Äthiopien

Wie viele Entwicklungsländer ist auch Äthiopien ein Land der starken Gegensätze: Einerseits ist die Hauptstadt Addis Abeba ein mit Nairobi in Kenia konkurrierendes regionales Zentrum am Horn von Afrika und Sitz der Afrikanischen Union. Äthiopien erfreute sich in der letzten Dekade einer zweistelligen jährlichen Wachstumsrate. Die Bevölkerung ist in der weit überwiegenden Mehrheit unter 25 Jahre alt – ein junges und dynamisches Land. Auf der anderen Seite stellt das sehr hohe Bevölkerungswachstum eine große Herausforderung für die Menschen und die Regierung dar.

Seit 1984 hat sich die Bevölkerung auf heute 85 Millionen verdoppelt, Prognosen der Vereinten Nationen schätzen, dass 2050 die Bevölkerung sich erneut verdoppelt haben wird. In diesem Tempo können weder Schulen oder Gesundheitszentren gebaut werden, noch schafft die Wirtschaft so schnell ausreichend Arbeitsplätze. In der Folge leben 80% der Bevölkerung auf dem Land, 20 Millionen – nach UN-Schätzungen – in absoluter Armut, also von weniger als einem US-Dollar pro Tag.

Vier Fünftel der Erwerbstätigen arbeiten in der Landwirtschaft, die 2011 rund 43 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erzeugte. Dennoch sind 7,4 Millionen Äthiopier von struktureller Unterstützung
durch Nahrungsmittel oder landwirtschaftlicher Hilfe abhängig. Im Falle einer Dürre, wie z. B. 2011 am gesamten Horn von Afrika, steigt diese Zahl deutlich weiter an.

Die Folgen des so genannten Land Grabbing sind in diesem Zusammenhang noch nicht klar. Investoren kaufen große Landflächen, um sie mit industriellen Methoden zu bewirtschaften; in anderen Ländern hat man die Erfahrung gemacht, dass die lokale Bevölkerung nicht von diesen Vorhaben profitiert hat.

Aufgrund der Konflikte in den Nachbarländern Sudan, Südsudan und Somalia leben derzeit rund 212.000 Flüchtlinge in Äthiopien. An der Grenze zu Kenia kommt es gleichfalls regelmäßig zu Auseinandersetzungen zwischen unterschiedlichen Ethnien.

Politisch war 2012 ein bedeutendes Jahr für Äthiopien. Meles Zenawi, der weit über die Grenzen Äthiopiens hinaus bekannte Premierminister, starb. Seinem Nachfolger, dem vormaligen Außenminister Desalegn, ist es bisher gelungen, die innere Stabilität des von vielen Ethnien geprägten Landes aufrechtzuerhalten.