Referendum im Südsudan
Vom 9. bis 15. Januar 2011 fand im Südsudan ein Unabhängigkeitsreferendum statt, bei dem 98,8 % der Wählerinnen und Wähler für die Abkopplung ihres Landes vom Nordsudan gestimmt haben.
Insgesamt gaben knapp vier Millionen Menschen ihre Stimme ab. Omar Hassan al-Baschir, der Staatschef des Sudan, hat die Ergebnisse anerkannt. Anfang Juli soll der Staat Südsudan offiziell gegründet werden. Bis dahin müssen noch verschiedene offene Fragen geklärt werden, z.B. zum Grenzverlauf und zur Aufteilung der Bodenschätze. Da die meisten Ölvorkommen im Süden liegen, das Öl aber über eine Pipeline durch den Norden gepumpt werden muss, um es ausführen zu können, müssen auch die Nutzungskonditionen verhandelt werden.
Tierärzte ohne Grenzen e.V. führt seit 1998 Projekte im Südsudan durch. Weil dort sehr viele Menschen von der Nutztierhaltung leben, aber kaum Tiergesundheitsdienste vorhanden sind, tragen die Ausbildung von Tiergesundheitshelfern und die Durchführung tiermedizinischer Maßnahmen viel dazu bei, die Situation der Menschen zu verbessern. Auch verschiedene Projekte zum Wiederaufbau und zur Ernährungssicherung hat Tierärzte ohne Grenzen im Südsudan durchgeführt. Im Vorfeld des Referendums gab es Befürchtungen, dass der Bürgerkrieg zwischen Nord- und Südsudan, der das Land von 1983-2005 erschüttert hatte, wieder aufflammen könnte. Daher stellte sich die Frage, ob die Arbeit dort fortgeführt werden kann. Doch die Situation blieb ruhiger als erwartet. Dazu Dr. Wilhelm Dühnen, Geschäftsführer von Tierärzte ohne Grenzen: „Alles ist wesentlich besser verlaufen, als viele befürchtet hatten. In unseren Projektgebieten gab es während des Referendums keine Probleme. Momentan ist die Lage weiter ruhig. Unsere Projektarbeit läuft ganz normal weiter.“ Schwierigkeiten sieht Dr. Dühnen derzeit eher in einem anderen Bereich: Weil der Südsudan viele Lebensmittel aus dem Norden bezieht und es durch die neue Grenzziehung Lieferschwierigkeiten gibt, sind die Lebensmittelpreise im Süden stark gestiegen. Wir hoffen, dass dieses Problem bald gelöst wird und dass die weiteren Verhandlungen zwischen Nord- und Südsudan bis zur offiziellen Staatsgründung einvernehmlich ablaufen.
Eines unserer Projekte im Südsudan ist das PARIS-Projekt zur Ernährungssicherung. Mit dem Kauf unserer Weihnachtskarten und Kalender im letzten Jahr haben viele von Ihnen bereits dazu beigetragen, dieses Projekt in der Anfangsphase zu unterstützen. Dafür danken wir Ihnen herzlich. Im Jahr 2011 stehen weitere Aktivitäten an, z.B. sollen bedürftige Flüchtlingsfamilien Hühner zur unmittelbaren und langfristigen Verbesserung ihrer Ernährungssituation erhalten. Ein Huhn kostet rund fünf Euro. Wir hoffen, dass wir auch weiterhin auf Ihre Unterstützung zählen dürfen.
