Die Milch macht’s
Projekte für Nutztierhalter helfen beim Kampf gegen Mangel- und Unterernährung von Kindern.
Viehhaltung in Trockenzeiten zu unterstützen, hat einen wichtigen Einfluss auf die Nahrungssituation von Kindern in der Somali-Region in Äthiopien. Zu diesem Ergebnis kommt das Feinstein International Center in seinem Bericht „Milk Matters: The Impact of Dry Season Livestock Support on Milk Supply and Child Nutrition in Somali Region, Ethiopia“.
Dem Bericht zufolge leiden Kinder von Nutztierhaltern in der Region Somali in Äthiopien immer öfter an Nährstoffmangel. Dies ist eine Folge häufiger auftretender Dürren und damit verbundenem Nahrungsmangel. Die internationale Gemeinschaft hat darauf bislang meist mit Nahrungsmittellieferungen und medizinischer Behandlung von akutem Nährstoffmangel reagiert. Es wurde wenig getan, um zu verstehen, wie Milch den Ernährungsstatus von Kindern aufrechterhalten kann. Dabei ist Milch ein wichtiger traditioneller Bestandteil der Ernährung von Pastoralisten (Wanderviehhaltern) und gehört aufgrund ihrer ausgewogenen Nährstoffzusammensetzung zu den vollwertigsten Lebensmitteln der Welt.
Der Bericht präsentiert nun die Ergebnisse zweier Studien zum Einfluss von Projekten für kleinbäuerliche Viehhalter auf den Ernährungsstatus von Kindern unter fünf Jahren. Die Projekte hatten das Ziel, während der Trockenzeit die Versorgung der Haushalte mit Milch zu gewährleisten. Die Studien umfassten den Zeitraum von Juli 2010 bis Juli 2011 und wurden in zwei pastoralen Regionen in Somali, Äthiopien durchgeführt.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Milchversorgung in der Region, in der die Menschen Unterstützung für ihre Viehhaltung bekamen, wesentlich besser war als in der Kontrollregion. Dadurch konsumierten die Kinder erheblich größere Milchmengen; die Nährstoffversorgung stabilisierte sich im Vergleich zu den Kindern der Kontrollgruppe deutlich.
Darüber hinaus wiesen die Studien auch nach, dass die Projekte zur Unterstützung der Viehhaltung um 45 - 75 % kostengünstiger waren als die therapeutische Behandlung von Unter- und Mangelernährung. Zusätzlich gingen die Vorteile weit über die verbesserte Nährstoffversorgung hinaus: Aspekte wie Entwicklung, Gesundheit und die Sicherung von Lebensgrundlagen wurden ebenfalls positiv beeinflusst.
Laut Feinstein International Center bestätigen die Ergebnisse, was vier Jahre Forschung in diesem Bereich bereits gezeigt haben, und rechtfertigen einen Aufruf für neue, ganzheitliche und präventive Ansätze zum Umgang mit Unter- und Mangelernährung bei Kindern in pastoralen Regionen.
Für Tierärzte ohne Grenzen stellt der Bericht eine Bestätigung dar, wie wichtig und sinnvoll unsere Arbeit ist. Unsere Projekte für Nutztierhalter in Ostafrika folgen seit vielen Jahren genau diesem Ansatz: Wir unterstützen die Menschen durch verschiedene Maßnahmen in ihrer Viehhaltung, z. B. durch Aktivitäten zur Tiergesundheit, und tragen dadurch erheblich zu ihrer Nahrungsversorgung und zur Sicherung ihrer Lebensgrundlage bei.
Hier finden Sie den Bericht des Feinstein International Centers (in englischer Sprache): http://sites.tufts.edu/feinstein/2012/milk-matters

