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20.07.2012 | Aktivitäten in Deutschland, News

„Die Zukunft des Südsudans liegt in der Hand der jungen Menschen“

Vortrag von Tinega Ong’ondi

Ochsenpflüge, Lehmhütten, Rinderherden – in einem Seminarraum der Tierärztlichen Hochschule Hannover flimmerten am Abend des 19. Juli 2012 außergewöhnliche Bilder über die Präsentationsfläche. Tinega Ong’ondi, Mitarbeiter von Tierärzte ohne Grenzen e.V., stellte ein Projekt der Organisation zur Ernährungssicherung im Südsudan vor. 

Obwohl der Termin in den Semesterferien lag, kamen Studierende der TiHo und lauschten eine Stunde lang gebannt den Ausführungen von Tinega Ong’ondi. Dieser beschrieb in seinem spannenden Vortrag zunächst die sozialen und politischen Hintergründe im Südsudan und erklärte, warum Projekte zur Entwicklungszusammenarbeit dort notwendig sind. 

Nach mehr als 40 Jahren Bürgerkrieg zwischen Nord- und Südsudan ist die Infrastruktur vollkommen zerstört. Die Menschen waren viele Jahre lang auf Nahrungsmittelhilfe der Vereinten Nationen angewiesen. Seit Erlangung der Unabhängigkeit am 09. Juli 2011 kehren viele Kriegsflüchtlinge in ihre Heimat zurück, ohne dort eine Ernährungs- und Einkommensgrundlage zu haben. Nun sollen Verbesserungen in Ackerbau und Viehzucht wie die Einführung von Ochsenpflügen und Tiergesundheitsmaßnahmen den Menschen dabei helfen, wieder selbst für ausreichend Nahrung und Einkommen zu sorgen. Dabei unterstützt sie Tierärzte ohne Grenzen.

Tinega Ong’ondi machte deutlich, dass langfristige Verbesserungen nur mit Hilfe von Friedensaktivitäten möglich seien. Der Einfluss der anhaltenden Konflikte zwischen dem Sudan und dem Südsudan auf den Alltag der Menschen sieht er als eher gering an. „Die wahre Gefahr kommt von innen“, so Ong’ondi. Denn viele Volksgruppen im Südsudan bekämpfen sich untereinander. Dabei geht es häufig um knappe Ressourcen und Nutzungsrechte von Weideplätzen oder Wasserstellen. „Allein in Jonglei sind von Juli 2011 bis April 2012 3.000 Menschen in Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten Clans ums Leben gekommen.“ 

Aus diesem Grund beinhaltet das Projekt von Tierärzte ohne Grenzen regelmäßige Friedenstreffen der Clans, um Vorurteile abzubauen und gemeinsame Lösungsstrategien zu erarbeiten. Auch die Unterstützung der Lokalregierungen durch Schulungen und Infrastruktur sieht Ong’ondi als zentralen Punkt. Nur so kann die Regierung die Führung der Gemeinden wieder selbst in die Hand nehmen und ihren Weg in die Selbstbestimmung finden. 

„Die Zukunft des Südsudans liegt in der Hand der jungen Menschen“, betont Tinega Ong’ondi am Ende seines Vortrags. Ihnen Bildung zu ermöglichen und alternative Lebensmöglichkeiten aufzuzeigen, sei der Schlüssel zur Veränderung: „Wenn der neue Staat Südsudan eine Zukunft haben soll, müssen wir den jungen Menschen eine andere Perspektive auf die Welt eröffnen als den Blick durch einen Gewehrlauf.“ 

Tinega Ong’ondi ist Diplom-Soziologe. Der gebürtige Kenianer leitet das PARIS-Projekt von Tierärzte ohne Grenzen im Südsudan.