Fakten zum Projekt
Laufzeit: 11/2009 – 03/2010
Zuwendungsgeber: IOM (aus Funds der Japanische Regierung)
Land: Somalia (Puntland)
Themenbereich: Einkommenssicherung
Abkürzung
IOM - International Organization for Migration
SOM-IOM
Verteilung von Ziegen
Hintergrund
Durch den langjährigen Bürgerkrieg und eine besonders heftige Dürreperiode haben in Somalia unzählige Menschen ihre Lebensgrundlage verloren. Viele mussten ihre Herden auf der Flucht zurücklassen, anderen verdursteten die Tiere. Dies löste eine große humanitäre Krise aus, die die Ärmsten am Härtesten getroffen hat.
Ziel unserer Arbeit
Die Ernährungs- und Einkommenssituation von rund 800 Personen in Puntland kurz- und langfristig zu verbessern, war das Ziel dieses Projektes.
Aktivitäten und Ergebnisse
In Puntland erhielten 100 Haushalte jeweils fünf Ziegen. Die Empfänger wurden mithilfe eines Komitees ausgewählt, das aus Dorfältesten, Mitgliedern der örtlichen Behörden und Ministerien sowie Tierärzte ohne Grenzen bestand. Kriterien für die Vergabe waren etwa, wie viele Tiere die jeweilige Familie bzw. die Person besaß, ob die Familie von einem alleinerziehenden Elternteil angeführt wurde oder ob die Familie Flüchtlinge aufgenommen hatte.
Die Tiere sollen den Grundstein für eine eigene Ziegenherde legen. Bei guter Pflege und Versorgung der Tiere kann die Anzahl der Tiere langsam wachsen. Die Ernährungssituation der Menschen wird durch die Milch der Ziegen bereits unmittelbar verbessert. Überschüsse können auf dem Markt verkauft werden und verhelfen den Menschen so zu einem kleinen Einkommen. Insgesamt profitieren knapp 800 Personen kurz- und langfristig von dem Projekt, darunter mehr als 200 Kinder. Diese benötigen die Milch besonders dringend für ihre tägliche Ernährung, ist sie doch in vielen trockenen Regionen Somalias die einzige Quelle für Vitamin C – Gemüseanbau gibt es wegen Wassermangels oft nicht.
Die Ziegen wurden direkt in den betroffenen Dörfern für umgerechnet 50 € pro Ziege gekauft. Diejenigen, die noch genug Tiere hatten, haben damit die Chance erhalten, ein Einkommen durch den Verkauf zu erzielen und so ihre Lebenssituation zu verbessern. Die Injektion von Geld in eine Gemeinschaft belebt die Ökonomie, sei es durch Investitionen, Konsum oder Beschäftigung.
Die Auswahl der Empfängerhaushalte und die Verteilung der Ziegen wurden bereits im Jahr 2009 abgeschlossen (wir informierten darüber im Jahresbericht 2009). Im Jahr 2010 lagen die Schwerpunkte der letzten Projektphase darauf, eine langfristige Erfolgskontrolle der Projektmaßnahmen und eine dauerhafte veterinärmedizinische Betreuung der Ziegen zu gewährleisten. Dazu wurden in den Dorfgemeinschaften Personen ausgewählt, die in regelmäßigen Abständen die Entwicklung der Ziegenherden auswerten sollen. Sie absolvierten eine Schulung, in der sie auf diese Aufgabe vorbereitet wurden. Die Richtlinien für die Kontrollen (z.B. Häufigkeit, Art der zu sammelnden Information, Dokumentation und Weitergabe) waren zuvor im Rahmen des Projekts entwickelt worden. Zusätzlich wurden in der Region Tiergesundheitshelfer ausgebildet. Die verteilten Ziegen wurden geimpft und im Krankheitsfall behandelt. Dabei stand die Bekämpfung von Zecken und Verwurmung im Mittelpunkt. Die Ziegenbesitzer wurden über die richtige Haltung und Pflege ihrer Tiere informiert.
Aus erster Hand
Die 35-jährige Faiza Mohamed Nur ist vor dem Krieg aus Mogadischu geflohen. Sie lebt jetzt mit ihren acht Kindern in Waberi, Puntland. Weil sie alleinstehend ist, muss sie ihre Familie allein durchbringen. Faiza kämpft täglich um das Überleben. Um ein kleines Einkommen zu erzielen, verkauft Faiza selbst gemachte Sesamklöße. Im Rahmen des SOM-IOM Projekts hat Faiza fünf trächtige Ziegen von Tierärzte ohne Grenzen erhalten. Sie hat die Ziegen zu ihrer Mutter gebracht, weil sie selbst keinen Platz hat, um sie unterzustellen, und kein Geld, um eine Umzäunung zu bauen. Faiza ist sehr glücklich über die Unterstützung, die sie von Tierärzte ohne Grenzen erhalten hat. Dank der tiermedizinischen Versorgung sind alle ihre Ziegen gesund. Faiza hofft, eines Tages von ihrer Herde leben zu können, indem sie die Milch und das Fleisch der Tiere verkauft. Die Milch der Ziegen ist schon heute eine wichtige Verbesserung für die Ernährung ihrer Kinder.

