausbildung hat er gelernt, Waren wie kleine Aufbewahrungsbehälter oder Backbleche anzufertigen, mit deren Verkauf er nun ein eigenes Einkommen erzielen kann.